Kritik: BRICK MANSIONS

Brick Mansions, Detroit. In dem durch eine Mauer vom Rest der Stadt abgetrennten Ghetto regieren Gewalt und Kriminalität. Drogenbaron Tremaine Alexander (RZA) hat das Viertel ohnehin fest im Griff, doch als er in den Besitz einer Massenvernichtungswaffe kommt, mit der er den Rest der Stadt erpresst, bekommt seine Macht eine neue Dimension. Um die Bombe zu entschärfen, wird Undercover-Cop Damien Collier (Paul Walker) die Mission erteilt, sich Zugang zu Tremaines Drogengang zu verschaffen. Dafür setzt er auf die Hilfe des Ex-Sträflings Lino (David Belle), der ihm mit seinem Insiderwissen und seinen Ortskenntnissen helfen soll, an den Drogenboss und seine Leute heranzukommen. Außerdem hat Tremaine Linos Ex-Freundin Lola (Catalina Denis) in seiner Gewalt und seine brutale Komplizin Rayzah (Ayisha Issa) geht nicht gerade zimperlich mit der Geisel um…

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 Das ist also die Rahmenhandlung von Paul Walkers filmischen Nachlass – neben dem siebten Teil des äußerst erfolgreichen „The Fast And The Furious“-Franchise, dessen Kinostart die Fans mit Sehnsucht erwarten.
Die Story hört sich altbekannt an – und das liegt weniger an den deutlichen Parallelen zu John Carpenters Kultklassiker „Die Klapperschlange“ von 1981, sondern vielmehr daran, dass es sich hier um eine Neuverfilmung des französischen Actionfilms „Ghettogangz – Die Hölle vor Paris“ aus dem Jahr 2002 handelt.

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Dabei recycelt Frankreichs Kinomagier Luc Besson sein eigenes Drehbuch und hält sich sklavisch an der Erfolgsformel des Originals, dem 2009 die Fortsetzung „Ghettogangz 2 – Ultimatum“ folgen sollte. Besson kopiert nicht nur die komplette Story mitsamt der Charaktere, sondern stellte auch gleich David Belle, den Hauptdarsteller des Originals, seinem zugkräftigen Star Paul Walker an die Seite, der hier den Polizisten spielt.
Davon abgesehen gibt es kaum Neuerungen im Handlungsverlauf – lediglich der Handlungsort wurde ausgetauscht und das ganze um eine kleine Regierungsverschwörung erweitert – ansonsten spult Regisseur Camille Delamarre den Actionfilm routiniert ab.

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Doch Routine ist keine Garantie für einen perfekten Film, denn „Brick Mansions“ kann das Tempo der ersten zehn Minuten im weiteren Verlauf des Films nicht halten. Die Actionszenen, vor allem die schwindelerregenden und spektakulären Stunts, insbesondere aber die rasanten Parkour-Szenen mit David Belle, sind zwar über jeden Zweifel erhaben und die Höhepunkte des Films – aber eben auch aus dem Original bekannt, und im direkten Vergleich bleibt die Neuverfilmung relativ blass.
Die Charaktere sind perfekt besetzt und glaubwürdig verkörpert und RZA als Gegenspieler eine charismatische Erscheinung. Der pulsierende Score versucht das Tempo des Streifens adäquat zu untermalen, was ihm auch gelingt – während Schnitt und Kamera eine Verbindung eingehen, die dem modernen Actionfilm Tribut zollt, den Zuschauer aber auf Dauer überfordert.

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„Brick Mansions“ ist unterhaltsam – keine Frage, aber er droht, an der Last seiner Story zu zerbrechen. Zu viele Charaktere bremsen leider auf Dauer das Tempo der banalen Story aus – anstatt sich auf den titelgebenden Schauplatz zu konzentrieren, werden Charaktere eingeführt, die für die Handlung entbehrlich und unerheblich sind, die der Rolle von Paul Walker aber Tiefe verleihen sollen. Nur leider gelingt es Regisseur Delamarre zu selten, die Inszenierung der Story geradlinig verlaufen zu lassen – da ändern auch die Plot-Twists im Finale nichts. Streckenweise wirkt die Inszenierung episodenhaft und uninspiriert – wodurch „Brick Mansions“ einiges an Intensität einbüßt.
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Letzten Endes bleibt ein steriler, porentief reiner Actionfilm, der Härte vermissen lässt, aber mit seinen furiosen Actionszenen durchaus zu überzeugen und auch zu unterhalten weiß – auch wenn das Ende in punkto Unglaubwürdigkeit den Vogel abschießt und das Handeln der Charaktere widersprüchlich und nicht nachvollziehbar erscheinen lässt.
Das ist eben das, was Luc Besson ausmacht: grob skizzierte Handlung mit austauschbaren Charakteren und einem Maximum an Schauwerten für´s Auge – massenkompatibel produziert für ein Publikum mit einem Minimum an Hirn, aber schmackhaft in Szene gesetzt.

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6,5/10

About

Jahrgang 1975, dreifacher Familienvater und leidenschaftlicher, aber nicht exzessiver Filmsammler. Ich habe ein ganz besonderes Faible für die 60er, 70er und 80er Jahre, für das deutsche und italienische Genrekino mit all seinen Facetten. Ob Edgar Wallace, Karl May oder TV-Klassiker wie DERRICK, DER ALTE oder TATORT - das sind die Titel, mit denen ich groß geworden bin. Mit Komikern wie LOUIS DE FUNES und HEINZ ERHARDT, mit SEAN CONNERY und ROGER MOORE als JAMES BOND, mit BLACKY FUCHSBERGER als Inspector Higgins, JOHN WAYNE als Westernheld und CHRISTOPHER LEE als DRACULA. Meine bevorzugten Genres sind Horror, Thriller und Old School-Action - im speziellen bin ich ein Freund von Slasher und Splatter-Machwerken, Zombiefilmen, Gialli und Polizieschi. Ich liebe den Psychothriller genauso wie den Polit- und Verschwörungsthriller, ich mag Tier-Horror fast jeder Art und die Mitternachtsfilme, mit denen mir RTL und SAT.1 am Wochenende die Jugend versüßten. Ich sage nur: LASS JUCKEN, KUMPEL. Science-Fiction und Fantasyfilme sind weniger mein Genre, ich mag auch nicht die modernen Big Budget-Blockmuster, die mit CGI und famoser Tricktechnik vollgestopft sind. Nett anzuschauen, aber seelenlos. Ich bin eher der Freund von Trash- und B-Movies und melde mich auch nur bei den Genres zu Wort, von denen ich Ahnung habe. Meine Lieblingsfilme sind u.a. WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, TENEBRE und AUF DER FLUCHT. Das sind nur drei Beispiele - alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In meine Sammlung kommen nur solche Titel, die einen nostalgischen Wert für mich haben und Filme, die ich mir immer wieder anschauen würde. Langeweile und filmische Eintagsfliegen, die zu schauen einmal ausreicht, werden gleich entsorgt. Als "Prinzessin Balduin" und "Trash-Luder Balduin" bin ich Herrin über TITTEN, TRASH und TERROR!

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