Kritik: CREEPY CAMPFIRE STORIES

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Es ist Halloween: Eddie (ALEX LOTZ) und Ben (JONATHAN SCHÄBLE) wollen diesen besonderen Abend am Lagerfeuer mit den Mädchen verbringen. Doch Nina (JULIA SCHMAUSSER) und Melissa (DIANA BRUMMINGER) sind nicht wirklich von dieser Idee begeistert. Hoch oben über der Stadt wird das Lagerfeuer entfacht und Bier getrunken. Um die Stimmung aufzulockern erzählen sich die vier Teenager gegenseitig Gruselgeschichten. Doch in
dieser schaurigen Halloween-Nacht wird sich ihr Leben grundlegend verändern…Geschichten von wahnwitzigen Experimenten, spukenden Häusern, Geistern, Dämonen und Vampiren!

Horror-Anthologien erfreuen sich großer Beliebtheit – ein Trend, den auch deutsche Independentfilmer für sich entdeckt haben. Nach GERMAN ANGST, dem durch Crowdfunding immerhin ein bescheidenes Budget zur
Verfügung stand, haben sich drei talentierte Filmemacher zusammengefunden, um mit CREEPY CAMPFIRE STORIES drei Kurzgeschichten vorzustellen, die von einer Rahmenhandlung eingebettet werden und an
Filme wie CREEPSHOW, UNHEIMLICHE SCHATTENLICHTER oder KATZENAUGE erinnern.

Die Idee zu CREEPY CAMPFIRE STORIES kam ALEX LOTZ Anfang 2013, als er nach diversen Kurzfilmen die Idee hatte einen abendfüllenden Streifen drehen zu wollen. Aber um sich nicht gleich bei einem Projekt dieser
Größenordnung zu übernehmen, entstand der Entschluss einen Episodenfilm daraus zu machen, deren drei Geschichten von unterschiedlichen Filmemachern inszeniert werden sollten. Die Rahmenhandlung als auch einige Stilmittel der einzelnen Folgen verstehen sich als Hommage an die amerikanischen 80ies Horror-Streifen, in denen Teenager Halloween feiern, in einem finsteren Wald campen und sich am Lagerfeuer gruselige Geschichten
erzählen. Die Inszenierung des Grundgerüsts und des ersten Films BRAINSCAN 3000 verantwortete ALEX LOTZ von SanderMania Productions selbst, während er DANIEL KONZE von BOREDOM PRODUCTIONS und die
Extreme-ScRIPt-Crew der DIECKMEYER-Brothers für die Episoden PSI und D.M.A – DEMONIC MODEL AGENCY ins Boot holen konnte. Jeder der Filmemacher war mit seiner Crew für Drehbuch, Schnitt, Kamera und
Regie eigenverantwortlich zuständig und drückte den Beiträgen seinen eigenen Stempel auf. Da alle drei Filmcrews ihre Wurzeln im Punk Rock haben, liegt natürlich auf der Hand, dass der Soundtrack zum Film
entsprechend rockig klingt. Das Cover-Artwork ist dabei passend zum Film erfrischend Old School im typischen VHS-Look vergangener Zeiten gestaltet – hier hat OLE O´BRIAN von OLE ART beste Arbeit geleistet
und den Charakter des Films auf den Punkt gezeichnet.

BRAINSCAN 3000: Eric (MARC NADLE) ist ein Computerfreak. Seine jüngere Schwester ist vor kurzem tödlich verunglückt und seitdem verlässt er nur noch selten sein Apartment. Für ihn zählen nur noch der Computer und seine Mutter. Selbst zu seiner anderen Schwester hat er den Kontakt abgebrochen. Eines Tages kommt er auf die Idee, etwas zu programmieren, mit dem er seine geliebte Schwester wieder zurück ins Leben holen könnte. Dazu muss er nur ein Gehirn mit dem Computer verbinden. Eric nennt sein Programm „Brainscan 3000“. Allerdings
braucht er jemanden, um seine verrückte Vision zu testen. In einem Chat sucht er sich einen ahnungslosen Studenten (ALEX SCHÄBLE) und lädt ihn zu sich nach Hause ein. Er überwältigt ihn, öffnet seine Schädeldecke und verknüpft das Gehirn mit dem Programm. Doch das Experiment verläuft schief: Erics Testperson gerät außer Kontrolle und zieht mordend durch die Straßen…

FAZIT: Ein angenehmer Hauch von Trash umweht BRAINSCAN 3000, der hinsichtlich Story und Inszenierung an die kruden 80ies-Flicks wie FRANKENHOOKER oder RE-ANIMATOR erinnert. Doch Trash ist hier nicht als Makel, sondern als Auszeichnung zu verstehen, denn LOTZ´ Beitrag ist vielmehr auf gelungene Weise amüsant als unfreiwillig komisch. Die preisgünstigen Effekte verstärken den Low Budget-Charakter und wirken angesichts der begrenzten Möglichkeiten charmant, unterstreichen sogar auf liebevolle Art den anvisierten Retro-Look des Films. Spaßiger Fun-Splatter mit skurrilen Derbheiten und tragischer Komponente – ein gut abgemischtes Potpourri.

PSI: Lara (ISABELLE ARING) und Alex (THOMAS BINDER) sind ein junges Paar, das sich ihr erstes gemeinsames Haus gekauft hat. Beide sind überglücklich von nun an in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Aber bereits die erste Nacht wird von merkwürdigen Vorkommnissen und seltsamen Geräuschen im Haus überschattet. Das Haus scheint von übernatürlichen Energien beherrscht zu werden. Plötzlich verschwindet Alex und die ängstliche Lara ist auf sich allein gestellt. Jetzt hat sie hat keine ruhige Minute mehr, denn der Terror hat gerade erst begonnen…

FAZIT: Nach dem etwas spaßigeren Einstieg mit BRAINSCAN 3000 widmet sich DANIEL KONZE in PSI dem altbewährten Spukhaus als Ort seiner nervenaufreibenden und effektvoll inszenierten Geschichte. Klassiker
wie BIS DAS BLUT GEFRIERT oder AMITYVILLE HORROR liegen diesem Genre zugrunde, das mit zeitgenössischen Filmen wie PARANORMAL ACTIVITY und INSIDIOUS ein erfolgreiches Revival feiert. Auch in PSI wird einmal
mehr als deutlich, was sich mit sehr begrenzten finanziellen Möglichkeiten inszenieren lässt und KONZE spult ein beklemmendes und schockierendes Schreckensszenario mit beeindruckendem Sounddesign ab. ISABELLE ARING beweist hier, dass sie nicht nur zum Sterben schön ist, sondern auch solide schreien kann und eine gute Scream Queen abgibt.

D.M.A. – DEMONIC MODEL AGENCY: Vanessa (MELISSA BINDCZECK) möchte unbedingt und um jeden Preis ein Model werden. Doch ihr Vater (PAS VAN DEYCK) hat kein Verständnis für ihren Traum. Allerdings bekommt
Vanessa einen mysteriösen Brief. Ein unbekannter Mann mit dem Namen Allister Snoon (MORRIS MIRROR) bietet ihr ein Fotoshooting an und lädt sie in sein Schloss ein. Das junge Mädchen will sich diese Chance nicht entgehen lassen. Unter dem Vorwand in einen Club zu gehen, verabschiedet sie sich von ihrem Vater, um der Einladung zu folgen. In der Dunkelheit der Nacht betritt Vanessa das alte Gemäuer. Und sie wird bereits erwartet…

FAZIT: Auch D.M.A. überrascht ein weiteres Mal mit einer neuen Erzählweise und punktet zu Beginn mit ein paar gelungenen Gags und Seitenhieben. Der Traum eines hübschen und naiven Mädchens ein Topmodel zu werden, entpuppt sich als spitze Abrechnung mit HEIDI KLUMs Casting-Imperium und entwickelt sich zu einem vielschichtigen, zweideutigen Gothic-Grusler mit POEschen Elementen und einem überaus gelungenen finalen Doppel-Twist. Atmosphärisch inszeniert und von allen Episoden am überzeugendsten gespielt (hinsichtlich der
dargebotenen Dialoge, die hier am natürlichsten vorgetragen werden), ist D.M.A. mit seiner erfrischenden und cleveren Story der beste Beitrag und finale Höhepunkt der Anthologie – dicht gefolgt von den beiden anderen Episoden, die qualitativ auf einem Level stehen.

GESAMTURTEIL: CREEPY CAMPFIRE STORIES bietet über knapp 81 Minuten abwechslungsreiche Unterhaltung auf gutem Niveau. Es ist erstaunlich, was die drei Regisseure mit kaum vorhandenem Budget erreicht haben. CCS ist ein ambitionierter Independentfilm mit einem großartigen Score und sauberen Szenenübergängen, leidenschaftlich und mit viel Einfallsreichtum sehr gut in Szene gesetzt. Die Hommage an die frühen 80er Jahre ist hervorragend gelungen, die Geschichten sind ideen- und abwechslungsreich umgesetzt. Eine spaßige und niemals langweilige
Anthologie, bei der jeder einzelne Beitrag auf seine Art überzeugt.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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