Kritik: THE NIGHT BEFORE HALLOWEEN

Das Halloween-Fest (in Deutschland vor allem durch John Carpenters gleichnamigen Slasher ein Begriff) benennt die Volksbräuche am Abend und vor der Nacht vor Allerheiligen. Der bekannteste Brauch besteht darin, dass Kinder von Haus zu Haus ziehen und mit „Süßes, sonst gibt’s Saures“ (englisch: „Trick Or Treat“ – „Streich oder Leckerbissen“) die Bewohner auffordern, ihnen Süßigkeiten zu geben, weil sie ihnen sonst Streiche spielen. Dabei sind Verkleidungen sehr beliebt. Kinder wie auch Erwachsene verkleiden sich als Feen, Fledermäuse, Geister, Hexen, Kürbisse, Skelette, Zombies oder Vampire. Die zeitweiligen Übergriffe bis zum vermehrten Vorkommen von Brandstiftungen, Sachbeschädigungen, Vandalismus durch Häuserschmierereien oder Eierwürfe, die zu vermehrten Einsätzen der Polizei führen, geben in den USA der „Mischief Night“ zum 1. November einen ähnlichen „Unruhnachtcharakter“ wie im mitteleuropäischen Brauchtum die Walpurgisnacht.

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In „The Night Before Halloween“ (Originaltitel: „Mischief Night“) wird die Thematik aufgegriffen und dient als Ausgangspunkt für einen nervenaufreibenden Old School-Thriller, der in den Grundzügen Ähnlichkeiten mit dem 1967er-Klassiker „Warte, bis es dunkel wird“ aufweist:
Für Emily Watson (Noell Coet) ist nach einem tragischen Autounfall nichts mehr so, wie es einmal war. Ihre Mutter ist dabei ums Leben gekommen und Emily durch den Schock erblindet und traumatisiert. Unter Schuldgefühlen und Erinnerungslücken leidend, lebt der Teenager nun bei seinem Vater David (Daniel Hugh Kelly). In der Nacht vor Halloween geht ihr Vater aus. Für das erste Date seit geraumer Zeit lässt er seine Tochter, trotz aller Zweifel, allein zurück. Mit fatalen Folgen: Ein maskierter Killer im gelben Regenmantel, schleicht sich ins Haus und terrorisiert Emily. Er verfolgt sein Opfer auf Schritt und Tritt durch das riesige Anwesen. Doch Emily versucht trotz ihres Handicaps dem bewaffneten Eindringling zu entkommen und die Nacht zu überleben…

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Bereits im Prolog von Richard Schenkmans Schocker wird mehr als deutlich, dass der mysteriöse Fremde im gelben Regenmantel die Bedeutung von „Halloween“ fehlinterpretiert, und die Streiche gnadenlos auf die Spitze treibt. In bester Slasher-Tradition wird gleich in den ersten Minuten ein unheimliches Szenario entworfen und zum Ausdruck gebracht, dass der maskierte Killer mit seinen Opfern ein perfides Katz- und Mausspiel treibt, dass sie mit dem Leben bezahlen.

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Und mit Tempo treibt Schenkman auch den weiteren Handlungsverlauf von „The Night Before Halloween“ voran. Lediglich zehn Minuten wurden investiert, um die wichtigsten Charaktere und die Beziehungen zueinander zu vertiefen – und schon steht einem spannenden und dramatischen Home Invasion-Thriller nichts mehr im Wege, der es jederzeit mit „The Strangers“ oder „The Collector“ aufnehmen kann.

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Schenkman, der zuvor für „The Asylum“ den Mockbuster „Abraham Lincoln vs. Zombies“ zu verantworten hatte, beherrscht die Klaviatur des Schreckens perfekt und versteht es, das weiträumige Anwesen zu nutzen. Die unheimliche Atmosphäre ist intensiv in Szene gesetzt, der Soundtrack harmoniert hervorragend mit dem Sounddesign und unterstreicht das Terror-Feeling perfekt. Die Schock- und Stalking-Momente sind clever gesetzt und wohldosiert über den Film verteilt – in diesen Momenten erinnert der Thriller auch an das große Vorbild Carpenters. Aber „The Night Before Halloween“ ist, auch wenn der deutsche Verleihtitel es suggeriert, kein plumpes Plagiat eines unerreichten Klassikers – im Gegenteil: der Film hat eine eigene Klasse, ist dabei spannend und nervenaufreibend wie lange kein Film mehr zuvor. Während ähnliche Produktionen mit derben Effekten protzen, punktet Schenkman vielmehr durch subtilen Nervenkitzel und Schocks, die den Zuschauer ins Mark treffen.
Der Film ist ein idealer Anwärter für das Mitternachtskino und funktioniert am besten, in einer ruhigen und dunklen Nacht. Dann sitzt jeder Schock und bereits das Klopfen an einer Tür bringt den Puls zum Rasen.

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„The Night Before Halloween“ ist intensives, nervenaufreibendes Hochspannungskino, das den Zuschauer gnadenlos in den Sessel drückt. Noell Coet meistert ihre Rolle als Emily hervorragend und auch die deutsche Synchronisation weiß zu gefallen.
Der Film ist neben „Ben & Mickey vs. The Dead“ und Tinto Brass kontroversem Naziploitation-Klassiker „Salon Kitty“ eine der ersten Veröffentlichungen des relativ frischen Labels METEOR FILM.

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Die Veröffentlichung von „The Night Before Halloween“ überzeugt dabei in vielerlei Hinsicht: METEOR FILM überzeugt nicht nur durch eine lupenreine Bild- und Tonqualität, die auch in den Nachtszenen überzeugen kann, sondern spendiert dem Fan perfekt gestaltete Artworks und Wendecover ohne FSK-Logo. Die Erstauflage der BR-Veröffentlichung kommt zudem als limitierte Schuber-Edition daher, auf der das FSK-Logo lediglich aufgeklebt und leicht entfernbar ist.
Die FSK-Freigabe „ab 18“ ist durchaus gerechtfertigt: auch wenn der Film überwiegend auf Suspense und Thrill setzt, überrascht „The NIght Before Halloween“ mit zwei, drei saftigen Kills, bei denen mitunter auch die Kettensäge zum Einsatz kommt.

Ganz klare Empfehlung! 8/10

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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