Kritik: LA PETITE MORT 2 – NASTY TAPES
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Vor fünf Jahren drehte der Independent-Filmer Marcel Walz auf der Höhe der sogenannten Torture Porn-Movies mit „La Petite Mort“ die deutsche Antwort auf extremen Folter-Horror, und landete nach Filmen wie seinem Erstling „Camp Corpses“, „Kadaver“ oder „Tortura“ einen Überraschungshit, der in Fankreisen euphorisch gefeiert wurde. 
Trotz des unübersehbaren Independent-Charakters ließ sich bereits bei „LPM“ erkennen, dass der junge Walz das Potential hat, sich vom herkömmlichen Amateur-Bereich abzusetzen. Es folgten u.a. Filme mit so bezeichnenden Titeln wie „Avantgarde“, „Schlaraffenhaus“ oder „Plastic“. Ob Slasher wie „Klischee“ oder die beiden „RAW“-Teile, die im typischen Found Footage-Stil inszeniert sind – Walz, der selber Horrorfilme liebt, zeichnet sich durch einen experimentellen Stil aus und weiß in den unterschiedlichsten Subgenres zu überzeugen. Von Uwe Boll protegiert, lieferte er mit „The New Breed“ die Fortsetzung zu dessen Schocker „Seed“ ab.
Seine Entwicklung vom einfachen Amateurfilmer hin zum talentierten Independent-Regisseur ist nicht abzustreiten – handwerklich und inszenatorisch zählt er, neben Olaf Ittenbach, zu den professionellsten Sternen am deutschen Indie-Himmel. 
Walz, der sich gerne mit Stars, Sternchen und sonstiger C-Prominenz wie Gina-Lisa Lohfink oder „Hinter Gittern“-Aktrice und Dschungelcamp-Heroin Katy Karrenbauer umgibt, die er auch für seinen Film „Plastic“ verpflichtete, hat seit „Seed 2“ bekannte Namen wie Ryan Nicholson („Gutterballs“), Uwe Boll („Rampage“), Manoush Vazquez („Seed 2“) oder It-Girl und Vollzeit-Exhibitionistin Micaela Schäfer um sich gescharrt. Mit Ausnahme von Vazquez, die bereits im ersten Teil von „LPM“ als Mamam Fabienne mit von der Partie war, sind sie alle, mehr oder weniger, in der Fortsetzung vor oder hinter der Kamera aktiv. 
Der Cast mit einigen ansehnlichen „Darstellerinnen“ und Cameos von bekannten Genre-Größen, wird durch den Auftritt von Penthouse-Pet Nicole Neukirch perfekt gemacht, die die Schäfer mit ihrer Körbchengröße gekonnt an die Wand des schmierigen S/M-Settings von „Nasty Tapes“ „spielt“.

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Das finstere Etablissement „La Petite Mort“ hat den Besitzer gewechselt – mit dem extravaganten Päarchen Jade (Micaela Schäfer) und Matheo Maxim (Mika Metz) hat es sich zu einem Club entwickelt, der sich auf die bizarren und perversen Wünsche und Fetische seiner exklusiven und zahlungskräftigen Kundschaft spezialisiert hat – jede noch so ausgefallene Idee wird von den beiden Sadobeauties Monique und Dominique (Yvonne Wölke und Annika Strauß), stilsicher in Lack und Leder gekleidet, in die blutige Tat umgesetzt: da werden Fingernägel heraus gerissen oder gleich die Finger oder das Handgelenk abgeschnitten, mit dem Absatz eines Schuhs der Schädel zertrümmert und ein Auge heraus geschält, mit spitzen Nadeln penetriert oder mit Starkstrom gefoltert bis der Körper qualmt, sowie Hautlappen akkurat heraus geschnitten…

Der Einfallsreichtum von Walz kennt keine Grenzen und man merkt „LPM 2“ an, wie sehr sich sein Regisseur dem Horrorgenre zugehörig fühlt. Die großen Vorbilder wie „SAW“ und „Hostel“ sind unverkennbar – doch wo der Mainstream abblendet, gehen Independent-Produktionen konsequent den Schritt zu Ende…nichts wird der Phantasie des Zuschauers überlassen, wenn es darum geht, die tiefsten menschlichen Abgründe auf Zelluloid zu bannen. Selbst der kontroverse „Serbe“ wird zitiert und die blutige Schlachtplatte serviert zum Nachtisch „Finger Food“. Für deutsche Verhältnisse treibt Marcel Walz die Möglichkeiten des Torture Porn auf die Spitze – angereichert mit kannibalischen Häppchen und dem Drang, zu experimentieren.
Bot Teil 1 noch eine nachvollziehbare Rahmenhandlung und eine halbwegs liniare Storyline, so setzt Walz bei seiner Fortsetzung auf eine clipartige Nummernrevue von Folterexzessen im Rahmen eines Promotion-Videos für das titelbildende Torture-Etablissement. Die teilweise sterile, auf den vordergründigen Effekt abzielende Inszenierung steigert sich im Finale zu einer kruden, aber äußerst gelungenen, in schwarz-weiß gedrehten Hommage an den Stummfilm – ein experimentelles Highlight des Films. 

Knapp 83 Minuten lang stellt Walz sein Talent unter Beweis und liefert einen bluttriefenden Terror- und Folterfilm ab, der exakt die Härten bietet, die sein „Seed 2“ teilweise vermissen ließ. Die Special- und Make-Up-Effects von Ryan und Megan Nicholson können sich sehen lassen, der Schnitt von Kai E. Bogatzki orientiert sich in seiner Stakkato-Offensive an US-Vorbildern – ohne jedoch schwindelerregende Ausmaße zu erreichen. Drehbuch und Regie von Marcel Walz sind ideen- und einfallsreich, wenn auch die provokanten Phrasen leichten Hang zur unfreiwilligen Komik haben. Aus der Schar der unzähligen (Selbst-)darsteller sticht lediglich Mika Metz mit einer soliden Performance eines gespalteten Charakters heraus, während der Rest zwar gut aussieht, aber weder besser, noch schlechter als die Darsteller aus „Verdachtsfälle“ spielt. Für eine Independent-Produktion sind die Leistungen der Darsteller jedoch akzeptabel und unterstreichen die B-Movie-Atmosphäre. Vor allem Neukirch, Schäfer & Co setzen optische Akzente und die Special Guests wissen ebenfalls zu gefallen. Keiner würde hier anspruchsvolle Charakterdarstellungen erwarten – von daher ist es in Ordnung so, wie es ist. Ansonsten liefert Klaus Pfreudner wieder einen hämmernden und eindringlichen Score ab, der allerdings auf die Dauer zu aufdringlich wirkt. 

Insgesamt ist „LPM 2 – Nasty Tapes“ ein unterhaltsamer Film und handwerklich routinierter Exploiter, der Titten, Trash & Terror hervorragend kombiniert. Angesichts der Thematik und einiger kontroverser Szenen, dürfte der Film aber weniger etwas für mainstream-eingestellte Kinobesucher sein – allen anderen, die einem Grundkurs in Anatomie und Foltern für den Hausgebrauch nicht abgeneigt sind, ist der Film sehr zu empfehlen!

„Halt die Fotze, Du Schlampe!“ – In diesem Sinne: Viel Spaß!

7/10

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