Kritik: OMNIVOROS – DAS LETZTE MA(H)L

 

Marcos Vela (Mario de la Rosa) ist ein angesehener Restaurant-Kritiker und immer auf der Suche nach einer heißen Story. Eines Tages erfährt er bei einem Auftrag von einem exklusiven Restaurant-Zirkel, der angeblich Bankette mit Menschenfleisch veranstaltet. Bei den heimlichen Treffen sollen reiche Kunden Unsummen zahlen, um Gerichte aus menschlichem Fleisch zu kosten. Marcos ist entschlossen, dem nachzugehen und seine Nachforschungen zu veröffentlichen. Er trifft bei seinen Recherchen auf Eva (Marta Flich), die ihm bei seinem Artikel hilft und zu der er eine intensive Beziehung aufbaut. Mit investigativem Elan verschafft sich der Journalist schließlich tatsächlich Zutritt zu einem der unethischen Gelage, aber wer einmal die Schwelle zum Reich des Kannibalismus überschritten hat, der droht, selbst als Futter für die reichen Exzentriker zu enden. Der Horror beginnt.

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Marcos Vela, ein bekannter Gastronomiekritiker, erfährt bei seinen Recherchen zu einem neuen Buch von einem ganz besonderen Restaurant, in dem die handverlesene Kundschaft angeblich Menschenfleisch serviert bekommt. Von journalistischem Ehrgeiz getrieben, sucht Vela den Kontakt zu der geheimnisvollen Organisation, die hinter diesem Restaurant steckt. Ein Unterfangen, welches er schon bald bitter bereuen wird.

„Omnivoros“ kann man auch kurz und knapp als die kulinarische Variante von „Hostel“ bezeichnen – wobei hier weniger ein Folterszenario in einer schmierigen, heruntergekommenen Fabrikhalle im Vordergrund steht, als vielmehr eine blutige Schlachthaus-Atmosphäre für den außergewöhnlichen Gaumenschmaus.
Ob sich hinter dem geschmackvoll arrangierten Dinner letzten Endes tatsächlich ein intensives Geschmackserlebnis verbirgt, soll uns ein Blick auf die Menüabfolge liefern.

Die Vorspeise besteht aus einem Jahre zurückliegenden, im kräftigen Gelbstich inszenierten Prolog, dessen geschmackliche Finesse erst im späteren Verlauf zur vollen Entfaltung kommt. 
Der Hauptgang, der sich aus verschiedenen, exquisiten Fleischvariationen zusammensetzt, erweist sich nach ersten Bissen als recht zäher Brocken, der dem cineastischen Gourmet anfangs schwer im Magen liegt – abgerundet wird der erste Gang mit geschwollenem Geschwafel sowie Anekdoten und Geheimnissen aus fernöstlichen und europäischen Küchen. 
Der zweite Gang weiß den Feinschmecker schon mehr zu überzeugen. Das Fleisch ist zart und saftig – und wer es lieber medium rare mag, wird sich über so manchen Blutspritzer freuen. Wer über den Tellerrand hinausschaut, mag sich im weiteren Verlauf des Dinners über so manche Dialogperlen freuen – die genau auf den Punkt gebracht sind. Dabei wird peinlichst genau, nach allen Regeln der Kochkunst, auf einen subtilen Spannungsaufbau geachtet, der das kulinarische Festmahl mit einem Überraschungs-Dessert zu einem wahren Höhepunkt verhelfen soll. Dieses wird mit dem Gift des Kugelfischs angereichert und verhilft der Speisenfolge zu einem spritzigen und unvergesslichen Finale. Während des Dinners empfiehlt der Chefkoch einen ausgezeichneten, vollmundigen Wein – eine erlesene, vielseitige Geschmackskomposition, die den Gaumen kitzelt und das I-Tüpfelchen dieser kulinarischen Entdeckungsreise darstellt.

Mit anderen Worten: „Omnivoros“ erweist sich im Laufe der Handlung als überaus spannender und kontroverser Thriller, der die Kannibalismus-Thematik in ein anspruchsvolles, edles Ambiente kleidet. Der Hauptteil spart nicht mit expliziten Gewaltdarstellungen, doch wird der blutrünstige Aspekt dieses ungewöhnlichen Films nicht über Gebühr strapaziert.

Sicherlich ein Film, der nicht jedermanns Geschmack treffen wird – doch wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, kann sich so schnell dem außergewöhnlichen Geschmackserlebnis nicht entziehen, das darüber hinaus hervorragend in Szene gesetzt und mit einem vielseitigen Soundtrack veredelt ist, der die stimmungsvolle Atmosphäre dezent, aber äußerst gelungen untermalt.

Ein kleiner Gaumenschmaus für Feinschmecker des Bizarren!

7/10

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