Kritik: TATORT – DER WALD STEHT SCHWARZ UND SCHWEIGET

„Der Wald steht schwarz und schweiget“ – so der poetisch anmutende Titel dieses Ludwigshafener „Tatort“ mit dem Gespann Odenthal/Kopper. Und in der Tat entpuppt sich diese Zeile als Teil einer Strophe des bekannten Kinderliedes „Der Mond ist aufgegangen“. Doch dieser Krimi, der sich wohltuend vom klassischen „Whodunit?“-Prinzip der erfolgreichen Serie abhebt, ist keineswegs ein Kinderspiel. Lena Odenthal gerät hier in die Fänge von fünf mehrfach vorbestraften Männern, die als Teil einer Resozialisierungsmaßnahme mit dem Betreuer einer Einrichtung für straffällig gewordene Jugendliche in den Wäldern ein mehrtägiges Survival-Training absolvieren sollen: Ein Training, was sie an ihre physischen und psychischen Grenzen führen und das Gemeinschaftsgefühl stärken soll.

Und auch wenn sich dieser Beitrag der Reihe von der gängigen Machart unterscheidet und vielmehr an außergewöhnliche Episoden wie „Hochzeitsnacht“ oder „Franziska“ erinnert, so haben diese Ausnahmeerscheinungen der Reihe doch zwei Dinge gemeinsam: ein ungewöhnliches Szenario und das Motto „Kein „Tatort“ ohne Leiche!“.
Diese lässt auch nicht lange auf sich warten, und wurde von Regisseur Ed Herzog in einer eindrucksvoll inszenierten Einstiegssequenz in Szene gesetzt. Als Lena Odenthal dann am vermeintlichen Tatort keine Leiche vorfindet, setzt sich nicht nur das Rätselraten um den Toten und das Motiv für seinen Tod in Gang, sondern auch ein aufregendes Geiseldrama mit einigen Spannungsmomenten.
Und während Lena versucht nach dem Lehrbuch psychologisch auf die fünf Straftäter einzuwirken und sie gegeneinander auszuspielen, entwickelt ihr Kollege Kopper ungeahnte Führungsqualitäten bei der Suche nach seiner Mitbewohnerin.

Interessant macht diesen „Tatort“ nicht nur der Handlungsstrang, in dem mit Hilfe von Zeugenaussagen, Handyverbindungs-Auswertungen, Spurenanalysen und eines Spürhundes versucht wird, den Geiselnehmern auf die Spur zu kommen, sondern die Frage nach dem Wer und Warum steht hier genauso im Raum und bleibt bis zum spannenden Finale unbeantwortet. Dafür sorgen genug überraschende Wendungen und Entwicklungen innerhalb der Story: Nicht nur, dass eine zweite Leiche auftaucht – nein, auch Spannungen, die unter den Jugendlichen entstehen, Schuldzuweisungen und Misstrauen lassen die Stimmungen mehrmals hochkochen und die Gewalt eskalieren.

Inszenatorisch einwandfrei, nutzt dieser „Tatort“ den titelbildenden Wald zu seinem Vorteil und besticht durch eine ausgewogene Mischung aus Krimi und Entführungsdrama vor atemberaubender Naturkulisse. Routinierte Ermittlungsarbeit auf der einen Seite, trifft auf psycholgisches Feingefühl auf der anderen Seite. Aufwändig inszeniert, sehr gut gespielt und durchgehend unterhaltsam – ohne auf die sozialkitschige Tränendrüse zu drücken. Die familiären und gesellschaftlichen Hintergründe, die dazu führten, aus den fünf jungen Männern das zu machen, was sie sind, werden nur kurz und knapp angerissen.
Drehbuchautorin Dorothee Schön beweist nach dem skurrilen und schwarz-humorigen „Sterben für die Erben“, dass sie den komödiantisch angehauchten Krimi genauso beherrscht wie den dramatischen Thriller, und sorgt zusammen mit Regisseur Herzog für einen packenden „Tatort“-Moment.

8/10

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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