Kritik: NACKT FÜR DEN KILLER

Das Fotomodell Evelyn stirbt bei einer verpfuschten Abtreibung unter den Händen des Frauenarztes, der kurz darauf brutal ermordet wird. Diese Tat setzt eine ganze Mordserie in Gang, deren Opfer bestialisch erstochen werden und aus dem Umfeld des Fotostudios „Albatros“ stammen. Der homosexuelle Fotoassistent fällt ebenso der scharfen Klinge des Mörders zum Opfer, wie die bisexuelle Inhaberin und ihr impotenter Ehemann. Was haben sie alle gemeinsam und wer ist DER UNHEIMLICHE KILLER, der für Angst und Schrecken sorgt?

So lautet dann auch gleich der Titel der BR-Neuauflage dieses erotischen Giallo-Machwerks aus dem Jahre 1975, für das kein geringerer als der ungekrönte „König des Horrorsex-Genres“ verantwortlich zeichnet: ANDREA BIANCHI, dem wir so unterschiedliche Exploiter wie DIE RACHE DES PATEN oder DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES zu verdanken haben. Unter dem zutreffenden Titel NACKT FÜR DEN KILLER wurde der Film kürzlich in zwei unterschiedlichen Mediabook-Varianten von X-Rated veröffentlicht, nachdem der Titel bereits unter DIE NACHT DER BLANKEN MESSER und STRIP FOR THE KILLER in unzähligen Ausführungen in diversen Hartboxen mehrfach aufgelegt worden war. An der inszenatorischen Qualität ändern auch die einfallsreichen Alternativtitel nichts – DER UNHEIMLICHE KILLER hält, was das Schund-Siegel ANDREA BIANCHI verspricht: Exploitativer Sleaze ist das Markenzeichen des Regisseurs und es kommt gleich in der ersten Szene zum Ausdruck: Evelyn, die breitbeinig auf dem Gynäkologenstuhl ihr Innerstes nach außen kehrt und bei einem Schwangerschaftsabbruch nicht nur ihr Kind verliert – was folgt ist eine zum Teil primitive Nummernrevue von schmierigen Softsex-Szenen und blutigen Mordsequenzen. Preisgünstig inszeniert, stimmungsvoll mit einem gelungenen Score von BERTO PISANO untermalt und, trotz Längen im letzten Drittel, durchaus unterhaltsam. Sex & Crime machen den Löwenteil der Handlung aus, jede Situation wird selbstzweckhaft ausgenutzt, um Hauptdarstellerin EDWIGE FENECH und ihre ansehnlichen, kurvenreichen Schauspielkolleginnen nackt ins Rampenlicht zu setzen. Spannung, Tempo oder raffinierte Handlungsentwicklungen sucht man hier vergeblich – hier dominieren nackte Schenkel und pralle Brüste das Geschehen.

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Ein Killer in der genretypischen Lederkluft mit Motorradhelm, ein zwielichtiger Fotograf, ein Frauenarzt mit tödlichem Nebenverdienst, ein dicker Lustmolch mit Ödipus-Komplex und Potenzproblemen, ein schwuler Fotoassistent, etwas Lesbensex und ein Hauch von SM – das sind die klischeehaften Zutaten, mit denen das hauchdünne
Handlungsgerüst zusammen gehalten wird. Kein Meisterwerk, aber handwerklich durchaus solide, bietet DER GEHEIMNISVOLLE KILLER anspruchslose Unterhaltung für zwischendurch. Italophil eingestellte Filmfreunde und Trash-Liebhaber können uneingeschränkt zugreifen. Den Feingeistern empfehlen wir dann doch lieber die hochkarätigen Genre-Perlen…

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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