Kritik: Home Invasion – Der Feind in meinem Haus (2010)
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Nirgendwo fühlt man sich so sicher wie in den eigenen vier Wänden – und nirgendwo ist man so angreifbar. Sarah (Anne Parillaud) lässt einen jungen Mann in ihr Haus, weil er von einem gewalttätigen Einbrecher verfolgt wird. Doch was genau ist wirklich passiert? Wem kann sie hier trauen? Als auch der Einbrecher zu ihr kommt, entlädt sich ein unbarmherziger Horrortrip zwischen psychischer Tortur und roher, bösartiger Gewalt. Das eigene Haus als gnadenlose Todesfalle.

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HOME INVASION: Die Flut harter Horrorthriller aus Frankreich ebbt einfach nicht ab. Nach Beiträgen wie „Martyrs“, „Die Meute“ oder „Die Horde“ steht mit „Home Invasion“ ein weiterer Schocker auf dem Programm, den die Macher von „Hitman“ und „Frontiers“ zu verantworten haben.


Auf dem ersten Blick erinnert „Home Invasion“ minimal an „Inside“ – greift er doch auch hier das Szenario „Bedrohung in den eigenen vier Wänden“ auf und stellt mit Annie Parillaud einen ähnlichen Opfertypus in den Fokus einer Story, die zwar schnell erzählt ist, aber aus dem Minimum an Handlung ein Maximum an nervenaufreibender Spannung und Dramatik herauskitzelt.
Dabei spielt das Autoren- und Regie-Duo Caroline und Eric du Potet mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und steuert „Home Invasion“ immer in eine Richtung, mit der man nicht rechnet.


Auch wenn der Plot-Twist um Artur und sein mörderisches Geheimnis schnell durchschaut ist, schaffen es die beiden Filmemacher immer wieder, neue Wendungen und Haken zu schlagen und sowohl das Bedrohungspotential, als auch den Spannungsgehalt angenehm hoch zu halten.
Ständige temporäre Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, unterschiedliche Erzählperspektiven sowie eine Traumsequenz machen „Home Invasion“ zu einem äußerst intelligenten und clever erzählten sowie vielschichtigen und, in vielerlei Hinsicht, überraschenden Film, der darüber hinaus mit Annie Parillauds intensivem und nuancierten Spiel punktet.


Der Gewaltpegel wird dabei nicht überstrapaziert – die wenigen blutigen Slasher-Momente verteilen sich angenehm über den gesamten Film, so dass sich Spannung und Dramatik entfalten können.
Das Finale wird genretypisch konsequent und mit aller Härte durchgezogen – ähnlich wie bei „Inside“ oder „High Tension“ werden keinerlei Zugeständnisse an den Zuschauer gemacht und Annie Parillaud dem Filmtod geopfert.


Die finale Story-Entwicklung setzt Frankreichs Tradition der Kompromisslosigkeit konsequent und wohltuend fort – vor allem in Anbetracht dessen, dass Parillauds Tod angesichts ihres Schicksalsschlags und ihrer charakterlichen Entwicklung mehr als eine Erlösung zu bewerten ist. Vielmehr schwächelt „Home Invasion“, trotz aller positiven Merkmale, vor allem darin, dass er letzten Endes das Innenleben eines Serienkillers nur marginal anreißt – ohne auf dessen tiefenpsychologische Motivation einzugehen.


Das mag einen gewissen Aha-Effekt verursachen, den Plot-Twist sogar wirkungsvoller, schockierender und verstörender erscheinen – lässt aber den Zuschauer unbefriedigt und mit einem relativ offenen Ende zurück, dass eine Fortsetzung vermuten lassen könnte.

7/10

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