Kritik: EINE ZEIT ZUM TÖTEN

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Mit EINE ZEIT ZUM TÖTEN liegt mittlerweile der 50. Film aus der Schmiede von BRANDL PICTURES vor – ein Jubiläum, das sicherlich im Kreise der Familie gefeiert wurde. Der Film selbst ist jedoch weniger ein Werk, das zur ausgelassenen Partystimmung animiert, denn thematisch und inszenatorisch handelt es sich hierbei um ein düsteres Drama um Rache und Vergeltung. Hier ist alles anders als in den bisher besprochenen Filmen MOOR-MONSTER oder THE SEEDS OF DISCORD – kein Anflug von Humor, kein sonnendurchflutetes Setting einer griechischen Insel. Düster und karg, entsprechend der Atmosphäre des Films.

Rene Martens (dargestellt von GÜNTER BRANDL) ist ein hart schuftender Mann, der von seiner Frau geschieden ist und zusammen mit Tochter Mia lebt. Doch eines Tages bricht die Fassade der mehr oder weniger familiären Ordnung von heute auf morgen wie ein Kartenhaus in sich zusammen…Die Exfrau steht bei Rene im Betrieb und verkündet ihrem Mann, dass die gemeinsame Tochter tot aufgefunden wurde. In der trostlosen Umgebung des Kommissariats erläutern die ermittelnden Beamten den geschockten Eltern die Einzelheiten über die Ursachen von
Mias Tod. Eine medikamentöse Überdosis, eine Wechselwirkung des genommenen Schlafmittels in Zusammenhang mit Alkohol führte zum Koma,aus dem sie nicht mehr erwachte. Doch das ist nicht alles. Letzten
Endes wurde sie Opfer eines abscheulichen Verbrechens, bei dem ihr Tod nicht geplant, aber in Kauf genommen wurde. Mit dem Alkohol wurde sie betrunken und gefügig gemacht, um sie mehrfach zu vergewaltigen. Das
Schlafmittel, das in Kombination mit dem Alkohol zum Tod führte, erhielt sie von ihrem Vater. Fragen über das „Warum?“, Trauer und die Erkenntnis, mit verantwortlich am Tod der eigenen Tochter zu sein,
nagen an dem Vater. Als ihm von der Freundin der Tochter ein USB-Stick zugespielt wird, auf dem ein Film die abscheuliche Mehrfach-Vergewaltigung der Tochter dokumentiert, wächst in Martens das Verlangen, die Peiniger seines Kindes zur Strecke zu bringen. Er besorgt sich eine Waffe und macht sich auf die Suche nach den Schuldigen. Die Zeit zum Töten ist gekommen…

Was folgt ist keine stupide Gewaltorgie, bei der die Rache nur Mittel zum Zweck einer Zurschaustellung brutalster Foltereinlagen ist. Ganz im Gegenteil: EINE ZEIT ZUM TÖTEN geht unaufgeregt seinen Gang und konzentriert sich dabei voll und ganz auf das Drama, das mit dem Tod der Tochter seinen Verlauf nimmt und in einer Tragödie endet. Der Gewaltakt ist der Schuss aus einer Pistole, mit der der trauernde Vater einen nach dem anderen hinrichtet und sich selbst von seiner eigenen Mitschuld am Tod der Tochter befreit. Der Akt an sich ist unspektakulär und unblutig. Und das macht den Film so gut, denn er unterscheidet sich wohltuend von Rape ´N Revenge-Filmen wie I SPIT ON
YOUR GRAVE oder DADDYS LITTLE GIRL. Die Filme der BRANDLs eifern nicht selten bekannten Titeln nach und vor allem im Independent-Bereich wird bei einer kontroversen Handlung auf entsprechend blutige Stilmittel Wert gelegt, um die Filme einer breiten Masse schmackhaft zu machen.

Doch EINE ZEIT ZUM TÖTEN ist allenfalls in der Hinsicht konsequent, genau in eine andere Richtung zu gehen und vielmehr den dramatischen Aspekt des Themas und den Charakter des Rächers auszuleuchten. Der Film setzt sich, ähnlich wie DEATH SENTENCE – TODESURTEIL, nicht nur mit dem Rachegedanken auseinander, sondern auch mit den damit verbundenen Ängsten und Zweifeln. Interessant ist dabei, dass erstmals in einem BRANDL-Film, die komplette Handlung aus der Ego-Perspektive, also aus der Sicht der Hauptfigur, inszeniert wurde. Somit erreicht
der Film eine intensive Sogwirkung auf den Zuschauer und erzeugt eine Intimität, bei der der Zuschauer nicht nur hautnah am Geschehen beteiligt ist, sondern auch an den Gedanken, Empfindungen und Stimmungen von Martens teilhaben kann, die über Voice-Over-Kommentare eingesprochen werden.

Zusammen mit dem ebenso unaufgeregten und ruhigen Score, der stimmig auf die jeweiligen Szenen und die Grundstimmung des Films angepasst ist, ergibt sich ein sehenswerter und unterhaltsamer Genrefilm und ein
gelungenes Jubiläum. Ein Szene-Beitrag, der für seinen Mut, die Thematik nahezu einfühlsam und ohne Effekthascherei anzupacken anstatt sich in Gewaltexzessen zu ergehen, vollste Hochachtung verdient. Mit
einfachsten Mitteln wirkungsvoll inszeniert.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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