Kritik: FROZEN – EISKALTER ABGRUND
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Joe (Shawn Ashmore), Dan (Kevin Zegers) und dessen Freundin Parker (Emma Bell) wollen zum Abschluss ihres Ski- und Snowboardurlaubs in ihrer letzten Nacht noch mal ohne andere Fahrer auf der Piste ihren Spaß haben. Nachdem sie am Nachmittag den Liftwart Jason (Ed Ackerman) schon einmal bestochen haben, da sie sich keine Skipässe kaufen wollten, probieren sie es erneut bei ihm, damit er sie noch mit dem Lift nach oben lässt, nachdem der Betrieb schon eingestellt wurde. Die Bestechung glückt und somit befinden sich die drei kurze Zeit später auf dem Weg nach oben. Jason muss kurze Zeit später zu seinem Boss, weshalb sein Kollege darauf achten soll, dass die drei Jugendlichen sicher nach unten kommen. Doch auf Grund einer Verwechslung schaltet er den Strom zu früh ab, obwohl Joe, Dan und Parker noch nicht oben angekommen sind. Als auch noch die Lichter abgestellt werden, merken sie langsam, dass sie vergessen wurden. Somit sitzen sie auf engstem Raum im Skilift fest – mehrere Meter über dem Boden und ohne Aussicht auf Rettung. Es ist die Nacht zum Montag und da die Skipiste unter der Woche geschlossen hat, scheint es so, als müssten sie hier bis Freitag ausharren. Da sie das nicht überleben würden, machen sie sich auf die Suche nach einem möglichen Ausweg…

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Stell Dir vor, Du besteigst mit zwei deiner besten Freunde zu später Stunde und bei klirrender Kälte einen Sessellift, der auf halber Strecke über einen tiefen Abgrund die Fahrt einstellt, weil der Betreiber des Lifts irrtümlich denkt, es sei keiner mehr unterwegs. Das Licht wird abgeschaltet, ein Schneesturm zieht auf und es ist Sonntag – der Sessellift wird erst wieder am nächsten Wochenende in Betrieb genommen. Weit und breit nichts als Schnee und keine Sterbensseele, bis auf ein Rudel ausgehungerter Wölfe, das zehn, fünfzehn Meter am Abgrund auf seine Beute lauert…

Diese gemeine, auswegslose Situation ist Ausgangspunkt für den Thriller „Frozen“, der sich von der Idee her an Filmen wie „Open Water“ oder „Black Water“ orientiert und dabei eine Geschichte erzählt, die jedem von uns passieren könnte, was die Story so glaubwürdig und realistisch erscheinen lässt.
Viele Zuschauer werden schon einmal in einem Sessellift oder einer Gondel gesessen haben, hoch über den tiefen Abgrund, gesichert lediglich durch eine Metallschranke und selbst die Kabine einer Gondel bietet keinen ausreichenden Schutz, wenn sie plötzlich stecken bleibt und die Kälte sich langsam in den Innenraum frisst. Die meisten werden die unheimlichen Geräusche des Metalls, der Zahnräder und der Seile kennen, die ruckartigen Bewegungen sobald der Sessellift oder die Kabine einen der unzähligen Verbindungsmasten auf der Strecke passieren.
Wer seine Erfahrungen hat wird sich am allerbesten in Dan, Lynch und Parker, die drei Hauptakteure dieser dramatischen Situation, hinein versetzen und die Angst und die Kälte nachvollziehen können.
Die Zuschauer, die noch nie eine Fahrt im Sessellift mitgemacht haben, sind umso mehr auf die Intensität der Inszenierung angewiesen, um die Auswegslosigkeit der drei Personen spüren zu können. Und genau das ist bei Filmen, die auf begrenztem Raum spielen, der Knackpunkt: da müssen die darstellerischen Leistungen stimmen um den Zuschauer von der Angst und der Panik zu überzeugen, die Dialoge müssen auf den Punkt gebracht werden weil in der dargestellten Situation nicht sehr viele Möglichkeiten gegeben sind für Aktionen – entsprechend müssen Löcher zwischen den Spannungsmomenten bestmöglich gestopft werden. Da muss der Regisseur sorgsam auf Regie- oder Anschlussfehler achten, der Score muss den Zuschauer ebenfalls einnehmen und die Situation angemessen unterstreichen.

All das gelingt „Frozen“ jedoch nur bedingt. 

Überraschend ist vor allem, dass der Autor und Regisseur dieses Kälteschockers Adam Green ist, der bereits die trashige Horror-Comedy „Hatchet“ und deren Fortsetzung schrieb und inszenierte. 
Und im Vergleich zum derben Funsplatter ist „Frozen“ nahezu subtil. Green beweist auf jeden Fall Vielseitigkeit und Einfallsreichtum, was sich auch bei „Frozen“ in sehr vielen Szenen bemerkbar macht.
Aber bei einem beschränkten Handlungsszenario und einer Spielzeit von knapp 90 Minuten bietet der Film zwar ein hohes Maß an Spannungsmomenten, das Bedrohungspotential durch eisige Kälte und ausgehungerte Wölfe erschöpft sich allerdings sehr schnell, und das, obwohl die eigentliche Handlung erst nach mehr als 25 Minuten einsetzt.
Bis dahin vergeudet Adam Green gut ein Drittel der Laufzeit für eine zähe Einführung der Hauptakteure, deren Charaktere trotz der Länge nur oberflächlich angekratzt werden: Es handelt sich um ein Dreiergespann aus zwei jungen Männern und einer Frau – zwei beste Freunde, von denen einer mit der Dritten im Bunde liiert ist, was im Vorfeld für kleine Eifersüchteleien sorgt. 
Das Konfliktpotential dieser Konstellation, die im weiteren Verlauf der Handlung, im Moment der Ausweglosigkeit und der damit verbundenen, gegenseitigen Schuldzuweisung an der Situation, kurz für Spannungen untereinander sorgt, wird leider nicht genug ausgenutzt.
Anstatt zwischen den Spannungsmomenten (ein blutiger Wolfsangriff, diverse Versuche über das Spannseil der Liftanlage einen Abstieg an einem der Masten zu erreichen), die Dramatik mit weiteren Konflikten zwischen den Akteuren aufzuheizen, füllt Autor und Regisseur Green die ruhigen Momente mit unsinnigen Dialogphrasen, die nicht annähernd die Tiefe erreichen um Leerlauf in der Handlung entsprechend zu füllen, und den Zuschauer bei Laune zu halten. 
Dafür gibt die dargestellte Ausgangssituation in Anbetracht der Länge des Films zu wenig her, um da auf zwischenmenschlichen Zündstoff verzichten zu können.
Es mag in einer realen Situation sein, dass man mit belanglosen Gesprächen versucht wach zu bleiben um dem Kältetod zu entgehen, doch für einen Film diesen Kalibers sind solche Dialoge nicht ergiebig. 
Die anfängliche Doppeldeutigkeit solcher Themen wie „Welches ist für Dich die erschreckendste Art zu sterben?“ wird im weiteren Verlauf leider nicht mehr erreicht, außer dass Tode gestorben werden, an die niemand im entferntesten gedacht hätte…
Die Langatmigkeit in den Dialogszenen gleicht Regisseur Adam Green dann aber wieder mit seiner gekonnten Inszenierung von dramatischen und spannenden Sequenzen aus:
Dans Sprung aus dem Sessellift hat den Bruch beider Beine zur Folge, das sowohl graphisch als auch hörbar so explizit in Szene gesetzt wurde, dass man als Zuschauer die Zähne zusammen beißen muss. 
Ein Effekt, der nur noch von dem Rudel Wölfe übertroffen wird, dass in einer weiteren schockierenden Szene über den wehrlosen Mann herfällt und ihn vor den Augen seiner Freunde – noch immer eingeschlossen im Sessellift und machtlos zu helfen – in Stücke gerissen wird.
Solche Szenen, und auch der für Parker sehr beschämende Moment, sich in die Hose machen zu müssen da sie ihre Notdurft nicht länger einhalten kann, sind die Momente, die die angespannte Situation sehr stark zum Ausdruck bringen.
Und so überwiegen dann auch die Spannungs- und Dramatik-Momente gegenüber den ruhigen Einstellungen oder wirken zumindest noch so lange nach, dass „Frozen“, trotz minimaler Schwächen und eines sehr zähen Einstiegs, zu unterhalten weiß. Als 60-Minüter oder Beitrag einer Horror-Anthologie wäre der Film jedoch sehr viel intensiver und beklemmender gewesen – als hier auf 90 Minuten gestreckt.

Insgesamt jedoch ein Survival-Thriller, der für Kälteempfindliche und Menschen mit Höhenangst, absolut nicht zu empfehlen ist – alle anderen sollten einen Blick auf „Frozen“ und Adam „Hatchet“ Greens Vielseitigkeit als Filmemacher werfen und sich hinsichtlich seiner bisherigen Werke angenehm überraschen lassen.

7/10

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