Kritik: FLUCHTWEG ST. PAULI – GROSSALARM FÜR DIE DAVIDSWACHE

Zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein können, treffen in diesem Film aufeinander. Der Bankräuber Willy Jensen (HORST FRANK) entkommt aus einer Hamburger Haftanstalt. Als er seine Beute holen will, muss er feststellen, dass das Haus in dem sie versteckt war, abgerissen wurde. Sein Bruder Heinz (HEINZ REINCKE), ein ehrlicher Hamburger Taxifahrer, drängt ihn vergeblich, sich der Polizei zu stellen. Stattdessen tötet Willy bei einem Einbruch in Panik eine Frau und erpresst Heinz, weil er Geld braucht, um ins Ausland flüchten zu können. Aber Kommissar Knudsen (KLAUS SCHWARZKOPF, TATORT: REIFEZEUGNIS) und sein Assistent haben bereits Willys Spur aufgenommen. Er flieht mit seiner Frau (CHRISTIANE KRÜGER) in Richtung dänische Grenze und wird dabei von Heinz und der Polizei verfolgt, der er sich nur durch Selbstmord in einem Kieswerk entziehen kann.

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FLUCHTWEG ST. PAULI – das ist nach unzähligen Kiez-Reißern von ROLF OLSEN (u.a. WENN ES NACHT WIRD AUF DER REEPERBAHN oder DAS STUNDENHOTEL VON ST. PAULI) ein reinrassiger Gangsterkrimi, der die hervorragende Kulisse St. Paulis für eine spannende und unterhaltsame Verbrecherjagd nutzt, die direkt ins Herz des Vergnügungsviertels führt, und, als Kontrast zur einfachen Gesellschaftsschicht, auch in die betuchten Kreise der oberen Zehntausend. Herbertstraße contra Elbchausee – hier prallen Welten aufeinander.

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Mit Deutschlands Bösewicht Nr. 1, HORST FRANK (DAS AMULETT DES TODES, TIMM THALER), und dem norddeutschen Urgestein HEINZ REINCKE (DER ARZT VON ST. PAULI, AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS)  als gegensätzliches Bruderpaar kongenial besetzt, besticht der von WOLFGANG STAUDTE (ROSEN FÜR DEN STAATSANWALT, der TATORT-Klassiker TOTE BRAUCHEN KEINE WOHNUNG) inszenierte Krimi auch bis in die kleinsten Nebenrollen. FRANK mimt den skrupellosen Gewaltverbrecher und REINCKE gibt einmal mehr den gutmütigen, leicht naiven Antihelden, während KLAUS SCHWARZKOPF als Kommissar erste Erfahrungen als Ermittler sammeln konnte, die er schon kurz darauf als TATORT-Kommissar erfolgreich anwenden konnte. Er zählte in den 70ern, trotz seines spröden und trockenen Auftretens, zu den beliebtesten Spürnasen der ARD-Krimireihe und erreichte mit NACHTFROST einen Einschaltquoten-Rekord innerhalb der Reihe, während REIFEZEUGNIS für einen handfesten Skandal sorgte und heute als Klassiker gilt. Darüber hinaus hauchte er in der US-Krimiserie COLUMBO mit seiner unverwechselbaren Synchronstimme der Titelfigur, dargestellt von PETER FALK, Leben ein.

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Die beiden Autoren GEORG HURDALEK und FRED DENGER (die schon die EDGAR WALLACE- und KARL MAY-Filmreihen mit Stoffen versorgten), lieferten auch hier eine geradlinig und schnörkellos erzählte Geschichte ab, die von STAUDTE rasant und temporeich in Szene gesetzt wurde. Schlag auf Schlag folgt eine Aktion auf die nächste, ohne auch nur eine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen. Hamburger Mundart, augenzwinkernder Humor, etwas Action und ein grooviger Soundtrack machen FLUCHTWEG ST. PAULI zu einem der letzten großen Vertreter dieser Ära. Ein zeitloser Klassiker, der noch heute genauso mitreißt wie damals. 8/10

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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