Kritik: MUM & DAD
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Die jungen Frauen Lena (Olga Fedori) und Birdie (Ainsley Howard) arbeiten gemeinsam als Reinigungskräfte am Flughafen. Als Lena eine Einladung Birdies ausschlägt, sorgt die dafür, daß sie ihren Bus verpaßt und bietet ihr eine Übernachtungsmöglichkeit bei ihr zuhaus an, doch ihr Haus entpuppt sich als Heimat im Niemandsland inmitten der Heathrow-Einflugschneise. Kaum angekommen, wird sie auch schon bewußtlos geschlagen und erwacht später in einem Alptraum: dieser Haushalt im Nirgendwo wird von einer total disfunktionalen Familie geführt. Dad (Perry Benson) ist ein mörderischer Psychopath zu gewissen Zeiten, während Mom (Dido Miles) Lena praktisch mit süßlicher Sentimentalität als neue Tochter neben Birdie und dem „adoptierten“ Sohn Elbie zuschüttet, während sie sie foltert. Obwohl Lena in der Folge in diesem Psychopathenhaushalt fast wahnsinnig wird, überlebt sie weiter, weil sie begreift, daß sie ein Teil dieser „Familie“ werde muß, wenn sie jemals entkommen will…

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 Im Zuge der Welle an harten Horrorschockern aus Europa, allen voran aus Frankreich, ließen auch die Engländer nicht lange auf sich warten. 
„Eden Lake“ beispielsweise, war ein sozialkritischer Terrorfilm erster Güte, ein Film, den die Queen sicherlich nicht bei einem schmackhaften Gurken-Sandwich zum 4-Uhr-Tee goutieren würde – sie wäre angesichts der schonungslosen Härte und der dargestellten Verrohung der Jugend aus sozialschwachen Schichten „not amused“.

Ein Prädikat, das auch bestens zu meinem Gesamteindruck nach Sichtung des Films „Mum & Dad“ passt. 
Und um gleich auf den Punkt zu kommen: Steven Sheils Film ist Durchschnitt – nicht mehr und nicht weniger. 
Er ist weder gut, noch schlecht. Es ist kein Film, den man unbedingt mehrmals schauen kann und es ist auch kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss. 
„Mum & Dad“ ist ein Film, der einen zumindest fesselt um abzuwarten, was bei diesem bizarren Schreckenskabinett passieren wird. 
Und das, was passiert, erfindet das Genre des Terror & Torture-Movies sicherlich nicht neu, ist dabei streckenweise vorhersehbar, setzt verstärkt auf Psychoterror als auf blutige Exzesse und wird den abgebrühten Gorehound sicherlich schwer enttäuschen.

„Mum & Dad“ wirkt wie ein Patchwork-Movie, bei dem Autor und Regisseur Steven Sheil möglichst viele Elemente aus verschiedensten Genres und bekannten Filmen zu einem mosaikartigen Horrorthriller zusammen geschnibbelt hat, der handwerklich grundsolide erscheint, dem es aber eindeutig an Atmosphäre, Spannung und Dramatik mangelt.
Der Film ist eine Mischung aus „Frightmare“, jenem britischen 70ies-Horrorschocker von Pete Walker, der als englische Antwort auf „The Texas Chainsaw Massacre“ galt: 
Ein älteres Ehepaar murkst Touristen ab, um diese zu zerlegen und dann zu verspeisen. 
Interpretiert man die Szenen in „Mum & Dad“ richtig, scheinen auch bei der hier dargestellten Sippe kannibalistische Neigungen vorhanden zu sein – zumindest frönt „Dad“ der abnormalen Leidenschaft, es mit den Gedärmen kürzlich abgeschlachteter Mädchen zu treiben – sicherlich die ekeligste und geschmackloseste Szene des gesamten Films.

„Mum & Dad“ foltern ihre Opfer und plündern sie aus (Verweis auf den Tankstellenwart aus „The Hills Have Eyes“), wobei das Szenario um die kranke Familie nicht von ungefähr an den Klassiker „The Texas Chainsaw Massacre“ erinnert.
Ein junges Mädchen in den Klauen einer durchgeknallten Sippe, die ständige Angst vor physischer und psychischer Gewalt, diverse Fluchtversuche – das alles erinnert nicht nur an „TCM“, sondern auch an aktuellere Filme wie „Storm Warning“oder „Frontiers“.
Doch letzten Endes ist der kammerspielartige Horrorthriller zu sparsam inszeniert, als dass das dargestellte Szenario auch nur ansatzweise den Zuschauer mit einer fühlbaren Bedrohung oder Spannungsmomenten packen könnte. 
Das Finale endet genauso schnell wie es eingeleitet wurde – allerdings bietet die Flucht von Lena, dem obligatorischen Final Girl, einen minimalen Spannungsanstieg. 
Aber ansonsten ist „Mum & Dad“ so aufregend wie ein Familienfest mit der anstrengenden Verwandtschaft, denn der Inszenierungsstil ist so minimalistisch, dass sogar auf eine musikalische Untermalung verzichtet wurde.

Trotz aller Kritik schafft es der Film den Zuschauer zumindest über 80 Minuten lang zu fesseln – ohne dass sich größere Längen in der Handlung bemerkbar machen. 
Der Zuschauer bleibt, in der Hoffnung, im weiteren Handlungsverlauf noch das ultimative Horror-Feeling zu erleben, am Ball – nur um sich letzten Endes der riesigen Enttäuschung bewusst zu werden, dass „Mum & Dad“, bis auf wenige Momente, relativ blutleer und geschwätzig bleibt.
Das, was der Zuschauer von der Familie zu sehen bekommt, ist zwar krank und eigentlich der Stoff, aus dem Torture & Terror-Movies geschneidert werden, doch Steven Sheil hat zu sehr mit der heißen Nadel gestrickt. 
Keine Emotionen, keine Atmosphäre, keine Spannung, keine Höhepunkte – da kann er sich mit einer durchschnittlichen Platzierung mehr als zufrieden geben. Wie gesagt: Durchschnitt – nicht mehr und nicht weniger!

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