Kritik: CAEDES – DIE LICHTUNG DES TODES

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Es ist schon ein Fluch mit der deutschen Filmwirtschaft. Der Mut, heutzutage unkonventionelle Filmstoffe zu produzieren und ins Kino zu bringen ist der Resignation gegenüber der wirtschaftlichen Tragfähigkeit eines Projektes gewichen und verkommt  in seiner Formelhaftigkeit. Banale Komödien nach dem Baukasten-Prinzip erhalten finanzielle Zuschüsse von den Filmförderungsanstalten, während es Horrorfilme schon deutlich schwieriger haben. Ein Genre, das anscheinend so verabscheut wird wie ein eitriges Furunkel. Nicht aber
beim Zuschauer – ganz im Gegenteil: Der Deutsche liebt Horrorfilme und lässt sich keinen der unzähligen Titel entgehen, die es von Übersee auf die große Leinwand schaffen. Doch in einem Land, das berüchtigt ist für die Mühlen seiner Bürokratie, sind Förderungen von Filmen wie GEFÄLLT MIR an Auflagen gebunden. Und nicht nur die Filmförderung mischt sich in die Produktion ein, sondern auch der Verleih. Da werden Änderungen am Drehbuch oder Schnittauflagen gefordert um das Endprodukt massentauglich und wirtschaftlich rentabel zu machen, denn schließlich hat auch das Gremium der FSK noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden und kann mit der vorgeschlagenen Altersfreigabe erheblichen Einfluss auf den finanziellen Erfolg eines Films nehmen. So wird die
künstlerische Freiheit eines Projekts dermaßen beschnitten, dass der deutsche Genrefilm auf lange Sicht nicht den Stellenwert einnehmen wird, den er verdient hätte. Stattdessen definiert sich der deutsche Film, von Titeln wie DER TOTMACHER, SOLO FÜR KLARINETTE, DER UNTERGANG oder DER BAADER-MEINHOF-KOMPLEX einmal abgesehen, auch weiterhin aus Komödien, die durch und durch berechenbar sind: Sie ergehen sich in
einfachsten Klischees und ihre Hauptdarsteller TIL SCHWEIGER, MATTHIAS SCHWEIGHÖFER und der zum neuen Teenie-Superstar aufgebaute ELYAS M´BAREK verkommen zum eigenen Abziehbild. KEINOHRHASEN, WHAT A MAN oder FUCK JU GÖHTE sind flott und bunt nach US-Vorbild  in Szene gesetzt, nach Möglichkeit noch mit einer zuckersüßen Moral verziert – und fertig ist das staatlich finanzierte massenkompatible Stück Familienunterhaltung. Keinerlei Sanktionen, die FSK zeigt sich in ihrer Empfehlung großzügig, die Kassen klingeln und alle sind glücklich. Da wundert es nicht, dass engagierte Filmemacher auf Förderungen und einen Verleih verzichten und stattdessen zum Opferstock greifen und sich, um jeden einzelnen Cent bemüht, durch die unendlichen Weiten des Internets betteln.

Einem solchen Schicksal liegt auch der Film CAEDES – DIE LICHTUNG DES TODES zugrunde. Ein Projekt, das von einer kleinen Filmcrew aus Bayern mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne realisiert wurde und eindrucksvoll beweist, dass der deutsche Genrefilm trotz aller Widrigkeiten seine Existenzberechtigung hat. Die deutsche
Independentszene lebt und sie entwickelt sich immer weiter. Während zu den Anfängen der Szene noch (nach heutigen Gesichtspunkten) mit einer primitiven Handkamera gefilmt wurde, wurde bei CAEDES mit einer 4k RED
ONE gedreht um perfekte Kinoqualität zu garantieren. Aufgeführt, nominiert und ausgezeichnet auf zahlreichen internationalen Filmfestivals, musste sich der Zuschauer bis Oktober letzten Jahres gedulden, bis TIBERIUS FILM ihn auf DVD und BR ungeschnitten veröffentlichte. Laut EMSCH SCHNEIDER von ILLUSIONS, der als einer der ausführenden Produzenten fungierte, hat der Film von der FSK mit einer „kJ“-Freigabe seinen Segen bekommen.
Und um frühzeitige Bedenken auszuräumen: Sie ist durchaus gerechtfertigt und kein strategischer Schachzug um die Zuschauer anzulocken, so wie es bei einigen Labels mittlerweile zur Normalität geworden ist, aufgrund eines FSK:18-Trailers im Bonusmaterial eine höhere Freigabe zu „erwirken“ obwohl der Hauptfilm eine FSK:16 erhalten hat.

Vier Freunde, ehemalige Soldaten, wollen ihre Erinnerungen an den Einsatz in Afghanistan weit hinter sich lassen und brechen zu einem Camping-Urlaub auf. Vor Ort im Zeltlager „Happy Camping“ angekommen, werden als erstes die Lage und die weiblichen Camper abgecheckt, bevor man abends gesellig am Lagerfeuer feiert und am nächsten Morgen verkatert und benommen aufwacht. Noch nicht ganz klar, folgt schon sehr bald die allgemeine Ernüchterung, als einer der Camper über ein junges Mädchen herfällt. Doch er ist nicht der einzige, der anscheinend über Nacht eine merkwürdige Verwandlung durchgemacht hat – denn der erste Übergriff ist nur der Startschuss für einen Überfall Dutzender untoter Camper mit einem unstillbaren Hunger auf Menschenfleisch. „Happy Camping“ wird von Zombies überrannt, während die Überlebenden des Massakers sich zum Widerstand rüsten. Mit Pfeil
und Bogen, Äxten, Macheten und Kampfsportkenntnissen wird der Meute zu Leibe gerückt. Doch die grässlich verunstalteten und laut röchelnden Zombies sind nicht die einzigen, die es auf die Camper abgesehen haben. Bei dem Versuch die Lichtung zu verlassen, wird aus dem Hinterhalt heraus auf sie geschossen…Und niemand der Camper hätte Tags zuvor damit gerechnet, 24 Stunden später dem Führer gegenüberzustehen…

Das ganze hört sich nach einem augenzwinkernden Splatter-Spaß an – und das ist CAEDES auch! Eine Horrorkomödie, die ihren Humoranteil GOTT SEI DANK nicht über peinlichen Klamauk und infantile Zoten definiert,
sondern aus ulkigen Gags, absurden Situationen und einer skurrilen Storyentwicklung. Ein Feuerwerk an Pointen darf man aber nicht erwarten, zumal auch nicht jeder Gag zündet. Dass der Film zugunsten einer höheren Gagquote auf platten Fäkalhumor verzichtet, ist dem Autorenteam SLAVICA und SLAVKO SPIONJAK hoch anzurechnen. Sie erfinden das Genre nicht neu, beuten aber auch nicht jedes Klischee aus. Nazis und Zombies spielen zwar eine gewichtige Rolle – aber ein typisches und längst nicht mehr besonderes Szenario wie bei DEAD SNOW, seiner
Fortsetzung und den unzähligen B-Flicks dieses Subgenres, wird dem Zuschauer hier nicht geboten. CAEDES ist in dieser Hinsicht wohltuend anders, geht konsequent seinen Weg und nimmt sich dabei selbst nicht ernst – ohne dabei in unfreiwillige Komik zu verfallen. Der Film hält sich auch nicht länger als nötig mit der Einführung der Protagonisten auf und präsentiert größtenteils grob skizzierte Charaktere ohne die üblichen Stereotypen. Die Rollen sind natürlich und sympathisch angelegt und von den versierten Darstellern größtenteils glaubwürdig
gespielt. Hier konnte auf eine ausgewogene Mischung aus Jung-Schauspielern und alten Hasen der Szene zurückgegriffen werden, wobei man vor allem ein Auge auf BERNHARD BOZIAN, BURAK AKKOYUN und die attraktive und nicht minder talentierte LENA BAADER werfen sollte. LENA, die eine starke Frauenrolle verkörpert, wurde für ihren Part als beste Darstellerin bei dem FANTASY FILM FESTIVAL in Ohio/Cleveland nominiert. In kleinen Gastrollen gibt es unter anderem ein Wiedersehen mit GABRIELA WIRBEL (PLASTIC, BOB, DER BAGGERFÜHRER), MANOUSH (LA PETITE MORT, THE CURSE OF DR. WOLFFENSTEIN) und FLORIAN SIMBECK, der „Stefan“ aus dem ehemaligen Comedy-Duo ERKAN & STEFAN. Und NIKOLAI WILL (demnächst auch in Z-OFFICE mit dabei) kann von sich behaupten, in einer der witzigsten Szenen des gesamten Films überzeugt zu haben. Schauspielerisch gibt es bei CAEDES nichts zu bemängeln. Hier wird einmal mehr deutlich, wie sehr sich die deutsche Szene positiv
entwickelt und verstärkt auch auf professionelle Schauspieler mit entsprechender Bühnenerfahrung setzt.

Auch handwerklich überzeugt CAEDES mehr als dass er enttäuscht, auch wenn Kamera, Schnitt und Score keine wirklichen Akzente setzen. Die Effektarbeit von PHILLIPP RATHGEBER ist grundsolide. In Sachen Gore wird bereits in der ersten Viertelstunde ein ordentliches Gemetzel geboten, bei dem das Blut nur so spritzt: Zahlreiche Head Shots, aufgespießte Körper, gespaltene Schädel, blutige Bisswunden, abgetrennte Gliedmaßen und Ausweidungen – hier halten durchaus akzeptable CGIs und handgemachte Effekte die Waage und verleihen CAEDES den nötigen
blutig-brutalen Anstrich. Gedreht vom 24.08.-11.09.2013 mit über 300 Mitwirkenden, entstand mit CAEDES – DIE LICHTUNG DES TODES ein zeitgemäßer Zombie-Spaß, der hervorragend sämtliche bekannten Referenzen umschifft und sich dem Zuschauer als eigenständiger und origineller Film präsentiert. Die Ausgangssituation ist ein alter Hut und nicht als Makel zu werten – das Zombiegenre ist zwar nicht tot und noch immer sehr beliebt, aber doch ziemlich ausgelutscht. Die Originalität des Films ist es, sich weder hinsichtlich der Story oder der Charakterentwicklung in eine Schublade zu stecken, sondern den Plot möglichst frei von genretypischen Klischees zu erzählen. Das anfängliche Tempo wird dabei im weiteren Verlauf nicht konsequent beibehalten, aber letzten Endes
überzeugt der Film als angenehmer Zeitvertreib.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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