Kritik: WIR WAREN KÖNIGE

Ab 05.06. bringt UNIVERSUM FILM diesen deutschen Thriller auf DVD und BR in den Handel – WIR WAREN KÖNIGE:

Das Sondereinsatzkommando der Polizei stürmt eine Wohnung. Der vermeintliche Routineeinsatz wird dem Team zum Verhängnis. Bei dem Zugriff wird einer der Beamten schwer verletzt und der Täter kann fliehen. Für die Gruppenleiter Kevin und Mendes markiert diese Eskalation einen neuen Höhepunkt der Gewalt, die ihnen in den letzten Jahren mehr und mehr entgegenschlägt. Doch auch aus den eigenen Reihen droht Gefahr. Das Innenministerium will aus Kostengründen mehrere SEK-Einheiten auflösen und das Team steht nun unter besonderer Beobachtung. Als im Zuge der Ermittlungen zwei Kollegen von Mendes’ Truppe erschossen werden und eine Dienstwaffe verschwindet, gerät die Situation außer Kontrolle.

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Jahre ist es her, als Deutschlands Ausnahme-Regisseur DOMINIK GRAF (DIE KATZE, TATORT: FRAU BU LACHT, DIE GELIEBTEN SCHWESTERN) mit beachtlicher deutscher Schauspiel-Prominenz den Actionthriller DIE SIEGER inszeniert hatte, in dem es ebenfalls um den inneren Zirkel einer verschworenen SEK-Einsatztruppe ging. An die Qualitäten und die Intensität des großen Vorbilds reicht Philipp Leinemanns Film natürlich nicht heran.

In Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ und ARTE entstand ein Werk, das thematisch eine vielversprechende Story vorzuweisen hat – letzten Endes aber auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen will. Dass dabei das Tanzbein, sprich hier der Handlungsverlauf, ermüdet liegt klar auf der Hand.
Dabei beginnt WIR WAREN KÖNIGE mit einer fiebrig und spannend inszenierten Eröffnung, bei der bei einem SEK-Einsatz eine Panne die nächste jagt. Auf der Strecke bleiben zwei tote Gangster, ein schwer verletzter Beamter und ein Drogendealer auf der Flucht. Zu allem Überfluss verschwindet auch noch konfisziertes Drogengeld vom Tatort, was die Spannungen extrem hochkochen lässt. Als kurz darauf zwei Kollegen, die offenbar die korrupten Machenschaften des Teams nicht weiter decken wollten, in einen Hinterhalt gelockt und kaltblütig erschossen werden, liegen die Nerven in dem Problem-Kiez einer namentlich nicht genannten Stadt blank.
Hier skizziert Regisseur Leinemann zwar den rauen und harten Alltag in dem Viertel, das geprägt ist von Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Kriminalität, desillusionierten Jugendlichen und gewaltbereiten Banden. Aber zusammen mit den Spannungen und kriminellen Aktivitäten einiger SEK-Beamter ist irgendwann das Handlungsgerüst zu sehr überfrachtet. Das eigentlich interessante Storyelement, Korruption, wird nur noch angekratzt, Ermittlungen zu den toten Kollegen gibt es keine – stattdessen wird einem Zeugen, den man für den vermeintlichen Täter hält, hinterher gejagt, während ein 13-jähriger Junge mit Migrations-Hintergrund alles tut, um anerkannt zu werden. Und als wäre das noch nicht genug ist die kriminell organisierte Türsteher-Szene in die Sache involviert.

Dass man angesichts dieser Fülle an Handlungssträngen alsbald den Überblick verliert, ist einer der größten Makel an WIR WAREN KÖNIGE. Anstatt sich um höchstens drei Faktoren der Handlung zu kümmern, wird zwischendurch immer noch ein weiterer hinzugefügt – und die Längen der Handlung tanzen im Quadrat. Zwar wird es Richtung Finale etwas spannender, doch werden die meisten Elemente der Geschichte nur unbefriedigend bis gar nicht aufgelöst. So sind es die vielen aus TV- und Kinofilmen bekannten Darsteller wie RONALD ZEHRFELD (ZWISCHEN WELTEN), MISEL MATICEVIC (IM ANGESICHT DES VERBRECHENS), THOMAS THIEME (TATORT: WILLKOMMEN IN KÖLN) und BERNHARD SCHÜTZ (TATORT: FEUERTEUFEL), die den Film interessant gestalten und ihn mit Mühe und Not auf einem durchschnittlichen Level halten.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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