Kritik: DOG SOLDIERS

DOG SOLDIERS:

Eine Einheit von sechs Soldaten der Britischen Armee wird in den schottischen Highlands abgesetzt, um an einer Kampfübung gegen eine Spezialeinheit teilzunehmen. Als sie das Lager der Einheit erreichen, müssen sie feststellen, dass sämtliche Mitglieder – bis auf deren Anführer Captain Ryan – bestialisch getötet wurden.
Beim Verlassen des Lagers werden die Soldaten von wilden Kreaturen angegriffen und können sich mit Hilfe der Zoologin Megan in ein abgelegenes Farmhaus retten, das von den blutrünstigen Bestien belagert wird.
Von Megan erfahren die ahnungslosen Soldaten, welche tödliche Gefahr das Haus umstellt hat: ein Rudel intelligenter Werwölfe. Jeder verzweifelte Versuch, die Kreaturen zu töten und aus dem Haus zu entkommen, scheitert – denn die Werwölfe scheinen ihnen stets einen Schritt voraus zu sein.

„Dog Soldiers“ stellt Neil Marshalls erstes abendfüllendes Spielfilm-Debut dar. Der Film, der in den englischen Kinos erfolgreich lief, hierzulande aber nur eine Vermarktung auf Video und DVD erfuhr, wurde mit wenig Geld produziert – eine Tatsache, die man „Dog Soldiers“ von der ersten bis zur letzten Minuten ansieht.
Gemessen an späteren Werken des Regisseurs wie „The Descent“ oder „Doomsday“, überzeugt der Horrorfilm mit einer einfallsreichen Handlung, die gekonnt die altbekannte Werwolf-Thematik aufgreift. Das Potential an guten, eigenständigen Ideen konnte aber aufgrund des niedrigen Budgets nicht so umgesetzt werden, wie man es von Regisseur Marshall gewohnt ist. Und so überzeugt sein „Dog Soldiers“ storytechnisch, aber inszenatorisch fehlt es dem Film an „Überzeugungskraft“.
In erster Linie sind es der Cast und die Figurenzeichnung der Charaktere, die nicht zu gefallen wissen:
Sean Pertwee, der später auch in „Wilderness“ eine kurze, aber prägnante Rolle hatte, spielt seinen Part zwar ganz ordentlich; ebenso wie Liam Cunningham als zwielichtiger Captain Ryan.
Kevin McKidd dagegen, Serienzuschauern besser bekannt als Dr. Owen Hunt aus „Grey´s Anatomy“, ist in der Rolle als Private Cooper vollkommen indiskutabel.
McKidd und Cunningham werden durch einen kurzen, aber sehr intensiven Prolog gut in die Geschichte eingeführt – McKidd entpuppt sich gleich in der ersten Szene als Anwärter auf die Rolle des obligatorischen unfreiwilligen Helden, während Cunningham und Pertwee einen skrupellosen Kotzbrocken und den kameradschaftlichen Ausbilder der Gruppe zum Besten geben.
Der Rest der Schauspiel-Truppe besteht aus unbekannten Newcomern, deren Figuren so uninteressant gestaltet sind, dass jegliche Identifikationsmöglichkeit, und somit ein Mitfiebern mit den Darstellern, im Keim erstickt wird.
Den dargestellten Figuren mangelt es an Authenzität und Charisma – ein Manko, das gleich in der Eröffnungssequenz zum Ausdruck kommt.
Die gestaltet sich zwar spannend und unheimlich, verliert aber aufgrund der laienhaften Darsteller und ihrer unsinnigen Handlungen an Intenistät.
Trotzdem zählen dieser Einstieg und die darauf folgende Einführung des Hauptprotagonisten zu den packendsten Momenten des gesamten Films – ein positiver Eindruck, der im weiteren Verlauf von „Dog Soldiers“ leider nicht mehr gewonnen werden kann.
Das Rätsel um die geheimnisvollen Kreaturen, die im undurchdringlichen Dickicht der Wälder ihr Unwesen treiben, wird dem Zuschauer leider viel zu schnell offenbart.
Marshall versucht zwar in der ersten Hälfte des Films die Spannung zu steigern, in dem er so lange wie möglich dem Publikum einen Blick auf die Werwölfe vorenthält, doch es gelingt ihm leider nicht, weder dramaturgisch noch inszenatorisch. für markante Spannungsmomente zu sorgen.
Blutspritzereien und Gedärme erfreuen zwar den Gorehound – doch Thrill und Suspense werden damit nicht erzeugt.
Im Gegenteil: der hohe Goreanteil erscheint hier eher befremdlich, noch dazu unfreiwillig komisch – denn „Dog Soldiers“ will als ernster Horrorfilm verstanden werden!
In diesem Zusammenhang wirkt die Szene, in der Private Cooper seinem Ausbilder Wells die Innereien in den aufgerissenen Bauch „schaufelt“ und das überzeichnete Spiel der beiden Darsteller, vielmehr humoresk auf eher unfreiwillige Art, als dramatisch – und auch hier begeht Marshall zum zweiten Mal denselben Fehler: er raubt seinen Film die Intensität – diesmal zugunsten eines blutigen Effekts.
Der Handlungsstrang im abgelegenen Farmhaus erweist sich streckenweise als sehr langweilig. Es mangelt zwar nicht an unzähligen Attacken, dafür aber an Atmosphäre.
Marshall schafft es nicht, die klaustrophobische Enge und die Ausweglosigkeit (wie später bei „The Descent“) perfekt einzufangen und auch der theatralische Soundtrack kann weder dramatische noch spannungsfördernde Akzente setzen.

„Dog Soldiers“ verfügt über viele gute Ideen und Ansätze – doch Marshall ist als Regisseur nur so gut, wie es das begrenzte Budget zulässt. Seine Inszenierung geizt nicht mit Blutfontänen und gewaltigen Explosionen, aber als Zuschauer lässt einen das kalt und unberührt.
Vor allem, da der Film dem Fan das Kernstück eines jeden Films dieses Genres, sträflich vorenthält: die obligatorische Verwandlung eines Menschen in einen Werwolf.
Ob „American Werewolf“, „Das Tier“ oder Hammers 60ies-Klassiker „Der Fluch von Siniestro“ – jeder dieser Klassiker überzeugte mit einer tricktechnisch perfekten (entsprechend der Entstehungszeit) Metamorphose – nur nicht „Dog Soldiers“.
Die Maskeneffekte werden dem geringen Etat der Produktion zwar mehr als gerecht, doch insgesamt sind die Werwölfe viel zu steif in Szene gesetzt worden. Hier mangelt es den Kreaturen – wie dem gesamten Film – an Tempo in den Bewegungsabläufen.
Marshalls Stakkatoschnittfolgen mögen schwindelerregend sein – Tempo erzeugen sie allerdings nicht.

Dass man Filme auch mit geringen Mitteln durchaus spannend und packend inszenieren kann, haben bislang unzählige Filmemacher unter Beweis gestellt.
Neil Marshall zählt leider nicht dazu – zumindest fehlt ihm in seinem Filmdebut das Talent, seinen unerschöpflichen Ideenreichtum auch mit einem minimalen Budget zum maximalen Unterhaltungswert aufzublasen.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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