Kritik: BUNKER OF THE DEAD

Warenalbum 006

Geschichtlich zählen die Nazis zu den übelsten Unmenschen überhaupt,
doch liefern ihre verabscheuungswürdigen Untaten und Verbrechen, die
Legenden um geheime Nazischätze oder Verschwörungen um Altnazis, die
mit neuer Identität in hohen Positionen die Geschicke des
Nachkriegsdeutschland lenken, Stoff für unzählige Filme. Neben
verwegenen Kriegsabenteuern wie SPION ZWISCHEN DEN FRONTEN, AGENTEN
STERBEN EINSAM, DIE SEEWÖLFE KOMMEN oder EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE,
avancierten vor allem DAS QUILLER-MEMORANDUM, DIE AKTE ODESSA oder THE
BOYS FROM BRAZIL zu Klassikern. Auch B-Movies wie RIVER OF DEATH
entdeckten den bösen Nazi als Antagonisten für ihre abstrusen Stories
– wobei der Übergang zum Trash nicht beabsichtigt, aber zuweilen
fließend war. Als solcher sollte 1976 mit SHOCK WAVES – DIE
SCHRECKENSMACHT DER ZOMBIES einer der ersten Horrorbeiträge mit
Nazi-Zombies in die Filmgeschichte eingehen und fortan, zusammen mit
den „Sex-Nazis“, das internationale Exploitation- und Grindhouse-Kino
beleben. Subgenres, die ein wahrer Quell der Freude sind und sich
bestens für ein DEAD ENDS-Special eignen – weswegen wir auf weitere
exemplarische Fallbeispiele dieser Dekade nicht weiter eingehen
werden.
Nicht zuletzt mit LAND OF THE DEAD und dem DAWN OF THE DEAD-Remake
wurde das früher stiefmütterlich behandelte Zombiegenre nun einem
breiten Publikum zugänglich gemacht und die lebenden Toten waren nach
Jahrzehnten ihres Schattendaseins salonfähig geworden. Der
sensationelle Erfolg und Hype um THE WALKING DEAD sorgte dafür, dass
sich die Untoten längerfristig ausbreiteten und bislang aus unseren
Wohnzimmern nicht wegzudenken sind. Mit DEAD SNOW wurden dann auch
wieder die Nazi-Zombies aus der Versenkung der Verdammnis geholt und
gaben sich fortan regelmäßig die Ehre. Nach IRON SKY, der weniger von
untoten Nazis als von Mondnazis handelt, CAEDES – DIE LICHTUNG DES
TODES  sowie den mit Spannung erwarteten SKY
SHARKS, stellt BUNKER OF THE DEAD hinsichtlich seiner Story um
Nazi-Zombies einen weiteren deutschen Genrebeitrag zur untoten
Vergangenheit unserer Republik dar. Fans der genannten trashigen
Glanzstücke sollten also an BOTD ihre Freude haben, der seit dem
02.06. über KOCH MEDIA auf DVD, BR und 3D-BR im Handel erhältlich ist.

Die Freunde Markus und Thomas finden Zugang zu einer unterirdischen
Militärbasis aus dem 2. Weltkrieg. Die Verlagerung diente den Nazis
als geheime Forschungsanstalt und bis heute ranken sich auch Gerüchte
um das seit Kriegsende verschollene Beutegold der Nazis. Ausgerüstet
mit Funk und 3D-Kamera dringt Markus in das Höhlensystem ein und schon
bald findet er tatsächlich die geheime Basis. Was er nicht weiß, ist,
dass sich mit seinem Eindringen nicht nur das US-Militär an seine
Fersen geheftet hat, sondern auch etwas, das seit über 70 Jahren auf
vieles verzichten musste – allem voran auf Nahrung. Für Markus beginnt
ein Rennen um sein Leben…

„Nazis, Zombies und literweise Kunstblut: Mit dem für wenig Geld in
Deutschland entstandenen Found Footage-Horror BUNKER OF THE DEAD
präsentieren Regisseur MATTHIAS OLOF EICH und sein Team eine echte
Neuheit: Den ersten auf Film gebannten „First Person Shooter“ der
Welt, der den Zuschauer – nicht zuletzt Dank innovativ eingesetzter
3D-Technologie – mittendrin sein lässt, statt nur dabei. Das Ergebnis:
Volle Punktzahl bis zum unvermeidlichen Game Over.“ – So wird BOTD
Online- und Presseredaktionen für ihre Publikationen schmackhaft
gemacht. Ob das gerechtfertigt ist und ob der Film mit den genannten
Referenzen mithalten kann, verraten wir Euch nun:

Regisseur MATTHIAS OLAF EICH, der in den Credits als MATTHEW OAKS
genannt wird, geht mit seinem Film gleich mehrfach den sicheren Weg.
Wie wir aus der Einleitung gelernt haben, zählen Zombies zu den
beliebtesten Schreckensfiguren im Horrorfilm und Nazi-Zombies sind
ohnehin eine willkommene Bereicherung um Untoten-Spektakel mit
augenzwinkernden NS-Klischees aufzulockern. Konzipiert als Found
Footage-Film (ein mittlerweile abgenutztes, anscheinend noch immer
funktionierendes und Zuschauer anlockendes Stilmittel), der mit dem
Ego Shooter-Prinzip aktuelle Trends bedient – das alles vor dem
Hintergrund einer banalen Story und einem atmosphärischen Setting:
Fertig ist der Zombie-Actioner aus deutschen Landen.

Aber so innovativ oder etwas Besonderes wie es schön geredet wird, ist
es nun auch wieder nicht. Bereits in DOOM wurde die Ego
Shooter-Perspektive aufgegriffen, nahezu zeitgleich mit BUNKER OF THE
DEAD starteten mit HARDCORE und PANDEMIC zwei weitere Titel, die sich
dieses Stilmittels bedienten. Und der anvisierte Trash-Appeal geht
angesichts lausiger Gags in der Dunkelheit des Bunkers verloren. Von
Situationskomik kann hier keine Rede sein, der Humor resultiert einzig
und allein aus den unlustigen Sprüchen des Protagonisten, die auf
Dauer nur noch nerven. Das völlige Fehlen von gelungenen Pointen,
schwarzen Humors oder politisch inkorrekter Bosheiten gereicht weder
zum guten Trash, noch zu einer Zombie-Comedy. Das Verbrennen einer
Hakenkreuzflagge mag als kritisches Statement gegenüber unserer
aktuellen Gesellschaftslage dienen, doch das ehrenhafte Ansinnen
weicht der überzeichneten Darstellung der Szene. Hier mangelt es
einfach an Feingefühl, zwischen Klamauk und nötiger Ernsthaftigkeit zu
nuancieren, damit solche Szenen weniger albern wirken.

Gemäß der FSK:16-Freigabe sollte man als Gorehound, von einigen
Blutspritzereien und einem Kopf, der durch die Gegend rollt, keine
expliziten Splatterszenen erwarten. Der Film hat sicherlich seine
Momente, aber „literweise Filmblut“ wurden nun wirklich nicht
vergossen. Bei aller Kritik darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass
das Ergebnis für einen niedrig budgetierten Independentfilm, zumindest
aus technischer Sicht, überdurchschnittlich gut ist. Vom allgemeinen
Aufwand, der hier von der Kulisse über die Kostüme bis hin zur
Ausstattung betrieben wurde, abgesehen, können Masken und Effekte
ebenso überzeugen wie Score, Sound-Design und Synchronisation. Viel
Potential wurde verschleudert und der Film ist, trotz seines Tempos,
leider nicht so gut wie man sich von Titel und Thematik erhoffen
würde.

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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