Kritik: SCHAMLOS

Nach „Geißel des Fleisches“ folgte drei Jahre später mit „Schamlos“ Eddy Sallers zweiter Beitrag zum europäischen Exploitationfilm und setzt die Linie des Vorgängers fort. Die Inszenierung der, angeblich ebenfalls auf wahren Ereignissen beruhenden Kiezballade um Revierstreitigkeiten in Frankfurts Rotlicht- und Amüsierviertel, schöpft aus dem Vollen und liefert dem sensationslüsternen Publikum der damaligen Zeit eine blutige und vulgäre Mischung aus den genretypischen Sex & Crime-Zutaten. „Schamlos“ – der Titel dieses reißerischen Halbwelt- und Milieukrimis bringt es auf den Punkt: Schamlos im Handeln der Protagonisten und schamlos hinsichtlich der spekulativen Darstellung von Nuditäten und Brutalitäten. Saller bleibt dem freizügigen Stil von „Geißel des Fleisches“ nicht nur treu, sondern steigert sich sogar noch und liefert dem Zuschauer in rauen Bilder exakt das, was die Thematik hergibt: Blutige Machenschaften, sexuelle Ausschweifungen, Mord und Totschlag, unterwürfige Mädchen und knallharte Kerle – all das bietet „Schamlos“ und verleiht dem Reißer noch eine sexistische und frauenverachtende Note. Sleaze at it´s Best – Trash- und Exploitation-Freund, was willst Du mehr?

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Alexander Pohlmann (Udo Kier „Hexen bis aufs Blut geschändet“), kaum 20-jährig, ist Boss einer Bande von Rowdies und Ganoven, die das Nachtgeschäft einer Großstadt kontrolliert. Schutzgelderpressung, Prostitution und Körperverletzung bis hin zum Auftragsmord. Pohlmann kennt keine Skrupel und kein Gewissen. Als ihm in einer Bar die attraktive Tänzerin Arabella auffällt, erzwingt er ihre Freigabe und gewinnt sie für seine Zwecke. Das passt nicht ins Konzept des Gangsterkönigs Kowalski (Rolf Eden „Schwarzer Markt der Liebe“, „Drei Lederhosen in St. Tropez“). Auf einem ausgelassenen Künstlerfest, einem Happening der Otto-Mühl-Kommune, versuchen sich die beiden zu arrangieren. Doch die Rechnung geht nicht auf. Als kurz darauf Arabella ermordet wird, kommt es zur fatalen Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontrahenten…

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Neben Udo Kier und Rolf Eden agieren unter anderem noch Marina Paal in der sehr freizügigen Rolle der Arabella und Vladimir Medar als ihr Vater, der Zuschauern aus diversen Karl May-Verfilmungen und dem deutschen Gruselfilm „Die Schlangengrube und das Pendel“ bekannt sein dürfte.
Udo Kier hat in seiner internationalen Karriere in über 160 Kinofilmen mitgespielt – „Schamlos“ gehört zu seinen frühesten Rollen. Rolf Eden ist eher als Playboy, Geschäftsmann und ehemaliger Nachtclubbesitzer bekannt – er prägte in den 50er und 60er Jahren die Nachtclub-Szene in Berlin und blieb auch in den 70er und 80er Jahren in dem Metier erfolgreich tätig. Immer wieder arbeitete Eden auch als Schauspieler und wirkte bisher in etwa 30 Filmen mit – zumeist in der Rolle des Bösewichts, wie er auch hier eindrucksvoll unter Beweis stellt.

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„Schamlos“ ist routiniert in Szene gesetzt und ein kurzweiliges Vergnügen, das dem Zuschauer im Finale noch eine überraschende Wendung präsentiert. Darüber hinaus ist der Film relativ schlicht und einfach – er glänzt vor allem durch einen sehr groovigen Score von Gerhard Heinz, lässt aber ausgefeilte Kameraperspektiven vermissen. Der Unterhaltungswert steht im Vordergrund und Saller weiß, sein Publikum bei der Stange zu halten. Trotz kleinerer Längen im Mittelteil, gestaltet sich die Frage nach dem Mörder spannend und gipfelt in einer intelligenten Auflösung, mit der man nicht gerechnet hätte.

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Insgesamt ein gelungener Beitrag im großen Fundus der Kiezkrimis und eine der wenigen Ausnahmeerscheinungen, die wirklich hält, was Titel und Genre versprechen. Kein Meisterwerk, aber filmhistorisch von großer Bedeutung, dem die gelungene Veröffentlichung von Donau Film voll und ganz gerecht wird. Auch dieser Titel wurde im Pappschuber mit aufgedrucktem FSK-Logo veröffentlicht, während das Wendecover mit alternativem Kinoplakat-Motiv frei von Beanstandungen ist. Das Bonusmaterial setzt sich auch hier wieder aus Interviews mit Regisseur, Produzent und Darstellern und einem Trailer zusammen.

6/10

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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