Kritik: ISLAND OF THE LIVING DEAD

Im späten Mittelalter erlitt die spanische Besatzung der Galeone Natividad Schiffbruch an einer unheilvollen Insel und sie verwandelten sich dort nacheinander in blutgierige Untote. Ein paar Jahrhunderte später steuert eine buntgemischte Gruppe moderner Glücksritter das Eiland vor Panama an, um die prall gefüllten Schatztruhen der Verschollenen zu bergen. Schon bald nach der Ankunft sieht man sich wilden Zombieattacken ausgesetzt, gegen die auch mitgebrachte Schusswaffen wenig helfen.

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In der ersten, vorwiegend von italienischen Regisseuren geprägten und von LUCIO FULCI mit WOODOO – DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES eingeleiteten Zombiefilmwelle vor knapp 35 Jahren, stellte Vielfilmer BRUNO MATTEI unter dem Pseudonym VINCENT DAWN  mit seinem DAWN OF THE DEAD-Plagiat DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN das qualitative Schlusslicht. Nun tritt ausgerechnet er als erster Italiener an, um einen Beitrag zur Welle der 2000er Jahre zu leisten, und unterbietet seine damalige Leistung mühelos mit diesem bleischweren und unausgegorenen Genre-Mix aus Zombie- und Dämonen-Horror mit etwas Hokuspokus und Voodoo. Dennoch werden sich manche freuen, seinen Namen zu lesen, und viel schlechter als der zeitgleich produzierte C-Durchschnitt ist sein Opus dann auch nicht. Im Gegenteil: vor allem anspruchslose Allesgucker und leidenschaftliche Trash-Fans werden an diesem Machwerk ihre helle Freude haben – denn ISLAND OF THE LIVING DEAD ist eine filmische Ausgeburt von Film- und Anschlussfehlern, bei der vor allem die ausdruckslosen Knallchargen, die unterirdische Synchronisation und die absurden Dialoge zum Schmunzeln einladen.

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Das einzige, was an den gewissen Charme längst vergangener Zeiten erinnert, ist MATTEIS Pseudonym, unter dem er hier eine unfreiwillig komische Nummernrevue präsentiert, die mit Leichtigkeit das Niveau schlimmster Amateurfilmproduktionen erreicht. ISLAND OF THE LIVING DEAD stellt einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis, dass selbst ein alter C-Movie-Haudegen wie MATTEI nur so unterhaltsam schlecht sein kann, wie es das Budget erlaubt – und das scheint bei dieser Produktion gen Null zu tendieren…Das Setting wirkt natürlich und wie gestellt, der Soundtrack ist für einen Horrorfilm unpassend, die Studiokulissen sind billig, die Darsteller lausig und die Kameraführung gruselig. Es gibt hier und da ein paar Splattereffekte zu bewundern – doch an die Klasse früherer Schundproduktionen, selbst an MATTEIS Gore-Granate VIRUS, kommt dieser Reißbrett-Flick nicht heran.

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Eine Karate-Attacke gegen einen Zombie, bei der jeder Schlag sichtbar daneben geht; Gewehre, die pausenlos feuern ohne nachgeladen zu werden; Requisiten wie aus der Geisterbahn; zwei ansehnliche Darstellerinnen, bei denen man hofft, sie würden blank ziehen – sogar die vom Regisseur so heiß geliebten Ratten bekommen ihren Auftritt! Das sind die Momente, in denen das Herz jedes Trash-Gourmets höher schlägt – auch wenn YVETTE YZON und ihre Kollegin YDALIA SUAREZ die Hüllen nicht fallen lassen und der Film sich selbst viel zu ernst nimmt.

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Der Film ist durch und durch schlecht – aber weiß, aus der Not eine Tugend zu machen und zu unterhalten. Vorausgesetzt, man hat ein Faible für schlechte Filme. Wer Trash und Schrott durchaus nicht abgeneigt ist, kann hier seine Zeit vorzüglich totschlagen – auch wenn ISLAND OF THE LIVING DEAD insgesamt zu lang geraten ist und zum Ende hin ziemlich zäh wird. Als Trashfilm ein kleines, kurzweiliges Schmankerl, als ernst genommener Horrorfilm ein Skandal!

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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