Kritik: DER KILLER VON WIEN (FilmArt Giallo Edition)

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Aus der hauseigenen Giallo-Edition präsentiert das auf italienische Genre-Perlen spezialisierte Label FilmArt mit der Nr. 004 SERGIO MARTINOS kunstvoll arrangierten Giallo-Klassiker DER KILLER VON WIEN – einer der besten Vertreter des beliebten Subgenre.

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Die Ehe der attraktiven Julie Wardh (EDWIGE FENECH, NACKT FÜR DEN KILLER) steht kurz vor dem Aus. Gemeinsam mit ihrem Mann Neil (ALBERTO DE MENDOZA, DER SCHWANZ DES SKORPION), einem älteren Börsenmakler, macht sie sich auf den Weg nach Wien, da dort wichtige Geschäftstermine anstehen.
In ihrer Heimatstadt angekommen trifft Julie auf ihre alte Freundin Carol und lernt auf einer Party den Frauenschwarm George (GEORGE HILTON, DER TEUFEL HAT 7 GESICHTER) kennen. Julie kann ihre Zuneigung zu George nicht lange unterbinden und sieht in ihm weit mehr als nur einen unbedeutenden Flirt. Er scheint ein neuer Lichtblick in ihrem Leben zu sein, abseits vom langweiligen Geschäfts-und Eheleben ihres Mannes. Während sie ihre Affäre in vollen Zügen genießen taucht unerwartet Julies Ex-Liebhaber Jean (IVAN RASSIMOV, DIE FARBEN DER NACHT) auf. Trotz der dunklen Vergangenheit beider, konnte sich Jean nie ganz von Julie lösen und umwirbt sie wo es nur geht. Die Nettigkeiten von Jean nehmen zu und umso mehr grauenvolle Gedanken an ihr damaliges sadomasochistisches Verhältnis kehren bei Julie zurück.
Zur selben Zeit werden in Wien vermehrt hübsche Frauen von einem vermummten Serienkiller mit Rasiermesser getötet und auch Julie fällt in das Raster des scheinbar unaufhaltsamen Schlitzers.
Wer ist der mysteriöse Killer? Ist es Jean? Julies Ehemann, der wegen des Seitensprungs seiner Frau durchdreht oder ist es George, der Julie konkurrenzlos für sich alleine haben möchte?

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DER KILLER VON WIEN – das ist ein weiterer exquisiter Genre-Beitrag, der eindeutig die Spreu vom Weizen trennt und SERGIO MARTINO als Meister seines Fachs auszeichnet, der hier einen stilvollen, eleganten und erotischen Thriller auf die Leinwand zaubert und mit seiner atemberaubenden Hauptdarstellerin die Herzen aller Giallo-Freunde höher schlagen lässt. EDWIGE FENECH, die rehäugige Schönheit mit der wallenden Haarpracht und den üppigen Kurven, wird auch hier wieder ins rechte Licht gerückt und stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass sie nicht nur eine Augenweide ist, sondern auch sehr gut schauspielern kann. Ihr zur Seite stehen hochkarätige Kollegen wie GEORGE HILTON und ALBERTO DE MENDOZA oder IVAN RASSIMOV, die man aus MARTIONS Filmen DER SCHWANZ DES SKORPIONS und DIE FARBEN DER NACHT kennt. Ebenso wie in letzterem Titel, so spielen auch in DER KILLER VON WIEN sadomasochistische Komponenten eine gewichtige Rolle, die in ästhetisch bebilderten Rückblenden dem Zuschauer erläutert werden.

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Einmal mehr wird deutlich, was Kunst von Schund unterscheidet und somit reiht sich SERGIO MARTINO zu Recht in die Reihe der großen Meister des Genres wie MARIO BAVA oder DARIO ARGENTO ein, die ihre Filme audio-visuell und mit einer speziellen Farbdramaturgie veredelten, während MARTINO durch kunstvoll inszenierte Kompositionen besticht – hier fulminant veredelt von einem wunderbaren Leitmotiv von NORA ORLANDI (DAS GESICHT IM DUNKELN).

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STYLE OVER SUBSTANCE – ist das Motto, das auch DARIO ARGENTOS Werke durchzieht und auch bei SERGIO MARTINO Anwendung findet. Filme wie DIE FARBEN DER NACHT oder DER KILLER VON WIEN machen mehr als deutlich, warum sie zu den Sahnestücken des italienischen Genrefilms zählen – es ist ihre ganz besondere Klasse, die sie auszeichnet. Das Gefühl des Regisseurs für Eleganz, für Stimmungen und Atmosphäre, sowie für Erotik und Sinnlichkeit. Wenn EDWIGE FENECH sich zu den Klängen des Soundtracks leidenschaftlich GEORGE HILTON hingibt, die Kamera dabei eine dezente Perspektive einnimmt – dann ist das sinnliche Erotik in höchster Vollendung und keine peinlich-plakative und selbstzweckhafte Fleischbeschau wie in ANDREA BIANCHIS DIE NACHT DER BLANKEN MESSER.

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Hinzu kommt, dass Regisseure wie SERGIO MARTINO es beherrschen, die genretypischen Stilmittel des Gialli auszuschöpfen und nicht nur gekonnt einzusetzen, sondern sie atmosphärisch und stimmungsvoll einzufangen, ganz zu schweigen von erlesenen Bildkompositionen und inszenatorischer Raffinessen, die DER KILLER VON WIEN den künstlerischen Anspruch verleihen. Und so ist gerade dieser Film eines der besten und ausgereiften Werke des Regisseurs, der auf ganzer Linie besticht und wunderbar zu unterhalten weiß.

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Bei der Veröffentlichung von FilmArt handelt es sich um eine auf 1000 Exemplare limitierte 2-Disk-Edition, die dem künstlerischen Anspruch des Werks in seiner Ausführung voll und ganz gerecht wird. Wie immer stilecht im gelben Amaray-Case und gialloesk gestaltetem Cover ohne FSK-Logo, besticht die Nr. 004 der Edition wieder einmal durch ein sorgfältig und interessant geschriebenes Booklet. Der Film selbst liegt in zwei Fassungen vor und auch das Bonusmaterial weiß hier zu gefallen. Neben den obligatorischen Trailern zum Film und anderen Werken, können vor allem das Interview mit SERGIO MARTINO und die Dokumentation DARK FEARS BEHIND THE DOOR überzeugen.

Mit DER KILLER VON WIEN setzt FilmArt seine Prestige-Collection mit einem hervorragenden Meisterwerk fort – die Nr. 004 kann Giallo-Fans uneingeschränkt empfohlen werden!

 

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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