Kritik: HOLOCAUST 2000

HOLOCAUST 2000:

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Auch die zweite Veröffentlichung des Labels, die
italienisch-englische Co-Produktion HOLOCAUST 2000, suggeriert mit
diesem Titel zusammen mit dem effektvoll gestalteten Artwork ein
Inferno, das innerhalb der Handlung zwar immer wieder angesprochen
wird, aber vom Hauptprotagonist im verzweifelten Kampf gegen das Böse
versucht wird zu verhindern. Fälschlich wird der Film, der auch den
deutschen (und in Bezug auf die Handlung passenderen) Titel DAS
SIEBENKÖPFIGE UNGEHEUER trägt, bei Wikipedia im Artikel über den
verantwortlichen Regisseur ALBERTO DE MARTINO auch als
Katastrophenfilm deklariert. Auf den ein Jahr später gedrehten DER
SCHRECKEN DER MEDUSA mag das in der Tat zutreffen, aber HOLOCAUST 2000
ist nichts weiter als ein okkulter Horrorfilm, der ganz klar die
italienische Variante des 1976 von RICHARD DONNER inszenierten
Schockers DAS OMEN darstellt. Spielte Hollywood-Star GREGORY PECK
(MOBY DICK, THE BOYS FROM BRAZIL) im Original den Vater des
leibhaftigen Antichristen, so ist in HOLOCAUST 2000 der Part an den
Haudegen KIRK DOUGLAS (TEUFELSKREIS ALPHA, DER LETZTE COUNTDOWN)
übergegangen, der die Rolle mit (nacktem) Körpereinsatz perfekt
meistert.
Im Nahen Osten möchte der Industrielle Robert Caine ein neues
Atomkraftwerk errichten, seiner Frau, Anteilseignerin an der Firma,
missfällt das ehrgeizige Projekt jedoch und sie plant zu
intervenieren. Aber es dauert nicht lange und ihr Widerstand ist
gebrochen als sie einem Attentat zum Opfer fällt, das eigentlich ihrem
Mann galt. Auch andere, die den Planungen Caines im Wege stehen,
werden zielgerichtet ausgeschaltet und Opfer obskurer und bizarrer
Unglücksfälle. Es scheint, als stelle sich das Schicksal gegen alle,
die in dem augenscheinlichen Fortschritt etwas Böses sehen. Caine
erhält Warnungen, dass hier Dinge geschehen, die nicht erklärbar sind.
Schlimmer noch: Wenn das Projekt vorangetrieben wird, könnte es das
Ende der Welt bedeuten. Als er sich auf eine Liaison mit einer jungen
attraktiven Reporterin einlässt und sie von ihm schwanger wird,
bekommen die Worte des Attentäters eine ganz andere Bedeutung: „Aus
Deiner Saat kommt Unheil!“ Ein Priester erkennt ebenfalls die Zeichen
und die Gefahr und weist Caine auf die überlieferten Schriften hin:
„Das Schicksal der Welt ist niedergelegt in den Weissagungen der
Apokalypse. In der Sprache rätselhafter Zeichen. Der Antichrist ist
es, der die Welt verdirbt und vernichtet. Er verbirgt sich und wächst
heran – im Leib dieser Frau!“ Caine versucht mit allen Mitteln die
Geburt zu verhindern – ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, ohne zu
ahnen, dass des Teufels Saat längst unter ihnen weilt…

Wer DAS OMEN kennt, wird unzählige Gemeinsamkeiten entdecken, die
Regisseur ALBERTO DE MARTINO zusammen mit Drehbuchautor SERGIO DONATI
(er schrieb auch das Skript zu ORCA – DER KILLERWAL) in seine
Inszenierung einfließen ließ. London als Schauplatz,
alttestamentarische Prophezeiungen, unerklärliche Phänomene und
merkwürdige Schatten auf Fotografien sowie der Antichrist als Sohn des
Protagonisten, dessen erschütternde Erkenntnis über die Wahrheit und
der Versuch, das Böse aufzuhalten. Selbst eine der zahlreichen
Todesarten aus dem Original wurde in HOLOCAUST 2000 zitiert, als einem
Mann mit dem Rotorblatt eines Hubschraubers der Schädel fein
säuberlich abgetrennt wird. Ein ähnliches Schicksal ereilte DAVID
WARNER ein Jahr zuvor, als er von einer Fensterscheibe enthauptet
wurde. Die wenigen, dafür aber umso effektvolleren Special Effects
sind handwerklich solide umgesetzt und verfehlen nicht ihre Wirkung.
Auch der Score von Meister ENNIO MORRICONE ist ganz klar an JERRY
GOLDSMITHs Theme von DAS OMEN angelehnt, weiß aber dennoch zu
gefallen. Trotz unübersehbarer Parallelen überzeugt ALBERTO DE
MARTINO, der bereits 1974 mit SCHWARZE MESSE DER DÄMONEN aka DER
ANTICHRIST ein Rip-Off zu DER EXORZIST inszeniert hatte, mit einer
clever konstruierten Story und greift dabei mit seiner Thematik sogar
den Fortsetzungen des Originals (DAMIEN – OMEN II und BARBARAS BABY –
OMEN III) vorweg. Mit ADOLFO CELI (ZEHN KLEINE NEGERLEIN), SIMON WARD,
GEOFFREY KEEN und ANTHONY QUALE (SHERLOCK HOLMES GRÖSSTER FALL, MORD
AN DER THEMSE) namhaft besetzt, blutig und effektiv in Szene gesetzt,
bildet das eher unspektakuläre Finale den einzigen Schwachpunkt des
ansonsten soliden und unterhaltsamen Klassikers. Das für den Film
verwendete Ende lässt viele Fragen offen und den Zuschauer
unbefriedigt zurück, während die Alternativfassung des Films anders
geschnitten ist und den Streifen mit einem Knalleffekt enden lässt.
Dieses alternative Finale befindet sich zusätzlich mit erweiterten
Szenen im Bonusmaterial auf der DVD.

Randnotiz: Die Bildqualität ist, wenn man die unterdurchschnittliche
Qualität der Alternativszenen zum Vergleich heranzieht, erstaunlich
gut und für einen knapp 40 Jahren alten Film durchaus überzeugend. Die
DVD ist neben der deutschen Synchronfassung auch mit der
Originalversion ausgestattet.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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