Kritik: DIE GEWALT BIN ICH + DIE KRÖTE

Mit DIE GEWALT BIN ICH und DIE KRÖTE liefert FilmArt die kostengünstigere und weniger aufwändig gestaltete Neuauflage zweier Klassiker des Polizieschi ab:

Zwischen den Leuten des „Chinesen“ (TOMAS MILIAN) und den Mannen von Di Maggio (JOHN SAXON) braut sich ein Sturm zusammen. Die beiden Gangsterbosse trauen sich nicht über den Weg und gehen sadistisch gegen jeden vor, der nicht zahlt oder sich ihnen in den Weg stellt. Auch gegen Commissario Leonardo Tanzi (MAURIZIO MERLI), der nach einem Mordanschlag des „Chinesen“ offiziell als tot gilt. Als sein alter Onkel bei einem Schusswechsel umkommt, gibt Tanzi seine Tarnung auf und spielt die Rivalen gegeneinander aus, bis sich alle drei in einem blutigen und bleihaltigen Finale gegenüberstehen…

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DIE GEWALT BIN ICH ist mit MAURIZIO MERLI, TOMAS MILIAN und JOHN SAXON mit dem Dreigestirn des Polizieschi besetzt. MERLI und MILIAN, beide aus dem beliebten Genre überhaupt nicht wegzudenken, standen bereits in LENZIs DIE VIPER gemeinsam vor der Kamera – aber auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes. Eine Tradition, der auch der actionreiche DIE GEWALT BIN ICH folgt. In CAMORRA – EIN BULLE RÄUMT AUF, ebenfalls unter der Leitung von Genre-Spezialist LENZI entstanden, war SAXON der Gegenspieler von MERLI. Hier nun trumpfen alle drei gemeinsam auf in einer leicht konfusen und unübersichtlichen Story mit unzähligen Handlungssträngen und Schauplätzen, aber mit den nötigen Härten, die das Genre und explizit die Filme von UMBERTO LENZI auszeichnen. Alle drei spielen ihre Paraderollen mit Verve: MERLI in seiner typischen Rolle als unkonventioneller Commissario räumt auf wie eh und je, während MILIAN einmal mehr in einer charismatischen Bösewicht-Rolle Talent beweist. Und SAXON ist ohnehin eine genauso sichere Bank wie seine Mitstreiter.

DIE GEWALT BIN ICH ist ein stimmiger und fesselnder Actionfilm, der im letzten Drittel zwar deutliche Längen aufweist und ein schwächelndes Finale offenbart, insgesamt aber ein unterhaltsamer Genre-Beitrag ist und zu einer von LENZIs besten Werken innerhalb des Subgenres gezählt werden darf.

Qualitativ ist die Neuauflage des Films, wie immer bei FilmArt, über jeden Zweifel erhaben. Hinsichtlich Bild und Ton gibt es nichts zu bemängeln und zu einem moderaten Preis bekommt man hier einen mittlerweile seltenen Klassiker geliefert, der in jede gut sortierte Italo-Filmsammlung gehört. Gleiches gilt natürlich auch für den zeitgleich neu veröffentlichten Film DIE KRÖTE, der einmal mehr (und sogar in einer Doppelrolle) Italiens Top-Star TOMAS MILIAN in den Fokus der Handlung stellt, hier aber ohne MAURIZIO MERLI auskommen muss:

Der bucklige Vincenzo (TOMAS MILIAN) ist ein gewiefter Verbrecher, bekannt und berüchtigt bei Justiz und der Unterwelt Roms. Nach vorübergehender Abwesenheit kehrt er in die Hauptstadt zurück und plant zusammen mit „Albaner“ Milo (SALVATORE BORGHESE), Di Gennaro (GUIDO LEONTINI) und Perrone (LUCIANO CATENACCI) einen Überfall auf einen Geldtransporter. Doch die drei hintergehen Vincenzo und versuchen, sich während des Überfalls seiner zu entledigen. Vincenzo kann durch die Kanalisation entkommen und in Ruhe seine Rachepläne schmieden. Unterstützung sichern ihm sein ungleicher Zwillingsbruder Sergio „Monezza“ Marazzi (ebenfalls TOMAS MILIAN) und Vincenzos Freundin, die Prostituierte Maria (ISA DANIELI) zu…

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TOMAS MILIAN in einer fulminanten Doppelrolle, die die Vielseitigkeit des großartigen Darstellers perfekt zum Ausdruck bringt. Auf der einen Seite der bucklige, aber trotz seiner körperlichen Beeinträchtigung ausgefuchste und durchtriebene Ganove, und auf der anderen Seite dessen gutmütiger, ausgeflippter und leicht naive Bruder.

DIE KRÖTE ist die Verfilmung einer relativ einfachen, für LENZI-Verhältnisse aber durchaus stimmig erzählten Geschichte ohne unnötige Längen. Kein Polizieschi im herkömmlichen Sinn. Es geht um Verbrechen in einem ruppigen Milieu, in dem sich jeder selbst der nächste ist. Mord und Totschlag sind in diesem Geschäft die Konsequenzen, mit denen ein jeder sein Handeln verantworten muss. Und so geht es vor allem um Loyalität, Verrat und Rache.

Von LENZIs unzähligen Polizieschi-Beiträgen ist DIE KRÖTE sicherlich einer der besseren Genre-Vertreter – auch wenn er kein inszenatorisches Meisterwerk darstellt. Doch LENZIs Regie ist routiniert genug, um aus dem Fahrwasser reißbrettartiger Flicks wie VERDAMMTE HEILIGE STADT herauszuragen. Allerdings mangelt es dem Film im Vergleich dazu deutlich an Action und Tempo, und auch die genretypischen Härten kommen etwas zu kurz. Der Score von FRANCO MICALIZZI sorgt jedoch für solide Stimmung, während die deutsche Synchronfassung mit bewährten Sprechern wie RANDOLF KRONBERG, MANFRED SEIPOLD, REINHARD GLEMNITZ und HARTMUCK RECK auftrumpfen und dem Film letzten Endes das nötige Charisma verleihen kann.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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