Kritik: DIE HORDE

Die Kritik beruht auf der UNCUT-Fassung von KINOWELT Österreich!

Mit krassen Schockern wie „Frontiers“, „Inside“ oder „Martyrs“ sind die Franzosen auf dem Vormarsch das europäische Horrorkino für sich zu beanspruchen und schicken mit „Die Horde“ einen weiteren Beitrag ins Rennen.
KINOWELT (das heutige Label STUDIOCANAL) hat sich diesmal bemüht, die Vertriebsrechte an „Die Horde“ zu sichern, nachdem Senator und Sun Film (heute TIBERIUS FILM) mit den oben genannten Werken satte Gewinne einfahren konnten.
Für den deutschen Verleih und den Handel wurde eine um fast 5 Minuten entschärfte Fassung auf den Markt geworfen, während Fans von ungeschnittener Ware die komplette Fassung über Österreich beziehen konnten. Zwischenzeitlich war „Die Horde“ sogar beschlagnahmt, doch die Einziehung wurde aufgrund eines Antrags von KINOWELT/STUDIOCANAL wieder aufgehoben.

Mit erfolgsversprechenden Schlagworten wie „innovativ, kompromisslos und ultrabrutal“ wird „Die Horde“ dem Genrefan marktschreierisch als „der beste Zombie-Film seit dem „Dawn Of The Dead“-Remake“ verkauft, der nach „Frontiers“ und Konsorten mit einer gewissen Erwartungshaltung an den neuesten französischen Horror-Hit geht.
Und wenn man besagte Filme mit diesem Streich der beiden jungen Regisseure Yannick Dahan und Benjamin Rocher vergleicht, so ist „Die Horde“ weniger intellektuell, sondern vielmehr trashiger als beispielsweise „Martyrs“, dafür aber umso unterhaltsamer.

Aber ist „Die Horde“ innovativ, wie es das Cover verspricht? Werfen wir zur Beantwortung dieser Frage einen Blick auf die Handlung: korrupte französische Cops wollen sich für den Tod eines Kollegen an nigerianische Drogendealern rächen, die sich in einer heruntergekommenen Hochhaussiedlung verschanzt haben. Zum geplanten Massaker wird es kommen, aber nicht wie sie es geplant haben – denn ohne ein „Wieso?“ oder „Warum?“ zu beantworten, tauchen plötzlich Zombies auf und Gangster und Cops müssen sich widerwillig zusammenraufen, um der blutrünstigen Horde Einhalt zu gebieten…
Ist „Die Horde“ nun innovativ oder nicht? Ganz klar nein, denn zum einen erfinden die Franzosen das Genre nicht neu, zum anderen ist die Ausgangssituation ausreichend aus diversen Klassikern bekannt, teilweise sogar aus John Carpenters „Assault“ entliehen.

Ist „Die Horde“ kompromisslos und ultrabrutal? Nicht mehr als andere neuzeitliche Zombiefilme. Die Hauptakteure des Films erwehren sich mit ebenso drastischen Mitteln der Kreaturen wie es aus „Dawn/Land Of The Dead“ oder „28 Days/Weeks Later“ hinreichend bekannt ist.
Im Gegenteil: die dargestellte Brutalität ist so auf die Spitze getrieben, dass „Die Horde“ viel von seiner Kompromisslosigkeit verliert und vielmehr wie eine abgedrehte Computerspiel- oder Comicverfilmung – wobei das Blut zwar eimerweise vergossen, aber auf explizit dargestellte Splattereffekte verzichtet wird.
Ein Kopfschuss, bei dem der Schädel eines Zombies wie eine reife Melone platzt, ist eher eine Seltenheit. Die letzten Überlebenden treten der Horde Zombies mit großkalibrigen Geschützen entgegen, verfeuern pausenlos Kugeln ohne nachladen zu müssen, und zielen trotzdem nur auf die Oberkörper, was natürlich keine Wirkung hat.
Das ganze Feuergefecht hat weder Sinn noch Verstand und dient lediglich dazu, den Zuschauer angesichts der Lautstärke wachzuhalten.

„Die Horde“ ist weder sonderlich spannend, noch wird das Treiben von einer stimmigen Atmosphäre begleitet. Die musikalische Untermalung ist zwar vorhanden, wird aber kaum wahrgenommen und kann der Handlung kaum dramatische Züge abgewinnen. Die Darsteller werden – sobald sie auf der Bildfläche erscheinen – kurz und knapp eingeführt, wobei die unterschiedlichen Charaktere und ihre Entwicklung noch zum Besten zählen, was der Film zu bieten hat. Dazu gehören – auch wenn woanders geklaut – die Konstellation Cops/Gangster sowie der im Vordergrund stehende Rachefeldzug, der zum Ende des Films konsequent ausgeführt wird. Wenn der Drogendealer es vorzieht von einem Cop hingerichtet, als von den Zombies zu ihresgleichen gemacht zu werden, oder zwei Brüder sich im Angesicht des Todes entzweien und einer von ihnen kurz darauf tragisch endet, weist der Film durchaus Stärken auf, die ihm leider allzu oft fehlen.
Ein weiterer Höhepunkt ist im Mittelteil des Films das Auftauchen des alten, kauzigen Hausbewohners René. Yves Pignot sorgt für einige skurrile Momente, und der aus den Dialogen und Handlungen resultierende Humor sowie der comichafte Stil, verleihen dem Film eine groteske Note.

Alles in allem ist „Die Horde“ nichts weiter als ein herkömmlicher Zombiefilm, der anderen französischen Werken nicht das Wasser reichen kann. Das dreckige Milieu, in dem er angesiedelt ist, die dargestellte Brutalität sowie der raue Umgangston sind die einzigen Indizien dafür, dass er aus dem Fahrwasser von „Frontiers“ oder „Inside“ stammt – ohne auch nur annähernd deren Klasse oder Intensität zu erreichen. Einen gewissen Unterhaltungswert kann man ihm jedoch zweifelsfrei bescheinigen – aber ein weiteres Highlight des europäischen Horrorfilms ist er nicht…

6/10

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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