Kritik: DARIO ARGENTOS DRACULA

Die Geschichte um den blutsaugenden Vampir Graf Dracula zählt mit Sicherheit zu einem der am meist verfilmten literarischen Stoffe der Filmgeschichte. Nach „Das Phantom der Oper“ nahm sich Dario Argento, einst gefeierter Meisterregisseur und wegweisender Beeinflusser des modernen Horrorfilms, mit der Vampirgeschichte eines weiteren klassischen Stoffes an und inszenierte mit sicherer Hand und Gespür für Atmosphäre, einen Film, der es schwer hat, sich für eine Richtung zu entscheiden und unentschlossen hin und her schwankt.

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Er schwankt zwischen klassischer Adaption und moderner Variante, zwischen Werktreue und eigenwilliger Interpretation, zwischen Genialität und Schwachsinn. Und doch ist diese „Dracula“-Verfilmung durchweg unterhaltsam – vor allem dann, wenn man den Namen „Argento“ als Qualitätssiegel und Garant für kunstvoll arrangierte Inszenierungen außen vor lässt – denn vom Ruhm vergangener Tage ist der Mitbegründer des Giallo weit entfernt. Doch liegt das weniger an mangelndem Talent, sondern vielmehr daran, dass sich die Sehgewohnheiten sehr stark verändert haben. War es damals vor allem die Atmosphäre, die die Filme auszeichneten, ist heutzutage jede Verfilmung ohne plumpen 3D-Effekt oder bluttriefenden Splatter keinen Pfifferling wert.

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Um vor dieser Entwicklung bestehen zu können, kommt „Dario Argentos Dracula“ in 3D daher und präsentiert dem Publikum, neben prallen Brüsten, auch ein paar saftige Gore-Häppchen. Dabei stehen handgemachte Effekte äußerst bescheidenen CGI-Animationen gegenüber, während die Kulissen mitunter spärlich ausgefallen sind, und vor allem die Ausstattung von Draculas Burg nicht ansatzweise der Opulenz früherer Verfilmungen gerecht wird. Die malerischen Bühnenbilder dagegen versetzen den Fan wieder zurück in die Zeit, als die Hammer-Studios das Genre dominierten – was wiederum den jüngeren Zuschauern übel aufstoßen und als unfreiwillig komisch angesehen werden könnte.

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Doch sind es gerade diese Details, die man als Hommage an die Klassiker interpretieren kann, an der sich auch Thomas Kretschmanns Darstellung orientiert. Er spielt seinen „Dracula“ nahezu steif und statisch, erinnert dabei aber mehr an Bela Lugosi als an Christopher Lee – macht aber seine Sache insgesamt besser, als man es zunächst erwartet hatte. Durch Udo Schenks unverwechselbare Synchronstimme werden „Dracula“ charismatische Züge verliehen, wobei auch hier die stockende Ausdrucksweise ebenfalls an Lugosi erinnert.

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Harker, Renfield, Lucy, Mina und Van Helsing – neben „Dracula“ die wichtigsten Charaktere aus dem Stokerschen Roman – werden in die Geschichte nach und nach eingeführt. Darüber hinaus bleibt Argento, der auch mit am Drehbuch schrieb, der Vorlage treu und zitiert dabei aus drei Epochen Vampirverfilmungen:
Der berühmte Satz „Die Kinder der Nacht – welch süße Musik sie doch machen!“, der erstmals in der 1931er-Verfilmung von Tod Browning fiel, findet dabei ebenso Erwähnung, wie das Klettern entlang einer Hauswand, das aus „Dracula – Nächte des Entsetzens“ mit Christopher Lee bekannt ist. Hinweise auf Draculas Vergangenheit als Kriegsherr, den man auch den „Pfähler“ nannte, sowie die tragische Komponente der Liebesgeschichte zwischen ihm und Mina, sind Verweise auf die Coppola-Verfilmung. In dieser Hinsicht steckt sehr viel Herzblut und Einfallsreichtum in dieser Version, die von Argento routinierter in Szene gesetzt wurde als so manch andere Schandtat, die er nach seinem letzten großen Meisterwerk „Sleepless“ verbrochen hatte.

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Neben Thomas Kretschmann in der Titelrolle, kann man Rutger Hauer als dessen Gegenspieler Van Helsing und Argentos Tochter Asia als Lucy bewundern. Claudio Simonetti steuert den Score bei und sorgt für manche atmosphärische Komposition – setzt aber hier verstärkt auf Streicher und chorale Gesänge. Draculas Bisse stecken voller Trieb und Leidenschaft – selten wurde in einer klassischen Verfilmung der Obervampir wie ein wildes Tier in Szene gesetzt, das seine Zähne in die Hälse unschuldiger Opfer schlägt. Argento bleibt seiner Linie treu und geizt nicht mit blutigen Eskapaden – was diese Verfilmung nochmals von anderen Werken unterscheidet.

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Sicherlich zählt „Dario Argentos Dracula“ nicht zu den besten Vampir-Verfilmungen, aber sicherlich zu den eigenwilligsten Interpretationen des altbekannten Stoffs, bei dem weniger die blutigen Effekte, als vielmehr die nackten Oberweiten der Darstellerinnen plakativ wirken. Insgesamt kann aber eine Empfehlung ausgesprochen werden – 6,75/10

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DARIO ARGENTOS DRACULA 3D gibt es über KOCH MEDIA als DVD, BR und 3D-BR jeweils ungeschnitten und mit Wendecover ohne FSK-Logo

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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