Kritik: DEATH SENTENCE – TODESURTEIL
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Der erfolgreiche Risikoanalyst Nick Hume (Kevin Bacon) führt ein zufriedenes Leben mit seiner liebenden Familie, bis es zu einer grausamen Tragödie kommt: Gangmitglieder töten vor seinen Augen seinen ältesten Sohn, nicht als persönlichen Anschlag, sondern als Aufnahmeritual. Als gebrochener Mann hofft Nick auf die Justiz, doch schon früh zeichnet sich ab, dass es keine ausreichende Strafe für den Mörder geben wird. Nick zieht bewaffnet los, um Rache zu üben und schon bald findet er den Gesuchten. Doch Nick entfesselt mit seinem gewaltsamen Racheakt einen noch viel umfangreicheren Strudel der Gewalt, aus dem er sich nicht mehr entziehen kann…

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Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung von Euro Video!

„Death Sentence – Todesurteil“ ist ein US-Thriller von Regisseur James Wan, dem Regisseur, Produzent und einer der geistigen Schöpfer der Horrorfilm-Reihe „SAW“.
Dem Film liegt die literarische Vorlage von Brian Garfield zugrunde, dessen Roman „Death Sentence“ bereits auf den fünf Filmen der „Death Wish“-Reihe mit Charles Bronson basiert.

„Death Sentence“ beginnt mit den Videoaufzeichnungen einer intakten und glücklichen Familie. Doch bereits nach 12 Minuten ist die Idylle zerstört und Nick Hume (Kevin Bacon) steht vor den Scherben seines Lebens: Sein ältester Sohn Brendan wird von den Mitgliedern einer, von Billy Darley angeführten Gang, als Teil eines Initiationsrituals getötet. Hume wird Zeuge der Tat und kann dem Mörder seines Sohnes die Maske vom Gesicht reißen. Bei der späteren Gegenüberstellung kann er Joe Darley, den jüngeren Bruder des Anführers, zwar zweifelsfrei identifizieren, erfährt aber durch den Staatsanwalt, dass der Täter nur mit drei bis fünf Jahren Gefängnis zu rechnen habe. Da Hume die in Aussicht stehende Strafe als zu mild empfindet, zieht er seine Aussage zurück. In blindem Aktionismus und einem Anfall von Hass, Wut und unendlicher Trauer, tötet er den Mörder seines Sohnes und zieht somit wiederum den Hass der Gang auf sich, die sich zum Gegenangriff rüstet…

James Wans Thriller trägt eindeutig die reaktionäre Handschrift der legendären „Ein Mann sieht rot“-Reihe aus den 70er und 80er Jahren, und portraitiert eine Gesellschaft, in der die Arbeit der Polizei versagt und nur Selbstjustiz der einzige Weg ist zur Herstellung der Gesellschaftsordnung. Das Ergebnis von Nick Humes Racheaktion bricht jedoch mit der Erzählstruktur früherer Selbstjustiz-Thriller und stilisiert den Familienvater nicht zum wortkargen Helden und Verfechter von Gesetz und Ordnung, sondern macht ihn zum Opfer seiner eigenen Vergeltung, bei dem ihm letzten Endes fast nichts mehr bleibt…außer die brutale Erkenntnis, dass er für den Wunsch nach Rache und Vergeltung einen hohen Preis zahlen musste.

Bis zum blutigen Finale verläuft der Film gekonnt die Entwicklung vom Familiendrama zum bleihaltigen Actionthriller. 
Kevin Bacon verleiht seinem vielschichtigen Charakter sehr viel Tiefe und überzeugt durch eine beachtliche schauspielerische Leistung. Brillant stellt er seine Entwicklung vom liebenden Familienvater zum eiskalten Racheengel dar, der sich mit schwarzer Lederjacke (die seines verstorbenen Sohnes) und kahlgeschorenem Schädel rein äußerlich nicht mehr von den „Bestien“ unterscheidet, die er jagen und zur Strecke bringen will. Er durchläuft Stationen der Hilflosigkeit, der Trauer und der Wut und nur ein Blick von ihm sagt mehr als 1000 Worte und drückt wortlos das aus, was jeder an seiner Stelle empfinden würde: grenzenloser Hass.
„Death Sentence“ entwickelt sich langsam, aber unaufhaltsam zu einer dramatischen Hetzjagd, bei der immer wieder die Grenzen zwischen Jäger und Gejagten verwischen. Untermalt wird die temporeiche, spannende Handlung von einem genialen Score von Charlie Clouser, der auch für diesen Film ein elektrisierendes Haupttheme komponiert hat, das die düsteren Aspekte der Geschichte superb unterstreicht.
James Wans Version von „Ein Mann sieht rot“ besticht, im Vergleich zum Original, durch eine glaubwürdige Erzählstruktur und lässt der Familie auch in den entsprechenden Szenen genug Zeit, um über den Verlust des Sohnes zu trauern. 
Im Gegensatz zu Charles Bronsons Auslegung der Rolle, des Selbstjustiz übenden Familienvaters, ist für Kevin Bacon als Nick Hume die Tötung eines Menschen nicht selbstverständlich. Nach seinem ersten Mord droht er unter der Belastung zusammenzubrechen. In den anschließenden Befragungen durch die Polizei wirkt er bei weitem nicht so selbstsicher und abgebrüht wie einst Charles Bronson und auch der Umgang mit den Waffen wird hier nicht als selbstverständlich vorausgesetzt, sondern muss durch Anweisungen erlernt werden – was durch die anfänglichen unbeholfenen Handlungen von Nick Hume den Szenen zusätzlichen authentischen Charakter verleiht.
Letzten Endes ist auch Nick Hume, trotz schwerer Bewaffnung, nichts weiter als ein Mensch aus Fleisch und Blut und entsprechend verwundbar. Im Gegensatz zu Charles Bronsons Figur, Paul Kersey, wird Kevon Bacon nicht zum unverwundbaren Actionhelden stilisiert, der die Gegner aus der Hüfte heraus reihenweise zur Strecke bringt.

Einige Verhaltensweisen der Protagonisten sind nicht immer nachvollziehbar, hier und da mangelt es in manchen Szenen einfach an Logik und auch die finale Konfrontation ist etwas übertrieben in Szene gesetzt – aber ansonsten besticht „Death Sentence“ durch eine sehr gute Besetzung, einem perfekten Score und sauber inszenierten Actionszenen.

7,5 von 10 Punkte!

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