Kritik: HEXEN – GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT

Infolge des großen Erfolges von MICHAEL REEVES DER HEXENJÄGER (1968) wurde im europäischen Exploitationkino, als Einleitung auf das spätere Nunploitation-Subgenre, kurzzeitig eine kleine Welle von Hexenfilmen in Gang gesetzt. Nahezu zeitgleich entstanden ADRIAN HOVENS HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT unter dem internationalen Titel MARK OF THE DEVIL, und der von der deutschen Terra-Filmkunst Berlin mit spanischen und italienischen Partnern gedrehte Streifen DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR des spanischen Trash- und Horrorfilmspezialisten JESUS FRANCO MANERA mit CHRISTOPHER LEE in der Titelrolle.

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Die Filmkritik reagierte bei der Uraufführung 1970 entgeistert bis entsetzt und angewidert. HOVENS Produktion wurde bei der Erstaufführung vor allem Freude an genüsslich zelebrierten Gewalt- und Folterszenen vorgeworfen und unterstellt, ausgespielte Sadismen in Hülle und Fülle und im Detail zu zeigen. Der gewaltige internationale Erfolg von MARK OF THE DEVIL ließ ADRIAN HOVEN 1972 einen weiteren Hexenfilm – keine Fortsetzung im eigentlichen Sinn – inszenieren, diesmal unter dem Titel HEXEN – GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT.

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Regisseur HOVEN überließ das Drehbuch aber zu weiten Teilen dem versierten Drehbuchautor FRED DENGER, der bereits mehrere KARL MAY (DER ÖLPRINZ)- und EDGAR WALLACE (DIE BLAUE HAND)-Filmstoffe adaptiert hatte. HOVEN selbst ist wieder in einer Nebenrolle zu sehen, ebenso wie sein Sohn PERCY HOVEN sowie REGGIE NALDER (DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, ZOLTAN – DRACULAS BLUTHUND) als Hexenjäger und JOHANNES BUZALSKI (LASS JUCKEN KUMPEL) als Gerichtsdiener, die allesamt im Vorgänger in ähnlichen Rollen mit von der Partie waren. ANTON DIFFRING (FAHRENHEIT 451, SIEBEN TOTE IN DEN AUGEN DER KATZE) vermag zwar als Hexenjäger Balthasar von Ross zu überzeugen, doch ist der Film darüber hinaus weniger namhaft und prominent besetzt. Auch qualitativ macht der Film einen Schritt zurück, was nicht an der unterdurchschnittlichen Qualität des DVD-Bootlegs liegt, das auf einschlägigen Filmbörsen und Auktions-Plattformen kursiert. HEXEN – GESCHÄNDET UND ZU TODE GEFOLTERT steht hinsichtlich Ausstattung und Setting dem Original in nichts nach, doch inszenatorisch sind einige Schwächen auszumachen, was aber dem niedrigen Budget anzulasten ist. Und so wirkt der Film vielmehr wie eine schnell heruntergekurbelte Reißbrett-Produktion, die auch storytechnisch nicht besonders überzeugen kann. Wieder einmal steht der Aberglaube, aber auch die Willkür des Inquisitors im Vordergrund der Handlung, der seinen Einfluss zu seinem persönlichen Vorteil ausnutzt, Verhaftungen und Verurteilungen zu vollstrecken, um sich fremden Besitz anzueignen oder sexuelle Gefälligkeiten gegen Strafaussetzung zu erpressen.

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Spekulativ und selbstzweckhaft werden hier (selbst für den Zuschauer) schmerzhafte Folterszenen aneinander gereiht, die für damalige Verhältnisse einwandfrei in Szene gesetzt sind, während die Handlung jedoch nicht vielmehr hergibt als jenen Folter-Marathon, der in einer geschmacklosen und albern arrangierten Vergewaltigungsszene seinen graphischen Höhepunkt findet. Unter Verwendung originaler, mittelalterlicher Folterinstrumente werden nicht nur die Daumenschrauben angelegt – die Messlatte an graphisch dargestellten Foltereinlagen erreicht ungeahnte Höhen – auch wenn sie nicht den Großteil der Handlung ausmachen, so sind die (verhältnismäßig) wenigen Szenen dieser Art zumindest so intensiv gespielt und in Szene gesetzt, dass sie ihre Wirkung keinesfalls verfehlen. Es dominieren vor allem im letzten Drittel eindeutige Längen, die aus den immer gleichen Szenen resultieren, in denen es darum geht, willkürlich der Hexerei bezichtigte Personen unter unbarmherziger und menschenunwürdiger Folter zu Geständnissen zu bewegen. Dabei greift HOVEN Stilmittel der zu dieser Zeit aufflackernden Bewegung sogenannter Nonnenfilme auf und zelebriert dabei das klischeehafte sado-masochistische Bestrafungsritual unter Novizin und lesbischer Äbtissin.

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Ohne zu übertreiben, aber der Titel HEXEN – GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT passt wie die Faust aufs Auge. Neben der gelungenen Skizzierung mittelalterlichen Aberglaubens und der Schurkerei der Inquisition, bietet HOVENS Exploiter die komplette Bandbreite an Sadismen, Brutalitäten und sonstigen Greueltaten. ERICA BLANCS (als Gräfin von Salmenau, bekannt aus DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN) Dekollete´ist zwar üppig und freizügig, doch zumindest in sexueller Hinsicht hält sich der Film – bis auf beschriebene Vergewaltigung und den Versuch einer solchen – eher zurück. Die Kleider sind knapp geschnitten und die Busen der Darstellerinnen sehr einladend – doch allzu viel nackte Haut darf der Zuschauer hier nicht erwarten.

Das alles zusammen ergibt zwar einen sleazigen Unterhaltungs-Cocktail, der allerdings nicht so süffig im Abgang ist wie zuvor noch MARK OF THE DEVIL. 6/10

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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