Kritik: THE LAST HOUSE ON THE LEFT (REMAKE)
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Mari verbringt die Ferien mit ihren Eltern an einem abgelegenen Seehaus. Als sie mit einer Freundin dem jungen Fremden Justin in sein Motelzimmer zum Kiffen folgt, bricht Maris heile Welt zusammen. Die beiden Frauen werden gequält und vergewaltigt. 
Während ihre Freundin stirbt, kann sich die angeschossene Mari ins Haus ihrer Eltern schleppen. Ausgerechnet dort sucht die Gang unwissentlich Unterschlupf. Als das Ehepaar von dem Gewaltverbrechen an ihrer Tochter erfährt, nehmen sie an den Tätern gnadenlos Rache.

 Die Kritik basiert auf der Extended-Version, die ca. 5 Minuten länger als die Kinofassung ist!

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Bei der Kritik eines Remakes ist es nun einmal so, dass sich direkte Vergleiche zum Original – sofern man es gesehen hat – nicht vermeiden lassen. So verhält es sich auch bei „The Last House On The Left“, der Neuverfilmung von Wes Cravens berühmt-berüchtigten Rape & Revenge-Movie aus den frühen 70er Jahren. Ein Werk, dass ich übrigens für sehr überschätzt halte, gemessen an seiner Entstehungszeit aber ziemlich harter Tobak war.
Und das ist dann auch gleich der markanteste aller Kritikpunkte, denn das Remake, für heutige Verhältnisse und im Vergleich zum Original, viel zu harmlos ausgefallen.
„The Last House On The Left“ ist kein schlechter Film, er ist auch nicht langweilig – aber das, was Regisseur Dennis Iliadis als Neuinterpretation eines Klassikers inszeniert hatte, der wegen seiner Härte hierzulande bundesweit beschlagnahmt wurde, lässt den Zuschauer einfach kalt. Das, was hier über eine Laufzeit von 109 Minuten geboten wird, ist die Weichspül-Variante eines Rape & Revenge-Movies, dem der Mut zur nötigen Kompromisslosigkeit fehlt, was wiederum auf vermarktungsrelevanten Strategien und auferlegten Freigabekriterien des produzierenden Studios zurückzuführen ist.

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Im Vergleich zum Original mit fast 30 Minuten in die Länge gestreckt ohne der genretypischen Selbstjustiz-Story neue Impulse zu verleihen, erreicht das Remake zu keiner Zeit den rauen, dreckigen und sleazigen Charakter des Vorbilds und lässt die nötige Härte vermissen, um richtig zu schockieren und zu polarisieren wie einst das Original aus den frühen 70ies.
Die Vergewaltigung von Mari ist, für heutige Kino-Verhältnisse, ziemlich brutal ausgefallen und darf zu den härtesten Momenten gezählt werden, doch der Rest weist die typische Handschrift einer aalglatten, sauberen Mainstream-Produktion aus.
Tony Goldwyn und Monica Potter als Maris Eltern machen ihre Sache recht ordentlich, vor allem Potters Rolle als besorgte, in letzter Konsequenz aber unerbittliche, und vor allem kämpferische Frau, weiß zu gefallen, wogegen Goldwyn als treusorgender Familienvater und pflichtbewusster Arzt vor allem gegen Ende des Films gegen jegliche Regeln des hippokratischen Eids verstößt.
Davon ab, ist es vor allem die im Original von David Hess dargestellte Rolle des Anführers, die in der Neuverfilmung mit Garret Dillahunt als Krug nicht adäquat besetzt worden ist. 
Während man bei David Hess in seinen vielen Rollen als sexistischer und vulgärer Psychopath, vor allem in „The Last House“, den Sadismus und den Spaß an seinen widerlichen Taten in jedem Winkel seiner Visage zu erkennen vermochte, wirkt Dulahunt dagegen viel zu blass und kann seiner Rolle als durchgeknallten Vergewaltiger kaum etwas abgewinnen. Er wirkt einfach nicht bedrohlich genug, so dass man ihm den Sadisten, so wie man ihn aus Cravens Film kennt, zu keiner Zeit abnimmt.

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Um wohl einem möglichen Verbot des Remakes zu entgehen und somit eine gewinnbringende weltweite Vermarktung zu gewährleisten, wurde gleich auf prägnante Szenen wie Krugs Aufforderung „Piss Dir in Deine Blue Jeans“ oder auf den tödlichen Blowjob an einem der Peiniger, komplett verzichtet – so dass auch hier das Ausmaß der erniedrigenden Demütigungen, die Mari und ihre Freundin Paige über sich ergehen lassen müssen, kaum zum Ausdruck kommen.
Erst im finalen Kampf zwischen Vater Collingwood und Krug kommt ansatzweise der Sadismus Krugs zum Vorschein, als er seinen Gegner fragt, ob er wissen wolle, wie eng seine Tochter doch sei.
Ansonsten hält sich das Ausmaß an Abartigkeiten, Sadismen und graphischer Gewalt, für einen Film dieses Kalibers, arg in Grenzen. Der Vergeltungszug gegen die Vergewaltiger der Tochter verläuft – wie auch schon im Original – nach dem „10 kleine Negerlein“-Prinzip – insgesamt mit gewissen Härten, aber noch im Rahmen des erträglichen.
Ansonsten konnten der simplen Story keine neuen Impulse hinzugefügt werden. Die brutale Befreiung Krugs aus Polizeigewahrsam, gleich zu Beginn des Films, erweckt Hoffnungen, die im weiteren Verlauf der Handlung kaum erfüllt werden.
Ebenso hat das familiäre Schicksal der Collingwoods – der Verlust ihres Sohnes Ben vor einem Jahr – keinen nennenswerten Einfluss auf die Handlung und hätte auch im Schneideraum verschwinden können. 
Dieser Schicksalsschlag hat für die Dramaturgie des Films keinerlei gravierende Bedeutung – weder dass das Ehepaar dadurch vor den Scherben ihrer Ehe stehen und erst durch den Überlebenskampf wieder zueinanderfinden würde (so wie bei „Motel“), noch dass Vater und Mutter dadurch noch stärker um ihre Tochter kämpfen würden, denn das würden sie auch, wenn Mari schon immer ihr einziges Kind gewesen wäre.
Vom inszenatorischen Standpunkt aus betrachtet fehlt dem Film, angesichts der kontroversen Thematik, nicht nur eine gewisse Härte, sondern vor allem nervenaufreibende Spannung und Dramatik.
John Murphys Score beinhaltet zwar einige schöne Melodien, doch auch hier entfaltet sich die ganze Kraft seiner Komposition erst in der finalen Auseinandersetzung.
„The Last House On The Left“ schafft es leider nur selten, an die Nerven der Zuschauer zu gehen, dafür wird die Palette filmischer Gewalt einfach zu unspektakulär und ohne Überraschungen abgespult.

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Insgesamt gesehen kein schlechter Film, der allerdings den Makel hat, dass er zwar schön anzuschauen, aber dabei auch erschreckend belanglos und steril ist. Er ist besser als das Original, zumal Wes Craven zu jener Zeit noch nicht auf der Höhe seiner späteren Klasse war. Aber der rauen, bösartigen und dreckigen Klasse des Originals wird Iliadis Werk zu keiner Zeit gerecht.

6,5/10

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