Kritik: EDGAR WALLACE – DAS GESICHT IM DUNKELN

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Nachdem 1968 letztmals mit „Der Mann mit dem Glasauge“ eine deutschsprachige Wallace-Verfilmung über die Leinwand flimmerte, wurde mit der ein Jahr darauf folgenden, deutsch-italienischen Co-Produktion „Das Gesicht im Dunkeln“, eine neue Richtung eingeschlagen. Angesichts sinkender Einspielergebnisse schien man bei der Rialto Film zu glauben, mit dem naiv-trashigen Charme klamaukiger Gruselkrimis und Gangsterballaden nicht mehr am Puls der Zeit zu sein und entschloss sich, auf einen völlig anderen Zug aufzuspringen:

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Es waren die Italiener – die eifrigsten Plagiatoren und Ideenklauer der Filmgeschichte – die den Stil der Wallace-Krimis für sich entdeckten und aus dem klassischen „Whodunit“-Prinzip ein eigenes Subgenre formten, dass unter Regisseuren wie Mario Bava und Dario Argento formvollendet werden sollte: den Giallo. Prägende Stilelemente dieser Filmgattung sind mysteriöse Mordserien, ausgeführt von einer unheimlichen Gestalt, von der der Zuschauer meistens nur die schwarzen Handschuhe zu sehen bekommt. Eine unschuldig eines Mordes oder einer anderen Straftat verdächtigte Person steht dabei im Mittelpunkt der Handlung, die auf eigene Faust versucht, Licht in das Dunkel zu bringen – während die Ermittlungen der Polizei nur eine untergeordnete Rolle spielen.

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„Das Gesicht im Dunkeln“ greift exakt dieses Handlungselement auf und ist, trotz weiterer Giallo-Merkmale, aber viel mehr ein Psychothriller, der von Autor und Regisseur Richardo Freda komplett auf Klaus Kinski zugeschnitten ist.
Kinski nahm in der Rolle des undurchsichtigen John Alexander nach 16 Wallace-Engagements seinen Abschied von der Reihe:
Er war Polizeispitzel Gubanov in „Das Gasthaus an der Themse“, Tierpfleger Krishna in „Der Zinker“ oder das Emerson-Zwillingspaar in „Die blaue Hand“. In „Das Gesicht im Dunkeln“ ist er in einer seiner wenigen sympathischen Rollen zu sehen. Ein um Doppelbödigkeit bemühter Charakter – zuerst nach seiner (noch lebenden) Frau schmachtend, später nach ihr trauernd und gleichzeitig dem Verdacht der Polizei ausgesetzt, seine wohlhabende Frau des Geldes wegen getötet zu haben. Kinski spielt seinen Part durchaus souverän und weiß den langatmigen Thriller mit seiner Präsenz etwas aufzuwerten.

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Die durchaus vorhandenen audio-visuellen Stärken der Inszenierung können die Schwächen aber leider nicht ausbügeln, dafür ist die Story zu uninspiriert, zu vorhersehbar und die Auflösung des Komplotts – für das es lediglich zwei Alternativen gibt – zu unbefriedigend. Es wirkt wie aus dem Hut gezaubert und gipfelt in einem, an unfreiwilliger Komik kaum zu überbietenden Actionfinale.
Leidet John Alexander an Wahnvorstellungen als er seine Frau nach ihrem angeblichen Unfalltod an bestimmten Merkmalen als Darstellerin in einem Pornofilm wieder entdeckt oder soll er einer heimtückischen Intrige zum Opfer fallen?
Die Chancen stehen 50:50 und entsprechend flach ist der Spannungsbogen dieses harmlosen Thrillers gespannt. Regisseur Freda beginnt das Verwirrspiel mit einem raffinierten Winkelzug, indem er das eigentliche Ende als Einleitung für den Film nutzt, kann aber im weiteren Verlauf der Handlung weniger mit erzählerischen Finessen glänzen.

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Im Gegenteil: die Handlung schreitet geschwätzig und in einem behäbigen Tempo voran, selbst der hohe Erotikanteil vermag den Zuschauer kaum zu befriedigen.
Während der wunderbare Soundtrack der Komponistin Nora Orlandi mit seinen stimmungsvollen, von ihr selbst interpretierten Songs, zu den qualitativen Highlights des Films gezählt werden darf, ist die mehr als dilettantische Umsetzung der Actionszenen mit sichtbaren Spielzeugmodellen mehr als peinlich und erschreckend.
Davon abgesehen ist ein Mord (angesichts dessen, dass der Zuschauer seit Jahren einen durchschnittlichen Bodycount von durchschnittlich sechs Toten gewohnt ist) und ein banales Finale mit offenen Fragen einfach zu wenig, um damit neue Freunde der Reihe zu gewinnen. So war es auch nicht verwunderlich, dass der Film, trotz seines namhaften Hauptdarstellers, gnadenlos floppte.

 

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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