Kritik: JUNKYARD DOG

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Presse-DVD von EURO VIDEO, die im Gegensatz zur offiziellen deutschen Veröffentlichung 7 Minuten länger ist!

Der Film, so wird dem Zuschauer gleich zu Anfang verraten, basiert auf wahren Begebenheiten – und das Leben schreibt nun einmal die schönsten Geschichten. Doch selbst die beste Story verkommt schnell zum langweiligen Ammenmärchen, wenn der Geschichtenerzähler – hier Drehbuchautor und Regisseur Kim Bass – nicht in der Lage ist, seine Story dem Publikum anständig zu verkaufen.
Nach harten Schockern wie „SAW“ und „Hostel“ geht der aktuelle Trend weiter in Richtung Torture Porn – je härter und abartiger das Treiben auf der Leinwand, umso unterhaltender fühlt sich die, nach Blut und perversen Foltereinlagen gierende Masse.
Die Thematik von „Junkyard Dog“ bietet genügend Potential für einen weiteren Vertreter der harten Welle – doch selbst mit sieben Minuten mehr Laufzeit bleibt der Film erstaunlich blutleer.
Was aus der mir zur Verfügung stehenden Presse-DVD für eine gekürzte FSK:18-Freigabe heraus geschnitten wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Um das zu erfahren müsste ich schon in eine Videothek gehen, mir die verstümmelte Version ausleihen und entsprechende Vergleiche ziehen – doch dieser Spaß wäre mir nicht einmal eine Leihgebühr von 2 €uro wert.

Innis Casey als „JYD“ – rein äußerlich das typische Abziehbild des perfekten Schwiegersohnes – hat gleich mehrere düstere Geheimnisse: hinter seiner liebenswürdigen Fassade verbirgt sich ein irrer Serienkiller, der zum Abendessen seine toten Eltern an den Tisch holt, die er in einem Kühlraum lagert. Neben intensivem Bibelstudium vertreibt er sich die Zeit damit, Frauen zu entführen, sie in ein schalldichtes Kellerverlies einzusperren, einem 30-Tage-Vergewaltigungsmarathon auszusetzen und sie – wenn ein Monat vorbei ist – mit seinem nächsten Opfer gemeinsam zu verspeisen.

Ja, angesichts solcher Voraussetzungen hätte „Junkyard Dog“ doch eigentlich ein richtig fieser und derber Schocker werden können, wenn, ja wenn nicht ein gewisser Kim Bass auf dem Regiestuhl Platz genommen hätte.
Er hat das bemitleidenswerte Talent als Autor für ein paar gute Ansätze zu sorgen, die er als Regisseur innerhalb kürzester Zeit im Keim erstickt, und schafft es, nicht das eigentliche Opfer, sondern das Publikum zu foltern – mit gähnender Langeweile!
Das Opfer selbst ist eine Highschool-Göre mit einer furchtbaren Synchronstimme und, ich zitiere hier aus dem Film, „sowas von“ schlechten Dialogen, die nur noch von ihren „sowas von“ nervigen Heulattacken übertroffen werden.
Im Grunde ist das verwöhnte Früchtchen prädestiniert, um nach Strich und Faden gefoltert zu werden – leider erweist sich „Junkyard Dog“ in dieser Beziehung als Mogelpackung.
Außer gelegentlichen Vergewaltigungsszenarien hat der Täter seinem Opfer nichts zu bieten – und auch hier wird brav abgeblendet. Bei jedem „Schulmädchenreport“ geht es heftiger zur Sache.
Auch in Sachen Gore hat das billig inszenierte Machwerk nicht viel zu bieten: eine blutige Hand, die einem Schäferhund zum Fraß vorgeworfen wird, und das Zurechtschneiden von Menschenfleisch sind nicht der Rede wert. Auch das Nähen einer tiefen Fleischwunde in Nahaufnahme dürfte bei den meisten Zuschauern kein Jucken mehr in der Hose erzeugen – das kennen die älteren unter uns schon aus dem „Terminator“.
Selbst der dargestellte Kannibalismus erzeugt nicht annähernd Ekel – da wünscht man sich als Zuschauer doch das brechreizerregende Szenario aus dem deutschen Schocker „Cannibal“ herbei.

„Junkyard Dog“ kann weder mit inszenatorischen Finessen oder ausgeklügelten Kameraperspektiven punkten, noch wird er durch seine beiden namhaften Stars Vivica A. Fox („Kill Bill“) und Brad Drourif („Rob Zombies Halloween“) besser.
Trotz einiger überraschender Wendungen ist das Szenario zu vorhersehbar, trotz einiger gelungener Dialoge dominieren zu sehr die schlechten.
Jeder Fluchtversuch der Opfer wird vom Täter stets auf dieselbe Art vereitelt, was auf Dauer langweilt.
Und für einen Schocker mit dieser Thematik ist die Inszenierung einfach zu zahm und zu sauber – daran ändert auch nichts die gute schauspielerische Leistung von Innis Casey als „JYD“ („Junkyard Dog“) oder der minimale Tempoanstieg zum Finale.

Fazit: Ein unterdurchschnittlicher Film aus der Reihe „Gewollt, aber nicht gekonnt“. Man kann, muss ihn aber nicht gesehen haben. Vergessen hat man ihn jedenfalls gleich im nächsten Augenblick!

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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