Kritik: HARMS

16 Jahre lang saß Profi-Gangster Harms im Knast. Zurück in der Freiheit lockt das große Geld: ein Überfall auf die Bundesbank, 70 bis 100 Millionen in Cash. Ein Ex-Vorstandsmitglied kann Harms und seinen Leuten Zugang zur Bank verschaffen. Allerdings muss das Team vorsichtig sein – zu viele Scheine, zu viele Probleme. Ein Drittel des Geldes soll genügen. Doch Harms unterschätzt die tödliche Macht der Gier. Das Vorhaben gerät außer Kontrolle.

KINOSTAR veröffentlicht HARMS ab 28.11.2014 im Vertrieb der AL!IVE AG auf DVD

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„Hart, härter, Harms“ verheißt das DVD-Cover dieser prominent besetzten deutschen Produktion, die von MÄNNER-Star HEINER LAUTERBACH angeführt und von TATORT-Kommissar AXEL PRAHL, MARTIN BRAMBACH, FRIEDRICH VON THUN und Alt-Star HELMUT LOHNER erweitert wird. Und in der Tat: Die Rolle des rauen und wortkargen Ex-Knackis HARMS ist HEINER LAUTERBACHS härteste Rolle. Er spielt einen Gangster der alten Schule, an dem äußerlich die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, als er damals vor 16 Jahren in den Knast kam. In seinen Kreisen würde man ihnen einen „Mann von Format“ nennen, jemanden mit einem Ehrenkodex. Für ihn zählen Freundschaft, Vertrauen und Loyalität. Beim letzten Coup gab´s einen Toten – HARMS wurde geschnappt und verriet seine Komplizen nicht. So einer verdient den Respekt der Unterwelt.

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Bevor er in Freiheit mit den Schatten seiner Vergangenheit und damaligen Freunden konfrontiert wird, schlägt er unter der Dusche die Peiniger seines jungen Zellen-Kumpanen brutal zusammen. Das ist HARMS: Knallhart und kompromisslos – einer, der für den anderen einsteht. Nach kurzer Zeit in Freiheit erhält er ein verlockendes Angebot: Der scheinbar einfache Einbruch in die Bundesbank. Organisiert von einem ehemaligen Vorstandsmitglied, gesteuert von einem Insider. Der letzte große Coup, das Geld zum Greifen nahe. Die Verlockung weckt Sehnsüchte und Träume nach einem besseren Leben – raus aus dem Elend und aus Hartz 4. Raus aus dieser dreckigen, anonymen Großstadt, in der längst andere Regeln gelten und ausländische Banden das Sagen haben. Ein Wort ist nicht mehr ein Wort – das muss HARMS bei einem Waffendeal erkennen, der in einem Blutbad endet.

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Die Großstadt gezeichnet grau in grau als schäbiger, glanzloser Moloch – durchzogen von Blut. So setzt Regisseur NIKOLAI MÜLLERSCHÖN (EIN IRRES FEELING) seinen Gangsterfilm HARMS in Szene. Mitten im Herbst, der kein goldener ist. Trist und kühl – wie das Innenleben der Charaktere, die der Filmemacher und Drehbuchautor hier sorgfältig gezeichnet hat. Mitten aus dem Leben gegriffen – ohne Mätzchen, mit Ecken und Kanten. Alltagstypen, keine Superhelden. Mit Ängsten, Unsicherheiten und Fehlern. Typen aus Fleisch und Blut. Und Blut fließt reichlich…

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Mit einer Kakerlake, die vor dem Hintergrund des Gefängnisses, in dem HARMS einsitzt, in einem Einmachglas gefangen gehalten wird, gibt NIKOLAI MÜLLERSCHÖN die Marschrichtung seines ruhigen Films vor – nur um die Ruhe durch gewaltige Eruptionen wie die Knastschlägerei oder den Waffendeal zu brechen. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, der sich gegen Ende in einem blutigen Bleigewitter entlädt. Und die einfache und doch so wirkungsvolle Metapher, dass die Kakerlaken dieser Welt (sprich: Typen wie HARMS) hinter Schloss und Riegel gehören, widerlegt der Filmemacher eindrucksvoll, in dem er zeigt, dass das Böse und die menschliche Verdorbenheit nicht nur in den Randzonen keimt – sondern auch in den gehobenen Reihenhaussiedlungen hinter ehrbaren Fassaden.

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HARMS entwickelt sich nach einem kurzen Exkurs in den rauen Knastalltag vom Gangsterdrama zum blutigen Heist-Thriller, der sich in seiner Härte und Kompromisslosigkeit nicht vor US-Vorbildern verstecken muss. Langsam, aber unaufhörlich, steigert sich das Tempo, liefert überraschende Handlungsentwicklungen und ein dramatisches, hochspannendes, in sich nicht ganz stimmiges Finale. Ein Film mit einem unaufgeregten und doch wirkungsvollen Soundtrack und hervorragenden Darstellerleistungen. Allen voran HEINER LAUTERBACH, der den vielschichtigen Charakter von HARMS zwischen Härte, Melancholie und der Treue vor seinem eigenen Ehrenkodex mit Bravour zur Schau stellt.

 

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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