Kritik: DIE NACKTEN SUPERHEXEN VOM RIO AMORE

„Ich werd´s Dir so besorgen, dass Du die Eier im Karton klingeln hörst!“

1979 bescherte uns RUSS MEYER, der Master Of Big Boobs, mit IM TIEFEN TAL DER SUPERHEXEN den ultimativen Sexfilm, einen schamlosen und in jeder Hinsicht abgedrehten Klassiker des Genre, der in kürzester Zeit in Fankreisen absoluten Kultstatus genießen sollte. ERICH TOMEK, Produktionsleiter der Lisa Film, die spezialisiert war auf preiswert runtergekurbelte Machwerke für ein anspruchsloses Publikum, stattete Trashfilm-Legende JESS FRANCO mit dem Pseudonym JACK GRIFFIN, einem spärlichen Budget und „hochkarätigen“ Stars und Sternchen aus, um dem Publikum das europäische Pendant namens DIE NACKTEN SUPERHEXEN VOM RIO AMORE zu bescheren.
Schon der Kino-Trailer verspricht „erstklassige“ Unterhaltung, „Gänsehaut vor Spannung und einen Muskelkrampf vor Lachen“ sowie Orgien, Lesbensex und Vergewaltigungen im Minutentakt. Der Cineast wird vor Entsetzen die Hände vors Gesicht schlagen, während die des Sleaze-Fans innerhalb kürzester Zeit feucht werden.
Und so bietet FRANCOS SUPERHEXEN-Machwerk vor dem Hintergrund einer trivialen Liebesgeschichte die Machenschaften in einem schmierigen Bordell namens „Rio Amore“, nymphomane Frauen und schnauzbärtige, omnipotente Hengste – als seien sie direkt aus RUSS MEYERS Riesenbusen-Kosmos entsprungen. Zugegeben: die Mädels sind hier flachbrüstiger – dafür punkten DIE SUPERHEXEN mit KATJA BIENERT und dem LOLITA AM SCHEIDEWEG-Bonus.
Drehbuchautor G.E.DERENDORF verfasste ein Skript vom Reißbrett, vollgestopft mit dem vulgärsten Vokabular, dass das deutsche Wörterbuch zu bieten hat, und so darf sich der Filmfreund zwischen den genretypischen verbalen Entgleisungen wie „Schlampe“, „Nutte“, „Schwanz“ oder „Muschi“ über erlesene Dialogperlen erfreuen, wie sie in einem Hardcore-Porno nicht besser sein könnten:
„Du hast den größten Schwanz – ich werd mir noch den Kiefer verrenken! Ich spür Dich bis zur Magengrube! Komm, spritz mich voll bis zum Überlaufen“ oder „Ich könnte Dir Sachen von ihr erzählen – danach müsstest Du deinen Pimmel in die Reinigung bringen!“

Ja, DIE NACKTEN SUPERHEXEN haben alles, was das Trashherz und den Sexploitation-Faktor höher schlagen lassen – vor allem haben sie es faustdick hinter den Ohren. Nur eines haben sie nicht: eine halbwegs interessante Story und somit auch kaum Unterhaltungswert.
Potenzschwache Zuschauer dürften angesichts der stimulierenden Dialoge schnell auf Touren kommen, doch wer nur annähernd etwas unterhalten werden will – und zwar nicht nur durch lustlos aneinander gereihte Balzszenarien ohne jegliche Erotik oder durch plumpe S/M-Mätzchen – wird enttäuscht in die Röhre gucken.
Einziger Lichtblick sind die 12-jährige Juanita mit ihren sexuellen Weisheiten, BEA FIEDLER als Mitzi, eine Wiener Hure aus Berufung und als Hommage an die Mutzenbacherin zu verstehen, sowie KATJA BIENERT, die als unschuldige Klosterschülerin so überzeugend ist, dass man sich vor Freude auf die Schenkel klopfen möchte.

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Handwerklich sind DIE SUPERHEXEN für francoeske Verhältnisse besser als erwartet: FRANCO hatte sich und seinen Kameramann unter Kontrolle, die Kamera verzichtet auf schwindelerregende Zooms und auch der Score von GERHARD HEINZ hat seine Momente. Doch das ist einfach viel zu wenig! Dass Filme diesen Kalibers auch eine halbwegs vernünftige „Story“ (wenigstens ansatzweise) und Unterhaltungswert haben können beweisen Perlen wie GRETA – HAUS OHNE MÄNNER oder DIE SCHULMÄDCHEN VOM BAHNHOF ZOO.
FRANCOS Sexploiter dagegen ist auf ganzer Linie nur primitiv, frauenverachtend, chauvinistisch und vulgär – genau die Merkmale, die reinrassigen Trash ausmachen. Aber der Film ist auch auf Dauer ein langweiliger Rohrkrepierer, der schnell anödet und weder filmhistorisch noch zeitgeschichtlich irgendeinen Stellenwert hat.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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