Kritik: THE RAID 2
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Nachdem Rama die Razzia auf ein mit Gangstern gefülltes Hochhaus überlebt hat (siehe THE RAID), wartet gleich die nächste Herausforderung auf ihn: Er lässt sich vom Boss seiner Spezial-Einheit zu einem riskanten Undercover-Einsatz überreden: Mit einer neuen Identität ausgestattet, soll er seine Verhaftung provozieren, um im Gefängnis Kontakte zum Gangster-Sprössling Uco zu knüpfen. Über den soll sich Rama Zugang zum mächtigen Syndikat von dessen Vater Bangun verschaffen. Langsam arbeitet er sich im Gefängnis in der Hierarchie der Gesetzlosen nach oben und gewinnt nach einiger Zeit das Vertrauen von Uco. Als Rama nach zwei Jahren Haft endlich entlassen wird, schafft er es eine wichtige Position in Banguns, von höchsten Stellen gedeckten Verbrecherorganisation zu ergattern. Dieser erste Erfolg und alle weiteren Fortschritte werden für den jungen Familienvater jedoch von der ständigen Angst überdeckt, als Polizeispitzel entlarvt zu werden…Ganz auf sich alleine gestellt, beginnt er die verschiedenen Clans gegeneinander auszuspielen, im Sumpf aus Korruption und Gewalt aufzuräumen und mit den Mördern seines Bruders abzurechnen…

Am 27.11.2014 veröffentlicht KOCH MEDIA THE RAID 2 in der ungeschnittenen Fassung und präsentiert das hochgelobte Action-Feuerwerk sowohl als DVD und BR, als auch in zwei BR-Steelbooks u.a. auch zusammen mit Teil 1, sowie in einer ULTIMATE EDITION!

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THE RAID 2 knüpft nahtlos an die Ereignisse des ersten Teils an: Andi, Ramas Bruder, wird von Gangsterboss Bejo kaltblütig hingerichtet, was Rama dazu veranlasst, nach anfänglichem Zögern, den Job seines Vorgesetzten anzunehmen, sich für einige Zeit von Frau und Kind zu trennen und die Gangsterorganisation zu infiltrieren.

Die Fortsetzung beginnt in den ersten Szenen sehr ruhig – auch im weiteren Handlungsverlauf des ersten Drittels des knapp 150 Minuten langen Action-Opus nimmt sich Drehbuchautor und Regisseur GARETH EVANS ausgiebig Zeit, die Geschichte des Films zu erzählen und die wichtigsten Figuren vorzustellen. Wer THE RAID gesehen hat, wird auf dem ersten Blick von den Anfängen des zweiten Teils irritiert sein – doch jedem Zweifler sei an dieser Stelle gesagt: Es ist nur die Ruhe vor dem Sturm! THE RAID 2 entwickelt sich spätestens in der zweiten Hälfte zu einem orkanartigen Action-Gewitter, das von seiner epischen Erzählweise stark an SERGIO LEONES bildgewaltigen Italowestern-Opus SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD erinnert.

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Die Geschichte der euphorisch von Fans des ersten Teils erwarteten Fortsetzung mag hier einen hohen Stellenwert einnehmen, doch das altbekannte Handlungsgerüst um Rache, Freundschaft, Loyalität und Seilschaften innerhalb eines Verbrechersyndikats dient nur als Mittel zum Zweck für eine fast beispiellose Verkettung hervorragend inszenierter Actionszenen, die sich bis zum dramatischen Finale unaufhörlich steigern.

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GARETH EVANS konnte nach dem sensationellen Erfolg des Erstlings für seine Fortsetzung auf ein größeres Budget zurückgreifen und inszenatorisch aus dem Vollen schöpfen. Das Setting des ersten Teils weicht hier dem weitläufigen Terrain des undurchdringlichen Großstadt-Dschungels und glänzt, als Alternative zu den unzähligen Fights, mit einer fulminanten Autoverfolgungsjagd, die ohne lästige CGI-Effekte umgesetzt wurde.

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In erster Linie überzeugt THE RAID 2 jedoch durch eine Vielzahl, u.a. von Hauptdarsteller IKO UWAIS choreographierter Martial Arts-Sequenzen, die den Fights des ersten Teils in nichts nachstehen. Der virtuos inszenierte finale Endkampf stellt dabei alles vorherige in den Schatten und darf zu den absoluten Höhepunkten dieses bleihaltigen, halsbrecherischen Actionfilms gezählt werden. Die Kamera leistet dabei ausgezeichnete Arbeit und ist so nah am Kampfgeschehen dabei, dass der Zuschauer glaubt, tatsächlich die Kochen brechen zu hören.

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Auch in Hinsicht der dargestellten Härte bleibt GARETH EVANS seinem Stil treu und liefert die gesamte Bandbreite graphischer Gewalt ab und geht dabei bis an die Grenze: Da werden Kehlköpfe heraus gerissen, Schädel zertrümmert und zerquetscht, Körper von Kugeln durchsiebt, Knochen gebrochen und die Leiber mit Hämmern, Sicheln und Macheten in Fetzen gerissen. Brutal, blutig – und dabei mit einem stimmigen Score untermalt.

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Dass THE RAID, vor allem aber dessen Fortsetzung, trotz ihres brachialen Charakters, nicht zu stupiden Gewalt- und Actionorgien verkommen, liegt vor allem auch an den hervorragenden Darstellern, den grandiosen Höhepunkten innerhalb der Fights (z.B. das Hammer-Girl), und EVANS Sinn für Ästhetik und einer anspruchsvollen Inszenierung, die sich in einer, für Actionfilme ungewöhnlichen, aber sehr reizvollen Farbdramaturgie widerspiegelt. Sie erinnert an die großen italienischen Genre-Klassiker von MARIO BAVA oder DARIO ARGENTO oder den Italowestern LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG, der sowohl von Martial Arts-Fan QUENTIN TARANTINO in KILL BILL Vol. 1, als auch hier in der schneeverhangenen Seitengasse zitiert wird, die sich blutrot verfärbt und einen grandiosen Kontrast abgibt.

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„Style over Substance“ – ein Motto, das bereits DARIO ARGENTOS Werke wie PROFONDO ROSSO, TENEBRE und SUSPIRIA auszeichnete und keineswegs als negative Kritik verstanden werden sollte. Im Gegenteil: Damit verleiht EVANS seiner, als Trilogie geplanten Reihe, einen gewissen künstlerischen Anspruch, der THE RAID 2 von herkömmlichen Actionfilmen unterscheidet. Wenn in Bejos Gourmet-Tempel der blutrote Teppich als Metapher steht für das Blut, das an den Händen des Gangsterbosses klebt, und sich die sterile Großraum-Küche im dramatischen Finale zum blutigen Schlachtfeld verwandelt, ist dieser Film ein gewaltiges, kraftvolles Action-Opus in höchster Perfektion, das die Längen der ersten Filmhälfte schnell vergessen lässt.

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About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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