Kritik: NIGHT RIPPER (FILMART GIALLO-EDITION)

NIGHT RIPPER – DAS MONSTER VON FLORENZ:

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Mit diesem Titel, seit 05.Juni 2015
im Handel, liegt der nunmehr sechste Beitrag der GIALLO EDITION von
FilmArt vor und präsentiert sich wie gewohnt im stilsicheren
strahlenden Gelb als DVD/BR-Combo in hervorragender Bild- und
Tonqualität. Somit ist FilmArt das erste Label, das diesen 1986er
Spät-Giallo erstmals in HD veröffentlicht, dabei seinem Ruf wieder
einmal voll und ganz gerecht wird und dem Fan des Subgenres eine
weitere Perle in ihrer ungeschnittenen Pracht zugänglich macht.
Ein Giallo mit True Crime-Bezug, basiert die Handlung des Films doch
auf tatsächlichen Begebenheiten in Bezug auf eine mysteriöse Mordserie
an Liebespaaren, die zwischen 1968 und 1985 einem Serienmörder,
genannt „Das Monster von Florenz“, zum Opfer fielen. Der Killer geht
mit mathematischer Präzision vor: gleicher Tatbestand in gleichen
Abständen. Immer im Sommer in mondlosen Nächten – und die Polizei
steht dem Wahnsinn machtlos gegenüber…Ein Killer, der in seiner
Vorgehensweise an den Son Of Sam erinnert, der sich jedoch seinem
amerikanischen Pendent dahin gehend unterscheidet, dass das „Monster
von Florenz“ die Geschlechtsteile seiner weiblichen Opfer zusätzlich
barbarisch verstümmelt…

Das mitternächtliche Schäferstündchen eines jungen Paares findet ein
jähes Ende, als der NIGHT RIPPER mit Messer und Pistole bewaffnet, den
Liebesrausch in einem Blutrausch enden lässt. Kaltblütig feuert er das
komplette Magazin auf die wehrlosen Opfer, die Schüsse durchbrechen
die Stille der Nacht. Von fünf Kugeln getroffen, doch mit
ungebrochener Willenskraft, kann das männliche Opfer zunächst fliehen
und durch das Dickicht der finsteren Waldlichtung entkommen, wird aber
recht schnell von dem Phantom eingeholt und mit dem Messer grauenvoll
zugerichtet. Am nächsten Tag stehen die ermittelnden Beamten wieder
einmal fassungslos vor den blutüberströmten Leichnamen – und noch
immer gibt es nach all den Jahren keine Spur von dem Täter.

Regisseur CESARE FERRARO, der zusammen mit FULVIO RICCARDI auch das
Drehbuch schrieb, ist in seinem Debut bemüht, die tatsächlichen
Ereignisse der Mordserie filmisch zu rekonstruieren und dabei ein
realistisches Bild der Polizei- und Ermittlungsarbeit zu zeichnen.
1986 entstanden, in einer Zeit als das italienische Genrekino sich
langsam dem Zusammenbruch der Filmindustrie näherte und Filme mangels
Budget frühere Qualitäten vermissen ließen, überrascht NIGHT RIPPER
mit einer äußerst sorgfältigen Inszenierung – wobei die eingestreuten
Sexszenen in der deutschen Synchronfassung einer gewissen
unfreiwilligen Komik nicht entbehren. Davon abgesehen ist der Film
darstellerisch, dramaturgisch und inszenatorisch besser als vieles
andere aus der damaligen Zeit, wenn auch stilistisch kein Meisterwerk
wie der ein Jahr zuvor entstandene PHENOMENA von DARIO ARGENTO.
Hinsichtlich der psychopathologischen Täterskizzierung passt das Motiv
des Täters in die Formel handelsüblicher Gialli. Hinzu kommen etwas
Sex und nackte Haut sowie Blut, dabei ist NIGHT RIPPER in seinem
Bestreben in Bezug auf Dialogarbeit und Schauspielführung nahezu
anspruchsvoll zu sein, ein weniger aufregender und zuweilen
untypischer Genre-Vertreter – aber deshalb nicht minder unterhaltsam.

FilmArt bleibt auch mit diesem Titel seinem eigenen Anspruch treu und
veröffentlicht NIGHT RIPPER in gewohnt sorgfältiger Ausstattung, wobei
jedoch das Artwork der bislang erhältlichen und womöglich
geschnittenen DVD-Fassung von MADISON gelungener ist. Dafür punktet
diese Auflage mit einem mehrseitigen Booklet von HEIKO HARTMANN, das
zum einen auf die allgemeine Faszination für wahre Serienkiller
eingeht, die Taten des „Monsters von Florenz“ und weitere Hintergründe
offenlegt und die Inszenierung sowie die Darsteller des Films
thematisiert. Dieses Booklet ist sehr informativ, aber leider viel zu
klein geschrieben. Hier sollte man in Zukunft darauf achten, dass die
Schriftgröße etwas angepasst wird. Die auf 1000 Exemplare limitierte
Auflage beinhaltet sowohl die italienische Originalfassung als auch
die internationale Kinofassung, beide jeweils mit deutschen und
italienischen Tonspuren sowie deutschen und englischen Untertiteln.
Der italienische Trailer sowie eine kleine Trailershow zu bisherigen
Filmen aus dieser Edition runden das Bonusmaterial ab.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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