Kritik: DEALER CONNECTION

1977, ein Jahr nach dem rundum gelungenen Gangsterfilm „Racket“, inszenierte Italiens Action-Spezialist Enzo G. Castellari, erneut mit Fabio Testi in der Hauptrolle, diesen um Realismus bemühten Krimi über die verschlungenen Pfade des internationalen Drogenhandels, ohne auch nur ansatzweise die Klasse des thematisch ähnlichen „Racket“ zu erreichen.

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War es ein Jahr zuvor noch eine Bande von skrupellosen Schutzgelderpressern, gegen die Testi als Commissario antreten musste, so gilt es in „Dealer Connection“ die Machenschaften eines Drogenhändlerrings zu durchkreuzen, der international operiert.
Um das globale Netzwerk des Syndikats dem Zuschauer zu verdeutlichen, steigt der Film gleich  ins verworrene Geschehen ein und wechselt in den ersten fünf Minuten ständig den Schauplatz, führt Personen ein, die mehr oder weniger in den weiteren Verlauf der Handlung eine Rolle spielen und versucht aufzuzeigen, wie dreckig das Geschäft ist.

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Anfangs wird das Milieu – beispielsweise bei den Außendrehs in den Rotlicht- und Szenevierteln – noch glaubwürdig dargestellt, doch sobald die Handlung in die Studiokulissen verlegt wird, wirkt die Inszenierung nur noch unterdurchschnittlich.
Vor allem mangelt es dem Film an allem, was den Reiz und den Unterhaltungswert beispielsweise von „Racket“ ausmachte: die Anzahl an Darsteller ist kaum überschaubar, so dass sich die vielen unterschiedlichen Charaktere kaum entfalten können.
Fabio Testi und David Hemmings als die „Guten“ bleiben ebenso blass und konturenlos in ihren Rollen wie auch Joshua Sinclair, der ebenfalls in „Racket“ fulminant einen Bösewicht spielte, hier aber weniger überzeugen kann.

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In der ersten Stunde mangelt es dem Film vor allem an Action und es dauert einfach zu lange, bis das von Anfang an vorhersehbare Doppelspiel zwischen Testi und Hemmings aufgelöst und die ansonsten sehr dünne Handlung durch Tempo und Thrill vorangetrieben wird.
Der finale Showdown erstreckt sich auf fast eine halbe Stunde und versucht die bis dahin sehr zähe und langweilige Inszenierung künstlich aufzublasen.
Das actionlastige letzte Drittel ist es dann auch, das den Film davor rettet, komplett in der Versenkung zu verschwinden. Hier kann Castellari sein ganzes Talent als Inszenator von harter Action ausspielen und dem drögen Drogenkrimi doch noch einige neue Impulse verleihen und mit etwas Einfallsreichtum punkten.
Die Action ist – wenn auch gegen Ende stark übertrieben – sauber inszeniert, wobei vor allem die Verfolgungsjagd in der Luft zu den Höhepunkten des gesamten Films gezählt werden darf.

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Insgesamt gesehen ist „Dealer Connection“, sowohl im Vergleich mit „Racket“ als auch als eigenständiger Film, nicht das, was man angesichts der namhaften Beteiligten erwarten könnte.
Castellari, der auch das Drehbuch beisteuerte, inszenierte auf Sparflamme, Fabio Testi kann sich in seiner Rolle kaum entfalten, David Hemmings („Profondo Rosso“) agiert mehr wie ein Statist und verleiht dem Film lediglich internationalen Flair.
Zu guter Letzt geht noch ein „Ungenügend“ auf das Zeugnis des Kostümbildners: Zugegeben, der Film entstand  in den 70er Jahren in einer Zeit, als Schlaghosen, breite Hemdkragen und knallbunter Farben absolut „in“ waren – aber manche Darsteller sehen hier teilweise wie Zirkusartisten aus oder als ob sie dem „Schulmädchenreport“ entsprungen wären. Joshua Sinclair, der den Boss eines Drogenrings spielen soll, sieht in seinem lilafarbenen Anzug vielmehr wie ein billiger, halbseidener Lude aus als wie ein knallharter Gangster.
Ganz zu schweigen von Testis modischem Erscheinungsbild: die Blue Jeans ist ja ein zeitloser Klassiker, aber die Hosenbeine in beigefarbenen Cowboystiefeln gesteckt, die er während des gesamten Films trägt – nein, das geht überhaupt nicht und ist einfach nur ein grauenvoller Anblick! Testi wirkt in diesem Outfit als hätte er sich als Rodeoclown in einen falschen Film verirrt.

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Positiv sei bei aller Kritik aber noch zu erwähnen, dass die Gruppe Goblin mit mehreren Themes einen anständigen und stimmigen Score beisteuerte – aber alles in allem ist dieser Film für italienische Verhältnisse und angesichts seines routinierten Regisseurs eine herbe Enttäuschung! „Dealer Connection“ als Drogenkrimi oder Genrebeitrag zum Polizieschi wirkt gegen Castellaris „Racket“ wie eine auf Teufel komm raus hastig inszenierte Reißbrett-Produktion in billigen Kulissen.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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