Kritik: FIFTY SHADES OF GREY

Fesselnde Romanverfilmung oder banale Inszenierung
feuchter Hausfrauenträume?

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Seit 2011 gibt es einen Titel, der unweigerlich genannt wird, wenn es
das Thema „BDSM“ betrifft: FIFTY SHADES OF GREY. Nun sollte man
annehmen, dass im Jahre 2015 dieses Thema gesellschaftlich nicht mehr
so tabuisiert ist wie in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, als
mit DIE GESCHICHTE DER O. von DOMINIQUE OURY bereits ein Meilenstein
der BDSM-Literatur auf den Markt kam, welcher besonders in seinem
Herkunftsland Frankreich zu großem Aufsehen führte und jahrelang auf
dem Index verweilte. So weit schaffte es FIFTY SHADES OF GREY nicht,
jedoch verlor das Thema „Sadomaso“ bis heute anscheinend nichts von
seinem verbotenen Reiz.

Die Buchtrilogie der Autorin E. L. JAMES handelt von der Geschichte
der 21-jährigen Anastasia Steele und dem reichen Unternehmer-Schnösel
Christian Grey. Sie sind jung, sie sind verliebt, es könnte so einfach
sein. Würde es da nicht dieses kleine Detail geben, das diese
Liebesgeschichte zu einem handfesten Drama macht: Mr. Grey steht auf
BDSM. (Abk. für: Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism
& Masochism). Die junge Anastasia ist in Liebesdingen noch gänzlich
unerfahren und stößt, als sie ein Interview für ihre Studentenzeitung
führen muss, auf den selbstbewussten wie auch attraktiven Grey. Seine
Art verunsichert die junge Frau zutiefst, so dass sie auch nach dem
Interview noch lange mit der Begegnung zu kämpfen hat – allerdings im
Glauben dem Multimilliardär nie mehr begegnen zu müssen. Bis er sie
auf ihrer Arbeitsstelle, einem kleinen Baumarkt, besucht.
Im Roman folgt eine längere Kennenlernzeit mit ständigen
Verwirrspielen, da Christian sich lange nicht traut Anastasia über
seine Vorlieben aufzuklären. Er rät ihr immer wieder sich von ihm
fernzuhalten, schafft es aber selbst nicht sich gänzlich von ihr zu
lösen. Warum der überperfekte Mann ein solch übertriebenes Interesse
an dem jungen Ding hat wird beim Lesen des Buches sowie beim Schauen
des Filmes eigentlich nie so recht klar.
Mr. Grey ist ein absoluter Unsympath, der mit seinen Mitte 20 schon
alles denkbare erreicht hat, besitzt und beherrscht. Und Anastasia ist
schlicht und ergreifend zu dumm um wahr zu sein. Während im Roman ihre
„innere Göttin“ und ihr Gewissen wie ein kleines Teufelchen und
Engelchen auf ihrer Schulter sitzend einen andauernden Kampf darüber
ausfechten, ob ein „gutes Mädchen“ solche Sexualpraktiken gutheißen
kann, wird im Film glücklicherweise gänzlich darauf verzichtet. In
eben jenem wird sie als überraschend mutige, wenn auch nach wie vor
strunzdumme Verhandlungspartnerin dargestellt, die nicht müde wird den
„Vertrag“ (Anm.: Eine Liste mit „Do’s“ and „Don’t´s“ betreffend ihrer
„(Spiel)Beziehung“) mit ihrem Angebeteten bis ins kleinste Detail
auszudiskutieren. Natürlich nicht ohne sich dabei wieder wie ein
naives Dummchen anzustellen, das von Tuten und Blasen (im wahrsten
Sinne des Wortes) keine Ahnung hat.
Für jemanden, der das Buch nicht gelesen hat, wird der Film vermutlich
so einige Logiklücken vorweisen, da eine sehr schnelle Erzählart
gewählt wurde. Einerseits verständlich wenn man bedenkt, dass man hier
ein 700 Seiten starkes Buch auf einen 90 minütigen Film komprimieren
musste. Bei einer Liebesgeschichte, die ein sehr langes (verdammt viel
zu langes) Vorspiel hat, welches auch das „Grundthema“ des ersten
Bandes ist, ist das allerdings etwas schwierig. Nicht selten wird sich
der Zuschauer ohne Buch-Vorwissen vermutlich fragen, warum die Beiden
dieses oder jenes tun, da die emotionale Kiste auf ein Minimum
reduziert wurde.
Was im Film allerdings (zumindest ab der zweiten Hälfte) sehr
ausgeprägt zum Thema dargestellt wird, ist das, wofür ein großer Teil
der Zuschauer wahrscheinlich überhaupt ins Kino ging: Der Sex. Man
sollte sich natürlich daran erinnern, dass es ein US-amerikanisches
Liebesdrama ist und kein Hardcore-Schmuddelfilmchen. Viel mehr als
einen nackten Busen und gefesselte Ärmchen sieht man nicht, da muss
man in der Tat eher zum Buch greifen, will man ausführliche Berichte
über die jeweiligen Schäferstündchen lesen (Tipp von mir: Spart es
euch. Nach dem dritten „uuunglaublichen Sex“ (Zitat Anastasia) wird’s
langweilig!) Natürlich gibt es zum großen Finale auch ein wenig
Popo-Geklatsche wobei die „Beziehung“ zwischen den beiden
Hauptakteuren ihr (vorläufig) schnelles Ende findet, da Anastasia erst
dann so richtig bewusst wird, dass sie ihrem reichen Adonis niemals
das geben kann wonach er sich sehnt: die totale Unterwerfung. Auch das
Buch endet an diesem Punkt, um in Band 2 die Geschichte erneut
aufzugreifen.

Mein Fazit: Wer auf kitschige und fantastische Liebesgeschichten mit
viel Drama,  Softcore-Sex und jede Menge feuchten Hausfrauenträumen
steht, der ist mit dem Buch gut bedient. Als schnelle Zusammenfassung
des Buches kann der Film dienen, auch wenn er nur das notwendigste
zusammenfasst. Wer Realismus-Befürworter ist und wenigstens den Hauch
einer Ahnung von BDSM hat, der sollte um das ganze FIFTY
SHADES-Imperium einen großen Bogen machen. Wirklich! (ILSA DE SADE)

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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