Kritik: FRONTIERS – UNCUT
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Als bei einer Gruppe Kleinkrimineller während der Unruhen in Paris ein Raubüberfall schief geht, fliehen sie nach Belgien.
Im Grenzgebiet steigen sie in einem Hotel ab. Doch dort laufen sie einer Gruppe Neo-Nazis in die Arme und ein gandenloser Kampf beginnt…

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Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen österreichischen DVD-Auflage von ILLUSIONS!
Mit „Frontiers“ haben die Franzosen nun endgültig bewiesen, dass die zur Zeit härtesten Filme aus dem Land der Nouvelle Cuisine kommen. 
Ohne Rücksicht auf filmische Konventionen oder Tabus wird dem Publikum ein krasser Schocker nach dem anderen serviert.
Nach Filmen wie „Inside“, der im direkten Vergleich, trotz seines hohen Blutgehalts, die massenkompatibelste Handlung vorweisen kann, handelt es sich doch um nichts weiter als eine knallharte Mischung aus Psycho- und Home Invasion-Thriller, und dem eher durchwachsenen „Martyrs“, der sich intellektuell gibt und den Zuschauer mit einer mehr oder weniger fragwürdigen Auflösung entlässt, darf „Frontiers“ mit seiner ausgefallenen Handlung zum besten Beitrag der harten französischen Welle gezählt werden.
Ganz klar am Terrorfilm der 70er Jahre orientiert, hat Regisseur und Drehbuchautor Xaver Gens („Hitman“) einen bizarren Trip in die Abgründe der menschlichen Natur geschaffen, der angesichts seines inszenatorischen Stils, mit schnellen Schnitten und einem hohen Maß an expliziter Gewalt, wie ein Tritt in die Magengrube wirkt – der aber aufgrund seines überzeichneten Handlungsverlaufs und der Charaktere gleichzeitig auch ein gewisses Trashpotential nicht verleugnen kann. Eine willkommene Mischung, die hier bestens funktioniert und „Frontiers“ sich dadurch zu einem kleinen Highlight im europäischen Splatterkino etabliert hat.
Die Handlung von „Frontiers“ weist, ebenso wie „Inside“, aktuelle gesellschaftspolitische Bezüge auf, die mit den folgenden Geschehnissen rund um einen Gutshof und der dort lebenden Familie perfekt harmonisiert. So absurd die Story um die Nazifamilie von Geissler und ihrer Suche nach der passenden Frau, die für den Fortbestand der Familie sorgen soll, auch klingen mag – so temporeich und vor allem spannend ist sie inszeniert.
Die Idee könnte auch aus der Feder von Quentin Tarantino stammen, erinnert doch die Flucht der jugendlichen Gangster an die Gecko-Brüder aus „From Dusk Till Dawn“ – und spätestens nach 30 Minuten entwickelt sich das anfängliche Gangster-Drama zu einem blutrünstigen Albtraum und einem Kampf ums nackte Überleben. Anstelle von Vampiren, bekommen es die flüchtigen Jugendlichen mit irrem Abschaum und blutrünstigen Mutanten zu tun – das hört sich abgedreht an und ist es auch, und vor allem diese unkonventionelle Geschichte ist es, die den Reiz von „Frontiers“ ausmacht
Regisseur Gens schafft es von Beginn an Spannung und eine stets spürbare unheilvolle Atmosphäre zu schaffen. Die dargestellte Gewalt ist zwar überspitzt, passt sich aber dem rauen, schmutzigen Umgangston an. 
Vor allem die schauspielerischen Leistungen – allen voran von Karina Testa als Yasmin und Jean-Pierre Jorris als der alte General von Geissler – sind angesichts eines Filmes von diesem Kaliber beachtlich. 
Bei aller graphischer Gewalt nimmt sich Gens aber auch die Zeit, Yasmin in eindrucksvollen Bildern Abschied von ihren toten Freunden nehmen zu lassen, so dass „Frontiers“ nicht nur wie eine emotionslose Gewaltorgie erscheint, sondern trotz aller Härte auch Tiefgang aufweist und in den ruhigen Momenten dem Zuschauer eine Verschnaufpause gönnt.

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Handwerklich einwandfrei inszeniert, besticht der Film vor allem auch durch einen düsteren, spannungsaufbauenden Score und handwerklich perfekt umgesetzten Splatterszenen.
Xaver Gens ließ seiner Phantasie freien Lauf und überzeugt durch Einfallsreichtum und eine Menge guter Ideen. Vor allem die Tatsache, dass die Handlung fast ausschließlich auf einem Grundstück spielt, wobei auch das unterirdische Tunnelsystem einer alten, angrenzenden Mine einen unheimlichen Nebenschauplatz abgibt, ist dem Film hoch anzurechnen und verleiht „Frontiers“ ein intensives Bedrohungsszenario auf kleinstem Raum, dem sich weder die Protagonistin, noch der Zuschauer entziehen kann.
Wer mit der bizarren Handlung dieses dreckigen Splatterfilms etwas anfangen kann, wird an diesem Film seine helle Freude haben. 
Fans von intellektuellem Autorenkino ist von dem abgefahrenen Streifen dringend abzuraten.
7,5 von 10 Punkte!

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