Kritik: EDGAR WALLACE – DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL

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Die Kritik beruht sowohl auf der ungeschnittenen Langfassung als auch auf der geschnittenen, deutschen Veröffentlichung von Ufa/BMG aus der
EDGAR WALLACE-COLLECTION:

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“Das Geheimnis der grünen Stecknadel” ist ein unter deutscher Beteiligung entstandener Thriller, der dem italienischem Giallo zuzuordnen ist. Hierzulande wurde der Film als eine der letzten Edgar-Wallace-Verfilmungen vermarktet und erreicht dabei nicht annähernd den nostalgischen, leicht angestaubten und ironischen Charme gängiger Wallace-Verfilmungen aus den späten 50er und 60er Jahren. Zwar wurde mit Joachim Fuchsberger einer der beliebtesten und demnach meist beschäftigten Ermittler von Scotland Yard mit der Aufklärung einer Mordserie beauftragt, in deren Zusammenhang es nicht um Erbstreitigkeiten, Unterweltverbrechen oder unheimliche Mönche geht – obwohl auch hier ein Priester eine nicht unwichtige Rolle einnimmt.

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Massimo Dallamanos Thriller hat nichts mehr mit den traditionellen Filmstoffen wie “Der Hexer” oder “Der Bucklige von Soho” gemeinsam,
sondern ist vielmehr der erste Teil der sogenannten “Schulmädchen in Angst-Thrillogie”, die mit dem sehr harten “Der Tod trägt schwarzes
Leder” fortgesetzt und mit dem etwas zähen “Die Orgie des Todes” beendet wurde.
Im Mittelpunkt der Handlung steht in allen drei Filmen eine verschworene Mädchengruppe an einer angesehenen Privatschule, die nach und nach einem geheimnisvollen Messerstecher zum Opfer fallen. Das Motiv für die brutalen Morde ist jeweils ein düsteres Geheimnis im
Umfeld der Mädchen. Humor und skurrile Mordmethoden (wie etwa in “Die blaue Hand” oder “Das indische Tuch”) sucht der Zuschauer hier vergebens. Hier dominieren blutige und detailfreudig inszenierte Kills und nackte Mädchenkörper das Geschehen und auch Joachim Fuchsberger ermittelt ungewohnt ernst.

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“Hallo – Hier spricht Edgar Wallace” – diesen markanten Spruch mitsamt seiner Revolverschüsse und der peitschenden MG-Salve, erwartet der
Zuschauer daher vergeblich wenn er sich die englische Langfassung von “Das Geheimnis der grünen Stecknadel” anschaut. Hier wird sehr
deutlich, was von der Ursprungsfassung für die deutsche Kinoauswertung übrig blieb und wie der Thriller für die deutsche Kinofassung umgeschnitten wurde, um ihn hierzulande marktschreierisch als “Edgar Wallace”-Verfilmung vermarkten zu können.
Im Gegensatz zur deutschen Schnittfassung beginnt die Langfassung mit den Credits, aus denen – abgesehen von den Darstellern – keine
weiteren Rückschlüsse auf eine deutsche Beteiligung zu erkennen sind. Diese Eingangssequenz – untermalt von einer traumhaften Melodie von
Ennio Morricone, die eines der Leitmotive des Films darstellt – zeigt eine in braunem Farbstich inszenierte Rückblende, die im weiteren Verlauf des Films zur Klärung der Mordserie erneut aufgegriffen wird, während die deutsche Schnittfassung auf diese Szene verzichtet und einleitend mit der Sequenz beginnt, in der Fabio Testi und Christina Galbo im Ruderboot liegen und sich lieben. Dabei wird sie Zeugin eines bestialischen Mordes. Danach erst setzen in der deutschen Fassung die “Wallace”-typischen Credits ein und weisen darauf hin, dass der deutsche Schriftsteller Peter M. Thouet an der “Eindeutschung” des harten Filmstoffes beteiligt war.
Im weiteren Filmverlauf dieser Fassung gibt es noch weitere Kürzungen, die sich nicht nur auf Handlung und Dialoge beziehen, sondern auch auf die graphisch explizit dargestellten Morde.

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Während der deutsche Verleihtitel “Das Geheimnis der grünen Stecknadel” noch ansatzweise “Wallace”-Erinnerungen zu wecken versucht, ist der englische Titel “What You Have Done To Solange?“ zwar keinen Deut aufschlussreicher, impliziert aber auch keinerlei Hang zu den naiven Inszenierungen älterer “Wallace”-Verfilmungen.
Lässt man die Marke “Wallace” außen vor, so hat man es hier vielmehr mit einem handwerklich grundsoliden Giallo zu tun, der inszenatorisch und handlungstechnisch den Stilelementen des Genre Tribut zollt:
Regisseur Massimo Dallamano erzählt eine schlüssig und geradlinig erzählte Story mit sicherer Hand und Gespür für “gialloeske“ Atmosphäre.
Die subjektive Kamera, detailfreudige Morde, jede Menge “Lolita”-Erotik und das altbekannte Versatzstück des zu Unrecht Beschuldigten, der auf eigene Faust Ermittlungen anstellt, dürfen ebenso wenig fehlen wie unzählige falsche Fährten, um den Zuschauer in die Irre zu locken und die Auflösung so überraschend wie nur möglich zu gestalten. Und gerade die Aufklärung der brutalen Mordserie von “Das Geheimnis der grünen Stecknadel” ist die dramaturgische Schwäche des Handlungsgerüsts:
Es wirkt, als wären den beiden Autoren auf den letzten Metern die Ideen ausgegangen, um den Film zu einem vernünftigen, nachvollziehbaren Ende zu bringen. So ist das Finale, trotz seiner Tragik und Dramatik, nicht nur aufgesetzt, sondern die vielen Zufälle, die zur Entlarvung des Täters geführt haben, wirken wie an den Haaren herbei gezogen. Ein Manko, dass sowohl in der Langfassung, als auch in der gekürzten Version besteht.
Die Story an sich erinnert noch etwas an Handlungsmuster aus “Der unheimliche Mönch” oder dessen Remake “Der Mönch mit der Peitsche” –
doch dürfte die Brutalität jeglichen Anflug von Nostalgie im Filmblut ertränken. Wenn der Killer in der Verkleidung eines Priesters auf Mädchenjagd geht und lange Messer und Heckenscheren in deren entblößten Unterleib stößt, dann wird die giallotypische Affinität zu phallusartigen Mordwaffen mehr als deutlich.

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Aus heutiger Sicht mag die Sex & Crime-Handlung nicht mehr zu schockieren – zu damaliger Zeit dürfte die Story um einen verheirateten Lehrer, der ein Verhältnis zu seiner minderjährigen Schülerin unterhält, sicherlich ein kleiner Tabubruch gewesen sein, ebenso wie die unzähligen Softerotik-Einlagen zwischen den beiden. Fabio Testi (der in “Die Orgie des Todes” selbst den Ermittler spielt und aus unzähligen italienischen Genre-Produktionen bekannt ist) überzeugt in der Rolle des Lehrers voll und ganz, während Joachim Fuchsberger wieder einmal als Yard-Inspector glänzt und sich mit seinem Gegenpart ein sichtlich unterhaltsames Duell liefert. Karin Baal als unterkühlte, biedere Ehefrau und Claudia Butenuth als durchtriebenes College-Flittchen machen die Besetzung perfekt. Hin und wieder schleicht sich in den Filmverlauf etwas erzählerisches Schritttempo ein, da die unzähligen Sexszenen die Handlung etwas ausbremsen.

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Alles in allem ist “Das Geheimnis der grünen Stecknadel” jedoch in beiden Schnittfassungen ein spannender und unterhaltsamer Giallo mit einigen Härten, als “Wallace”-Vermarktung sicherlich ein ungewöhnlicher Abgesang auf die einst so beliebte Erfolgsreihe.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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