Kritik: SINDBAD – HERR DER SIEBEN MEERE

Das italienische Fantasy-Spektakel, basierend auf „The Thousand And Second Tale Of Scheherazade“ von EDGAR ALLAN POE – jetzt erstmals von KOCH MEDIA auf DVD und BR veröffentlicht:

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Gemeinsam mit seinen Freunden – Prinz Ali, dem Zwerg, dem chinesischen Glücksritter, dem bärenstarken Saropoulos und einem Wikinger – hat Sindbad (LOU FERRIGNO), Sohn der mächtigen Stadt Basra und Herr der Sieben Meere, die entlegensten und geheimnisvollsten Winkel der Alten Welt erforscht und zahllose Abenteuer und Gefahren bestanden. Jetzt kehrt er mit seinen Gefährten zurück nach Basra, wo die prunkvolle Vermählung Alis mit Alina, der bezaubernden Tochter Pals, des weisen Kalifen, stattfinden soll.
Aber Basra, die Perle des Orients, ist zu einer Geisterstadt geworden. Denn Jaffar, der Zauberer (JOHN STEINER, bekannt aus unzähligen Italo-Produktionen wie CALIGULA), schmiedet in seinen dunklen Gemächern düstere Pläne: Mit Hilfe Schwarzer Magie, mächtiger Dämonen und einer obskuren Gehirnwäsche-Apparatur, will er die Welt unterwerfen und Alina zur Königin des Reichs der Dunkelheit machen.
Erneut ist Sindbad zum Kampf gefordert – zu einem Kampf, der über das Schicksal Basras und der ganzen Alten Welt entscheiden wird…

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Und so wird der heldenhafte Sindbad, so eine Art „James Bond des Orients“, mit seinen wagemutigen Recken in ulkigen Karnevalskostümen mit verführerischen Amazonen, unheimlichen Geistersoldaten, schleimigen Monstern und weiteren 1000 Gefahren konfrontiert, um Recht und Ordnung wieder herzustellen und das Gute über das Böse siegen zu lassen. Nach einer Idee von LEWIS COATES, der bereits für die beiden HERKULES-Abenteuer mit Ex-HULK LOU FERRIGNO verantwortlich zeichnete, lieferte TITO CARPI (DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER, ZEDER) zusammen mit Regisseur ENZO G. CASTELLARI (EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE, THE RACKET) ein dürftiges Drehbuch, das dabei dem banalen Handlungsmuster der HERKULES-Verfilmungen folgt ohne aber deren erzählerische Leichtigkeit und den Unterhaltungswert beider Trash-Paraden zu erreichen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte zwar temporeich und mit viel Haudrauf-Action wie bei einem BUD SPENCER-Film inszeniert ist – aber auch sehr bruchstückhaft erzählt wird. SINDBAD wird während seiner Mission von einer brenzligen Situation zur nächsten geschickt ohne dabei einem geradlinigen Handlungsverlauf zu folgen. Das resultiert vielmehr aus der unsinnigen Rahmenhandlung, in der DARIA NICOLODI (PROFONDO ROSSO, PHENOMENA, Exfrau von DARIO ARGENTO) ihrer Tochter in der Gegenwart die Geschichte aus einem Märchenbuch vorliest, die praktisch episodenhaft in das filmische Treiben eingebunden wird.

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SINDBADS Abenteuer bietet zwar farbenprächtiges und exotisches Märchen- und Seefahrer-Kintopp vor malerischen Kulissen und bedient sich dabei des phantastischen, kitschig-romantischen Charmes der orientalischen Geschichten aus 1001 Nacht. Der ungewöhnliche Synthesizer-Score passt überhaupt nicht zum dargestellten Szenario, doch ist es gerade diese Komposition, die dem Film etwas Reiz verleihen kann. Ebenso wie JOHN STEINER als widerlicher, schleimiger Scharlatan, der den Bösewicht mit einem Overacting und superben Dialogperlen gibt, dass es eine der wenigen Freuden ist, die man an ENZO G. CASTELLARIs Machwerk ausmachen kann.

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Waren schon DIE ABENTEUER DES HERKULES eine Grenzerfahrung, allerdings mit hohem Spaß- und Unterhaltungsfaktor, ist die kindlich-naive SINDBAD-Verfilmung mit LOU FERRIGNO nun wirklich nur noch banales Kleinkind-Entertainment. Trotz trashigen Charmes sprüht der Funke nicht über und so schippert der holde Sindbad mit seinem Kahn relativ belanglos und mit deutlichen Längen über die Weltmeere. Halbwüchsigen kann man mit solchen kindischen Albernheiten und knallbunten Kokolores aus 1001 Nacht noch eine Freude bereiten, aber Filmfans ab der achten Schulklasse sollten sich dann doch lieber an HERKULES oder CASTELLARIs früheren Inszenierungen halten.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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