Kritik: WILDERNESS
REVIEW DES TAGES – WILDERNESSSie sind Mörder, Bankräuber, Vergewaltiger und Drogendealer. Die Gesellschaft hat sie ausgestoßen, ihr Knast ist ein Schuttabladeplatz für menschlichen Müll, dem Abschaum der Gesellschaft. Nichts und niemand kann die Insassen des berüchtigsten Jugendgefängnisses von England einschüchtern – bis sie nach dem Selbstmord eines Mithäftlings in die Wildnis geschickt werden und die Hölle auf Erden erleben…

„Wilderness“ ist nach „Dog Soldiers“ und „The Descent“ ein weiteres herausragendes Meisterwerk des jungen, britischen Horrorfilms – ein kompromissloser und äußerst blutiger Schocker, ein fieser, dreckiger Bastard von einem Film.
Michael J. Bassetts „Wilderness“ beginnt einleitend als hartes Knastdrama um sich zehn Minuten später zu einem noch härteren und gnadenlosen Survival-Trip in den dichten Wäldern einer einsamen Insel zu verwandeln. Die jugendlichen Straftäter, die mit ihrem Aufseher dort gelandet sind, um ihre Aggressionen abzubauen, müssen schnell erkennen, dass die Insel tödliche Gefahren birgt und nicht so einsam ist, wie es anfangs den Anschein hat. Der erste bestialische Mord lässt nicht lange auf sich warten…

Von wem und warum einer nach dem anderen so grauenvoll umgebracht wird – das sind die zwei zentralen Fragen, deren Antworten erst im späteren Verlauf der Handlung geklärt werden.
Bei den ersten beiden Toten (einem Obdachlosen und einem der Jugendlichen) ist noch gar nicht klar, ob die unsichtbare Gefahr von einem Tier oder einem Mensch ausgeht. Regisseur Bassett versteht es, die Spannung zu steigern und mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers zu spielen. Hier ein dunkler Schatten, der schnell durch das Bild huscht, dort ein unheimliches Knurren. Aber keine konkreten Hinweise auf den oder das, was im Unterholz lauert und einen nach dem anderen aus der Gruppe dezimiert.
Erst nachdem der Aufseher von mehreren Pfeilen aus einer Armbrust getroffen und von Jagdhunden zerfleischt wird, wird deutlich, dass Mensch und Tier hier eine grauenvolle Symbiose eingegangen sind. Ein anonymer Wilderer macht unbarmherzig Jagd und treibt seine Beute in die Enge. Nach und nach verdichten sich die Anzeichen, wer und was hinter der Treibjagd steckt.

„Wilderness“ ist mehr als nur ein „simpler“ Horrorfilm, auch wenn das Szenario an klassische Backwood-Slasher erinnert. Er bezieht sein Potential nicht nur aus den obligatorischen Metzeleien im „Zehn kleine Negerlein“-Prinzip, sondern vor allem aus der Vielschichtigkeit seiner Story. Es ist schon erstaunlich, was Drehbuchautor Dario Poloni aus einer an sich simplen Rächerstory heraus geholt hat.
Beginnend mit der einleitenden Sequenz im Jugendknast – hier wird kurz und knapp, glaubwürdig ein realistisches Bild von den Zuständen solcher Anstalten aufgezeigt und angeprangert. Dass Quälereien und Demütigungen unterhalb der Gefangenen nicht ausschließlich ein Produkt der Phantasie eines Autoren sind, haben Geschehnisse in der Vergangenheit (u.a. der Foltermord in der JVA Siegburg) gezeigt.
Dann die unterschiedlichsten Charaktere, angefangen vom dominanten Bad Guy und seinem Mitläufer, über den zu Unrecht wegen Mordes einsitzenden und im Kern liebenswerten Good Guy, bis hin zum frauenverachtenden Vergewaltiger und dem schwächsten Glied in der Kette, dem Häftling, der den Schikanen aller anderen ausgesetzt ist – diese Mischung unterschiedlichster Interessengemeinschaften und aufgestauter Aggressionen sorgt für Spannungen und Eskalationen innerhalb der Gruppe. Das Verhalten der Protagonisten und unberechenbar, der Handlungsverlauf dadurch unvorhersehbar. Die Gefahr geht nicht nur vom Jäger, sondern auch von seiner Beute aus.
Zuletzt die Identität und die Motivation des Killers, der sich als Ex-Elitekämpfer entpuppt, was der blutigen Menschenjagd zusätzlichen Reiz verleiht. In verschiedensten Tarnanzügen gekleidet, passt er sich wie ein Chamälion und vollkommen lautlos seiner Umgebung an, um schnell und leise zu töten.
Dabei beweist er nicht nur ungeheure Brutalität, sondern auch Vielseitigkeit.

Und das ist es, was die Qualität von „Wilderness“ ausmacht: Regisseur Bassett zelebriert nicht nur eine einfallslose Nummernrevue brutaler Massakrierungen, sondern überzeugt mit einem Gesamtpaket, bestehend aus nervenzerfetzenden Horror und blutigen Schockmomenten, gepaart mit ungeheurer Spannung und Dramatik, unerwarteten Überraschungsmomenten, einer ausgefeilten Dramaturgie, sowie einem Hauch von Sozialkritik, garniert mit extrem blutigen und teilweise sehr derben Effekten.

So, genauso muss es sein! So und nicht anders!

 

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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