Kritik: BAIT – HAIE IM SUPERMARKT
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Früher war Josh (Xavier Samuel) Rettungsschwimmer, doch nachdem er seinen besten Freund Rory (Richard Brancatisano) durch einen Haiangriff verlor, hat er den Beruf aufgegeben. Ein Jahr nach jenem schicksalhaften Tag geht er wie gewohnt zur Arbeit im Supermarkt seiner Küstenstadt. Noch ahnt er nicht, dass es bald hoch her gehen wird: Jaimie (Phoebe Tonkin), die Freundin seines Arbeitskollegin Ryan (Alex Russell), wird beim Klauen erwischt, der herbeigerufene Polizist entpuppt sich als Jaimies Vater Todd (Martin Sacks) und zu allem Überfluss wird der Supermarkt in diesem Moment auch noch von zwei Räubern überfallen. Doch es kommt noch schlimmer: Eine Sturmflut fegt über die Stadt hinweg und setzt den Supermarkt unter Wasser.
Nachdem die Überlebenden der Naturkatastrophe wieder einen klaren Gedanken fassen können, retten sie sich auf die Regale und suchen nach Auswegen aus dem Gebäude. Schnell merken sie, dass sie in dem gefluteten Supermarkt nicht allein sind: Der Sturm hat weiße Haie in den Laden geschwemmt und die machen nun Jagd auf die menschliche Beute.

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Renny Harlins Tiefseeschocker „Deep Blue Sea“ läutete 1999 mit üppigem Budget und namhafter Starbesetzung das Revival des beliebten Subgenre des Tierhorrorfilms ein und orientierte sich dabei – mit sehenswerten Special Effects aufgemotzt – an Spielbergs Kultklassiker „Der weiße Hai“. 
Unzählige B-Movie-Schmieden wie NU IMAGE oder THE ASYLUM kamen auf den Geschmack, den Erfolg von „Deep Blue Sea“ für sich zu nutzen und mit abstrusen Machwerken wie „Megashark“ oder „Shark Attack“ dicken Reibach einzufahren. 
Im Fahrwasser solch teilweise unterirdischer Produktionen schaffte es dann Alexandre Ajas blutrünstiges Remake des 70ies-Hits „Piranha“ an die Oberfläche der Lichtspielhäuser – und das mit satten 3D-Effekten, jenem neumodischen Stilmittel, dessen sich auch „Shark Night“ von 2010 und die australische Produktion „Bait“ bedienen. 
„Haie im Supermarkt“ lautet dann auch der vielversprechende Untertitel von „Bait“, den der deutsche Verleih dem Film aufdrückte, um für eine ordentliche Kinoauswertung auch gleich deutlich zu machen, was den Zuschauer hier erwartet.
Der Untertitel verspricht ein weiteres trashiges Highlight und liefert auch gleich mit der Location eines, von einem Tsunami überschwemmten Supermarktes, eine innovative Location für bissigen Hai-Horror. 
Leider nimmt sich „Bait“ dabei selbst so ernst, dass jegliches Trash-Feeling, das man einem Film diesen Kalibers verzeihen würde, im Keim erstickt. Umso mehr wirkt die hanebüchene Einleitung erschreckend nervtötend und quält das Publikum mit stereotypen Klischeefiguren und sattsam bekannten Handlungsmustern. 
Bei B- und C-Movies wie „Hai Attack“ oder „Sand Sharks“, die herrlich selbstironisch und auf angenehme Weise unfreiwillig komisch sind, würde so etwas noch für leichtes Schmunzeln und den einen oder anderen Schenkelklopfer sorgen. Hier aber wirkt es einfach nur schlecht – da zu keinem Moment der Funke überspringen und Trash-Feeling einsetzen will.
Und da die Enge des Szenarios zwar für beklemmende und klaustrophobische Atmosphäre sorgt, gleichzeitig aber auch wenig Spielraum für abwechslungsreiche Momente hergibt, vergehen auch gleich einmal 30 langatmige, unspektakuläre Minuten, bis der erste von zwei Haien im Supermarkt seine Bahnen zieht. Das ist dann streckenweise mit einem solch kraftlosen Score untermalt, dass es wirklich eine Herausforderung ist, während der ersten Hälfte von „Bait“ nicht einzuschlafen. 

Ab der zweiten Hälfte wurde Regisseur Kimble Rendall offensichtlich der Stock aus dem Arsch gezogen und „Bait“ gewinnt endlich an Dynamik, wenn auch auf jede Aktion belangloses Geschwafel folgt und die Attacken vorhersehbar bleiben. Dennoch hat das Hai-Spektakel durchaus seine Momente – wenn auch den „Haien im Supermarkt“ irgendwie Biss und dem Film Pfiff fehlt.
Von den Effekten her ist „Bait“ noch halbwegs überzeugend – auch wenn sich der Einsatz von CGI nicht verleugnen lässt. Der Tsunami und die Hai-Attacken sind zwar nur von kurzer Dauer, aber ansehnlich in Szene gesetzt und neben viel Gekröse, das einfallslos durch die Gänge des Supermarktes schwimmt und den 3D- und Splattergehalt anheben soll, gefallen ein paar böse Kills in bester „Final Destination“-Tradition. Vor allem ist es eine wahre Wohltat nach unzählig katastrophal animierten Haien, endlich mal wieder zwei lebensechte Exemplare zu bewundern, die ihre Sache besser machen als so mancher Darsteller.

Angesichts der Thematik und des Potentials, das aus der witzigen Idee hätte heraus geholt werden können, verlässt sich „Bait“ zu sehr auf seine wenigen Schauwerte und die kaum schockierenden Splattereffekte. 
Spannung, Dramatik und Nervenkitzel sucht man hier lange Zeit vergeblich und so lässt einen „Bait“ über weite Strecken erschreckend kalt, schafft es dann immerhin den Zuschauer vom Mittelfeld bis zur Zielgraden knapp über dem Durchschnitt zu unterhalten.

Kein Ladenhüter, aber auch nicht der Deal des Tages – 6/10

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